Küsnacht

«Der kleine Prinz» spricht jetzt auch Züritüütsch

Heinz Wegmann präsentiert mit «De chlii Prinz» die erste zürichdeutsche Übersetzung des Klassikers von Saint-Exupéry in Buchform. In der Buchhandlung Wolf erzählte der Üriker Schriftsteller von den Mühen bei der Übersetzung und warum er Ausdrücke wie «mega» oder «geil» vermieden hat.

In eine Welt der Poesie liessen (von links) Françoise Lorenz, Heinz Wegmann und  Levin Deger ihre Zuhörer eintauchen.

In eine Welt der Poesie liessen (von links) Françoise Lorenz, Heinz Wegmann und Levin Deger ihre Zuhörer eintauchen. Bild: Manuela Matt

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Von wegen Mundart und Schweizerdeutsch: Natürlich gibt es den Klassiker «Le Petit Prince» von Antoine de Saint-Exupéry schon auf Schweizerdeutsch, aber nur auf Hörkassette mit Jörg Schneider, Ines Torelli und Walo Lüönd, was also Jahrzehnte zurückliegt. Zudem ist diese Kassette momentan nicht lieferbar.

In Buchform erschien die Berndeutsche Übersetzung 2009 (von Lorenz Pauli), 2016 folgte diejenige von Anne Burri im Basler Dialekt. Da fand der bekannte Autor Heinz Wegmann mit Wohnsitz in Ürikon, der schon Jacques Prévert sowie Leonard Cohens Gedichte in Mundart übersetzt und schon eigene Mundartgedichte herausgegeben hat: «Es muss doch eine erste Zürichdeutsche Version in Buchform geben.» Diese Begründung für seine Übersetzung lieferte er seinem rund 40-köpfigen Publikum in der Küsnachter Buchhandlung Wolf. Und schob gleich einen weiteren Grund nach: «De chlii Prinz hät mich scho mis ganze Läbe begleitet und mich berührt d’Poesie vo siinere Gschicht».

Zweisprachige Lesung

So hat Wegmann vor über 50 Jahren sein erstes Auto – einen Fiat Topolino – «Petit Prince» getauft und am Heckfenster mit Vorhängen versehen. Der kleine Prinz habe stets die wichtigen Fragen gestellt und nicht locker gelassen, bis er eine Antwort erhielt. «Wobei seine Fragen wichtiger waren als die Antworten.»

Da die Lesung zweisprachig angesetzt war, las Françoise Lorenz, einst Wegmanns Französischlehrerin, zunächst den Originaltext, der erstmals genau vor 75 Jahren erschien. Die Vorleser begannen mit der Panne des Ich-Erzählers und Piloten in der Wüste, als diesem zum ersten Mal der kleine Prinz erscheint und ihn bittet, er solle ihm «es Schööfli» zeichnen. Sogleich ist man eingetaucht in die Poesie, die von der Geschichte ausgeht und die der Stäfner Musiker Levin Deger auf seiner Gitarre zwischen den gelesenen Passagen einfühlsam untermalte.

Dazwischen lässt Heinz Wegmann, ein Zürcher durch und durch, obwohl er seit Jahrzehnten am Zürichsee lebt, einen teilhaben an der Herausforderung dieser Übersetzung. Wie die einfache und gleichzeitig poetische Sprache St. Exupérys in Mundart wiedergeben, ohne dass es weder «kindelig» noch banal oder gestelzt klingt? Auch hatte er stets den Anspruch, ins heutige Zürichdeutsche zu übersetzen, wie man es hört und spricht, ohne dabei in den modischen Slang zu verfallen. So hat der Autor tunlichst Modewörter wie «mega» oder «geil» gemieden und mit Verstärkungsausdrücken wie «choge», „cheibe guet» oder «schuurig“ ersetzt. Zürcher Ausdrücke also, die eigentlich passé sind, aber zum kleinen Prinzen passen.

«Weitere schöne Zürichdeutsche Wörter konnte ich mir ebenso wenig verkneifen», sagt Wegmann und zählt auf: «Süüferi, munzig, verchruglet, gfigerettlet und gröchsle, was leise seufzen bedeutet.»

Beim Übersetzen des «Vaniteux», dem «iitle Kärli», der bewundert werden möchte und den der Prinz auf dem zweiten Planeten antrifft, hat Wegmann, und dabei musste er an der Lesung laut lachen, «an jemand aktuellen gedacht, der von sich so überzeugt ist, dass er sich als den Schönsten, den Reichsten und den Gescheitesten hält, en Hochmuetsaff also.» Er erntet Gelächter.

Neue Illustrationen

Da der Klassiker in Zürichdeutsch erstmals erschienen ist, hat der Autor Verena Pavoni um neue Illustrationen angefragt. Die Heimwehzürcherin, wohnhaft in Basel, hat ihre Zeichnungen in Ölkreide gekratzt und die Geschichte des Prinzen mit schlichten, aber ausdruckstarken Bildern wiedergegeben. Der Buchgestalter François G. Baer, auch er mit Pavoni an der Buchvernissage anwesend, hat das Werk koloriert und ihm den typografischen Schliff verpasst.

Heinz Wegmann, De chlii Prinz, 88 Seiten, Edition Apropos 2018, im Buchhandel oder direkt beim Verlag www.editionapropos.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.05.2018, 14:57 Uhr

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