Herrliberg

Der nächste Knatsch um den Fussballplatz ist programmiert

Die Gemeinde Herrliberg wertet das Urteil des Bundesgerichts um den Fussballplatz Langacker als Sieg. Doch eine Verlängerung des Streits ist gut möglich: Die Gemeinde plant nämlich bereits die Zukunft der Sportanlage.

Am Sonntagmittag ist Pause angesagt: Das Bundesgericht stützt die Lärmschutzmassnahmen der Herrliberger Baukommission.

Am Sonntagmittag ist Pause angesagt: Das Bundesgericht stützt die Lärmschutzmassnahmen der Herrliberger Baukommission. Bild: Moritz Hager

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Es war für die Gemeinde und den Fussballclub Herrliberg eine Zitterpartie. Doch am Ende ist das Resultat klar: «Für uns ist es ein 3:0», meint der Herrliberger Gemeindepräsident Gaudenz Schwitter (FDP). Nach dem Baurekursgericht und dem Zürcher Verwaltungsgericht hat nun auch das Bundesgericht die Position der Herrliberger Baukommission im Lärmstreit um den Fussballplatz Langacker bestätigt.

Damit kann ein neues Benützungsreglement für den Sportplatz in Kraft treten und die Gemeinde wird verpflichtet, die Beleuchtungsanlage des Sport­platzes zu überprüfen und leuchttechnisch zu optimieren. Diese Massnahmen, welche die Baukommission Herrliberg bereits 2015 verfügte, waren den Klägern zu wenig weit gegangen. Deshalb nahmen sie den Gerichtsweg in Kauf.

Konkret sieht das Massnahmenpaket unter anderem Folgendes vor: Während des Abendtrainings von 20 bis 22 Uhr ist auf Schiedsrichterpfiffe zu verzichten, ebenso auf Meisterschaftsspiele unter der Woche während der abendlichen Ruhezeit. Am Sonntag gilt eine 90-minütige Mittagspause von 12.15 bis 13.45 Uhr. Zudem wird die Gemeinde in die Pflicht genommen, mit gut sichtbaren Tafeln auf die Nachtruhe ab 22 Uhr hinzuweisen. Der Zuschauerbereich auf der Kopfseite des Kunstrasenfeldes ist aufzuheben. Innert drei Monaten muss die bestehende Beleuchtungsanlage überprüft werden und danach innert sechs Monaten ein mittelfristiges Beleuchtungs- und Sanierungskonzept vorgelegt werden.

Club hält sich an Regeln

Auch wenn die Massnahmen – gerade die Mittagspause am Sonntag – für den Fussballclub einschneidend sind, freut man sich über das Urteil. «Die Genugtuung und die Erleichterung sind gross», meint Clubpräsident Lars Haussmann. An die Vorgaben der Baukommission – obwohl bis zum Mittwoch noch nicht rechtskräftig – habe man sich seit dem Erlass 2015 schon gehalten.

Das Bundesgericht wiederholt in seinem Entscheid die Argumente der Vorinstanzen. Das Bundesgericht liess sich dabei nicht auf den juristischen Kleinkrieg ein, ob es sich bei der Sportanlage um eine bestehende Baute handle oder ob es sich – so hatten die Kläger argumentiert – wegen des Einbaus eines Kunstrasenfeldes um eine Neuanlage handle. In der juristischen Abwägung stellen die Lausanner Richter fest, dass die Baukommission zu Recht eine Einzelfallbeurteilung der Lärmimmissionen vornahm und das öffentliche Interesse am Fussballbetrieb höher gewichtete.

Insbesondere macht das Bundesgericht klar: «Es liegt im öffentlichen Interesse, diese bestehende Anlage sinnvoll zu nutzen, anstatt auf andere, weiter entfernt liegende Sportplätze ausweichen oder gar eine neue Anlage erstellen zu müssen.» Denn, so urteilt das Bundesgericht, andere Standorte in der Bauzone dürften kaum bestehen, ausserhalb der Bauzone würde eine neue Sportanlage dem Interesse am Erhalt von Natur- und Landwirtschaftsflächen widersprechen. Der Bau einer Lärmschutzwand oder andere Lärmschutzmassnahmen hätten den Sportbetrieb oder das Ortsbild ebenfalls unverhältnismässig beeinträchtigt.

Auch auf die Klagen wegen des Lärms des Grümpelturniers ist das Bundesgericht nicht eingetreten.

Neuer Kunstrasen

Dass der Streit um den Fussballplatz nun beigelegt wird, ist unwahrscheinlich. «Widerstand kann nicht ausgeschlossen werden», meint denn auch Gemeindepräsident Schwitter. Denn gegen verschiedene Massnahmen – etwa eine neue Lichtanlage – sind wieder Einsprachen möglich.

Und neue Projekte für den Fussballplatz sind ebenfalls schon angedacht. Im kommenden Budget hat die Gemeinde den Ersatz des bestehenden Kunstrasens projektiert. Dieser hat nach über 10 Jahren das Ende der Nutzungsdauer erreicht. Gleichzeitig wird das Gesuch des FC Herrliberg geprüft, den Naturrasen des zweiten Platzes ebenfalls in einen Kunstrasen zu verwandeln. Der FC Herrliberg will bei der Planung aktiv mitwirken, sagt FC-Präsident Lars Haussmann. Denn im Zusammenhang mit den neuen Kunstrasen wolle die Gemeinde eine gründliche Planung für die gesamte Sportanlage vornehmen und allfällige weitere bauliche Massnahmen prüfen.

Die zwei vor Bundesgericht unterlegenen Anwohner waren für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht erreichbar. (zsz.ch)

Erstellt: 24.10.2018, 18:40 Uhr

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