Stäfa

Der Kahn soff noch vor dem rettenden Hafen ab

Taucher haben direkt vor der Oetiker Haab ein versunkenes Ledischiff aus dem 19. Jahrhundert gefunden. Ihre ursprüngliche These über das damalige Schiffsunglück mussten sie aber wieder über Bord werfen.

Vor der Hafeneinfahrt Stäfa haben Taucher  in 17 Meter Tiefe ein gesunkenes Schiffswrack entdeckt.

Vor der Hafeneinfahrt Stäfa haben Taucher in 17 Meter Tiefe ein gesunkenes Schiffswrack entdeckt. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kleine, unnatürlich wirkende Erhebungen auf dem Seegrund fallen Taucher Adelrich Uhr sofort auf. Mit dem Verein Swiss Archeo Divers, dem Tauchclub Zürichsee und weiteren befreundeten Tauchern untersucht er regelmässig verdächtige Stellen, die er auf Sonaraufnahmen der Kantonsarchäologie ausgemacht hat. Oft deuten solche Erhebungen - das Amt hat sie vor einigen Jahren mittels Schallimpulsen ausgelotet und kartografisch festgehalten - auf ein Wrack hin, das im Schlamm steckt.

So war es auch vor der Hafeneinfahrt vor Stäfa. Dort sind Uhr und seine Mitstreiter auf ein Wrack in 17 Meter Tiefe gestossen. Die Hobbyarchäologen haben es im Sommer mit Bewilligung der kantonalen Ämter untersucht. Nun liegt der Abschlussbericht vor. Es ist das zehnte Wrack, das die Taucher seit 2005 dokumentiert haben.

Ein Taucher begutachtet das Wrack vor Stäfa

Gewicht drückte Schiff ein

Der Bericht zeigt, dass die Forscher nicht immer so viel über ein Schiff herauszufinden vermögen, wie es dieses Jahr bei einem untersuchten Wrack vor der Ufenau gelungen ist. Bei letzterem konnten Uhr und sein Kollege Benno Schüpfer dank alter Unfallmeldungen und mit Hilfe dieser Zeitung sogar Nachkommen der damals verunglückten Mannschaft aufstöbern. Beim neusten Fund rund 150 Meter vor der Oetiker Haab in Stäfa bleibt hingegen vieles im Dunkeln. Dabei war die Freude über den Fundzuerstgross. Die Position des gut 20 Meter langen Kahns deutete darauf hin, dass es sich um ein Ledischiff handeln könnte, das 1874 beim Stäfner Steg von einem Dampfschiff gerammt und versenkt worden war.

So präsentiert sich das Wrack auf dem Seegrund.

Uhrs Recherchen haben aber ergeben, dass dies nicht stimmen kann. Die Zeitungen berichteten damals, das besagte Ledischiff sei mit Sand beladen gewesen. Auf dem Seegrund stiessen die Taucher aber auf 14 Steinblöcke. Zusammen sind diese ungefähr sieben Tonnen schwer. Das Gewicht hatte beim Aufprall auf den Grund das Schiff eingedrückt und die Wände des Bugteils weggerissen.

Alles steckt tief im Schlamm

Auch ein weiterer Fund deutet daraufhin, dass es sich beim Wrack nicht um das zuerst vermutete Unglücksschiff handeln kann. Mit Hilfe eines Metallsuchgeräts stiessen die Taucher auf einen dreizackigen Anker, der mit grosser Sicherheit zum Wrack gehört. Da er sich unter einer 25 Zentimeter dicken Schlammschicht befand, muss er sich schon seit mindestens 100 Jahren auf dem Seegrund befinden. Denn gemäss Uhr lagern sich dort jährlich etwa zwei Millimeter Schlamm ab - Staub, Dreck, Blätter und weiteres organisches Material. Seit 1874 kann der Anker aber noch nicht im See liegen. Denn er wurde gemäss Uhr mit einem Schweissverfahren hergestellt, das erst ab den 1890-er Jahren angewendet wurde. «Das Schiff ist also erst nach dieser Zeit untergegangen.»

«Ich stosse in alten Zeitungen ständig auf neue Meldungen über Schiffsunglücke.»Adelrich Uhr

Aufgrund des Bautyps des Schiffs vermutet der Freizeitforscher, dass dies irgendwann zwischen 1890 und 1910 geschehen sein muss. Vermutlich hatte der Kapitän vergeblich versucht, das Schiff während eines Sturms rechtzeitig in den rettenden Hafen zu steuern. Der Bug zeigt nämlich Richtung Oetiker Haab.

Nur: Bislang hat Adelrich Uhr keine Meldung gefunden, die zu seiner These passt. «Es ist verrückt», sagt der Taucher. «Ich stosse in alten Zeitungen ständig auf neue Meldungen über Schiffsunglücke - aber nie oder nur selten auf solche, die zu jenen Wracks passen, die ich schon gefunden habe.»

Öffentliches Referat über Lastkähne und Wracks im Zürichsee: Mittwoch, 23. Oktober, 19.30 Uhr, Gemeinschaftsraum Navillegut, Seestrasse 185, Kilchberg.

Erstellt: 18.10.2019, 17:26 Uhr

Artikel zum Thema

Taucher dürfen Wrack untersuchen

Stäfa Vor der Stäfner Badi Lattenberg werden in den kommenden Wochen Taucher ein Ledischiff aus dem 19. Jahrhundert erforschen. Mehr...

Taucher findet gesunkenes Ledischiff

Stäfa Gut 350 Meter vor der Stäfner Badi Lattenberg hat Taucher Adelrich Uhr ein Ledischiff aus dem 19. Jahrhundert entdeckt. Ein Petroltank sowie ein Schuh in unmittelbarer Nähe des Wracks ziehen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare