Männedorf

Der Männedörfler, der Deep Purple vor der Linse hatte

Ueli Frey kennt als Fotograf die Bühnen grosser Rock- und Jazzkonzerte – so auch des Montreux Jazzfestivals, das demnächst beginnt. Doch allein mit der Welt der Musikstars mag sich der Männedörfler nicht beschäftigen.

Ueli Frey und Ian Gillan: Der Männedörfler tourte zwei Wochen mit Deep Purple durch Europa.

Ueli Frey und Ian Gillan: Der Männedörfler tourte zwei Wochen mit Deep Purple durch Europa. Bild: Manuela Matt

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Wer nur ein bisschen recherchiert, findet es schnell heraus. Dass der Männedörfler Ueli Frey zwei Berufe in sich vereint, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben scheinen: Der eine ist geprägt von ­mitunter dröhnenden Bässen, drängelnden Musikfans und Schweissgeruch in stickigen Konzerthallen. Der andere vom sterilen Duft der Desinfektionsmittel, von hochglänzenden Räumen und leidgeplagten Patienten. Auf der einen Seite ist Frey Konzert- und Festivalfotograf, auf der anderen der Zahnarzt mit eigener Praxis in der Wohngemeinde.Die Verbindung der gegensätzlichen Welten mag erstaunen. Allerdings sind die beiden Berufe längst nicht die einzigen Tätigkeiten und Begabungen des 60-Jährigen. Dies zeigt sich im Gespräch mit ihm schnell einmal.

Wenn Frey von seinen Begegnungen, die er als Fotograf erlebt hat, erzählt, ist dies nicht nur die blosse Nacherzählung der Ereignisse. Würde man von weitem nur zuhören, man glaubte in seiner Wohnstube in Männedorf eine Zusammenkunft verschiedener Musikgrössen. Da hört man das raue Französisch von Angélique Kidjo, den gemütlichen Bernerdialekt von Pegasus-Frontmann Noah Veraguth oder Ralf Hütter der Band Kraftwerk mit seinem Hochdeutsch Düsseldorfer Provenienz: Schauspielerische Qualitäten kann man Frey demnach durchaus als weitere Begabung attestieren.

Band begeistert von Fotos

Breit ist das Amerikanisch, die Geste dazu herbeiwinkend-einladend, als er sagt: «Let’s have lunch together!». So hätten die Musiker der Band Vintage Trouble bei ihrem ersten Treffen am Montreux Jazzfestival reagiert. Der Grund für ihre spontane Einladung: Er zeigt ihnen seine Fotos, die er im Jahr zuvor von ihrem Auftritt in Zürich geschossen hatte – und sie sind begeistert.

«Die positive Reaktion von Vintage Trouble auf meine Fotos hat mir Mut gemacht.»
Ueli Frey

Das war vor zwei Jahren. Der Männedörfler hatte am Tag zuvor gerade ein persönliches «Erdbeben» erlebt, die Kündigung von seinem Job als Radiomoderator «aus wirtschaftlichen Gründen», wie es hiess.

Bleibende Kontakte

Radiomoderator, der Journalismus überhaupt: Ein weiteres Betätigungsfeld von Frey, sein ursprüngliches. Als Gymnasiast beginnt er 1974 für die «Zürichsee-Zeitung» zu schreiben, mit Spezialgebiet Rock-, Pop- und Jazzmusik. Dass bald auch das Fotografieren dazukommt, hat pragmatische Gründe: «Es brachte mehr Geld.» Gross zu lernen, braucht er es nicht. Sein Vater, Fotograf und Landschaftsfilmer aus Passion, hatte es ihm gezeigt. 1983 wechselt er zum dann gegründeten Privatsender Radio Zürisee. 30 Jahre lang bleibt er dem Metier treu – stets parallel zum Zahnarztberuf – bis er, inzwischen bei Radio 1, die niederschmetternde Kündigung erhält. Und doch, der Zeitpunkt passte: «Die positive Reaktion von Vintage Trouble auf meine Fotos hat mir Mut gemacht.» Mut, verstärkt auf die Fotografie zu setzen.

Hallenstadion Zürich, Montreux Jazz Festival, Blues ’n’ Jazz Rapperswil – dies sind nur einige der Orte, an denen Frey als akkreditierter Fotograf dabei ist. Von den vielen Begegnungen mit den Musikern seien einige Freundschaften entstanden – wobei in diesem Business der Begriff «Freundschaft» locker zu definieren sei. «Für den Künstler ist man einer von Hunderten», sagt Frey. Aber der eine oder andere telefonische Kontakt bleibe. Nur mit einer Band verbinde ihn eine «sensationelle Freundschaft, die mit dem Beruf nichts mehr zu tun hat»: mit Vintage Trouble – seinen Mutmachern von einst.

Nur eines wäre einseitig

Letztes Jahr dann tourte Frey zwei Wochen mit der englischen Band Deep Purple quer durch Europa. «Alle wollen sofort wissen: Hey, wie wars – Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll?» schildert er die Reaktionen Aussenstehender. «Nichts als Klischees.» Die Stars seien abseits der Bühne ­völlig bodenständig. Statt etwa Kokainlinien zu ziehen, würde man sich gegenseitig Fotos der Kinder auf dem Handy zeigen.

Die für das Gespräch ausgemachte Zeit neigt sich dem Ende zu, aber da gibt es eben noch die Sache mit der Zahnmedizin. «Es war klar, dass Musikredaktor kein Beruf ist um davon zu leben.» Er bastle gern. Als Jugendlicher lötet er sich einen Verstärker zusammen, später schreibt er das eine oder andere Computerprogramm. Doch nur auf das Technische bauen wollte der Maturand von damals nicht. «Es musste etwas mit Menschen sein, da hat sich der Zahnarztberuf angeboten.» Eine Notlösung ist es nicht. Gerade die Kombination mit dem Fotografieren gefalle ihm. «Nur Fotograf wäre mir zu einseitig.» Er bearbeite manchmal stundenlang seine Fotos. «Da zeigt sich bei mir eben das Pingelige des Zahnarztes.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.06.2018, 09:16 Uhr

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