Natur

Der Herr der Bäume

Seit 15 Jahren ist Manuel Peterhans Revierförster am Pfannenstiel. An der Generalversammlung des kantonalen Forstpersonalverbands wurde er nun für sein Schaffen geehrt.

Manuel Peterhans auf den Überresten eines Baums, der von Sturm Lothar entwurzelt wurde: Aus dem so genannten Biotopbaum wächst ein junger Ahorn.

Manuel Peterhans auf den Überresten eines Baums, der von Sturm Lothar entwurzelt wurde: Aus dem so genannten Biotopbaum wächst ein junger Ahorn. Bild: Patrick Gutenberg

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Einer natürlichen Skulptur gleich ragt der mächtige entwurzelte Baumstumpf halbkreisförmig aus dem Waldboden. Wie eine Schneise reihen sich dahinter weitere mit Moos überwucherte Baumüberreste ein. «Das ist noch von Lothar», erinnert sich Manuel Peterhans an den Sturm, der 1999 auch über den Bezirk Meilen hinwegfegte. Der 42-Jährige scheint jeden Grashalm, jedes Blatt und jeden Baumstamm in «seinem» Wald zu kennen, so auch diesen Winkel nahe der Hütte der Pfadi Küsnacht-Erlenbach.

Seit 2004 ist er Revierförster von Küsnacht und Erlenbach. 2010 kamen die Waldgebiete in Herrliberg, und Egg dazu, darunter der Staatswald Guldenen. Stattliche 954,3 Hektar - ein Hektar entspricht etwa einem Fussballfeld - ist das Gebiet gross, das er hegt und pflegt, manchmal aber auch ganz bewusst den Kräften der Natur überlässt.

Für Verdienste geehrt

Wie gut Peterhans seine Aufgabe wahrnimmt, beweist die Tatsache, dass er kürzlich an der Generalversammlung des kantonalen Forstpersonalverbands für seine «Leistungen für den Zürcher Wald» geehrt wurde. «Manuel Peterhans versteht es ausserordentlich gut die vielseitigen, sich teilweise widersprechenden Interessen im und um den Wald am Pfannenstil unter einen Hut zu bringen», lobte Kreisforstmeister Res Guggisberg den Kollegen in seiner Laudatio.

«Es muss Platz für alle haben», ist Peterhans überzeugt. «Reiter, Jogger, Biker, Geotracker, Hündeler», nennt er nur einige der Nutzergruppen, die den Wald am unteren rechten Zürichsee nutzen. Es gebe Konfliktpotential, weil der Wald - insbesondere die Tobel - stark genutzt werde. Dass Peterhans auf den Ausgleich bei Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Waldnutzern pocht, nimmt man ihm ab. Im persönlichen Gespräch strahlt er eine grosse Ruhe und Gelassenheit aus. Doch auch ein gutes Quäntchen Humor schwingt mit, lacht er doch oft und gerne.

«Viele Leute sehen nicht, dass wir zwar alte Bäume fällen, dadurch aber junge Bäume wieder wachsen können.»

So blitzt auch eine gehörige Portion Selbstironie durch, wenn er mit einem Schmunzeln erzählt, wie er einst in im Tages-Anzeiger als «Rambo-Holzer» betitelt wurde. Er hat den entsprechenden Artikel, in welchen sich eine Frau aus der Region über den ihrer Meinung nach zu massiven Holzschlag aufregt, in einem Ordner sogar fein-säuberlich aufbewahrt. Den vermeintlichen Disput mit ihr konnte er gütlich und persönlich beilegen. «Ich habe sie durch den Wald geführt und sie hatte grosse Freude daran», erinnert er sich.

Licht für junge Bäume

Dass immer mal wieder jemand ausruft und gerade an der Goldküste der Forst eher als Freizeitgebiet denn als Wirtschaftswald wahrgenommen wird, ist er sich gewohnt «Der Wald ist ein emotionales Thema», erklärt der Förster. «Viele Leute sehen nicht, dass wir zwar alte Bäume fällen, dadurch aber junge Bäume wieder wachsen können.» Die so geschaffene Lichtschächte seien wichtig für die Artenvielfalt. «In dunklen Wäldern ist der Boden kahl», gibt Peterhans zu bedenken. Sein Bestreben einen so genannten Dauerwald mit Bäumen verschiedener Arten und Altersklassen am Pfannenstiel zu etablieren, hat die hiesige Landschaft geprägt. Man komme davon weg, ganze Flächen abzuholzen und fälle selektiv Bäume, erklärt er den Gedanken dahinter.

Genutzt wird das Holz von der Holzkorporation Küsnacht, aber auch von privaten Waldbesitzern und dem Kanton. Wenn Peterhans eine Karte des Gebietes zeigt, das er betreut, wird offensichtlich, dass der hiesige Wald einem Flickenteppich gleicht, was die Eigentumsverhältnisse angeht. Angestellt ist Peterhans jedoch von der Holzkorporation. Seine Aufgabe ist es indes auch, die privaten Waldbesitzer zu beraten. Forstpolizeiliche Aufgaben etwa das Durchsetzen des Fahrverbots zählen ebenfalls dazu. Einmal habe jemand sogar drei Lastwagen an Grüngut im Wald abgeladen, erinnert er sich an einen besonders krassen Gesetzesverstoss.

Wunschberuf Bauer

An den Zürichsee verschlug es Peterhans, dessen Dialekt seine Herkunft aus dem Thurgau verrät, eher zufällig. «Hier war eine Stelle frei.» Zuvor hat er als junger Forstwart an verschiedenen Orten in der Schweiz gearbeitet: in Churwalden, im Entlebuch oder im Tessin . «Mein Traumberuf als Bub war eigentlich Bauer», erzählt er. Aber seine Familie habe keinen Hof gehabt. Als er bei einem Bauern im Landdienst aushalf, der viel Wald besass, entstand der Wunsch, Förster zu werden.

«Wenn man etwas aufgebaut hat und dann geht es von einem auf den anderen Tag kaputt, ist das hart.»

Anfangs habe er schon Vorurteile gegen die «arroganten» Zürcher gehabt, verrät er lachend. «Ich habe aber schnell Freunde gefunden und gemerkt, dass es hier ganz cool ist.» Mittlerweile wohnt er –trotz seiner Familie mit drei kleinen Kindern am Bodensee – in Küsnacht und engagiert sich in der lokalen Feuerwehr.

Zwei harte Jahre

Peterhans kümmert sich nicht nur um das Fällen von Bäumen, sondern pflanzt auch junge Bäume an. Er hat mit dem Kastanienbaum – den er bei einem Praktikum im Tessin näher kennengelernt hat - eine neue Baumart in den hiesigen Wäldern etabliert. «Kastanien sind besonders», ist er überzeugt und schildert, dass er im Hinblick auf die Klimaerwärmung angefangen habe, die Bäume, die ursprünglich aus Asien stammen, hier anzupflanzen. Dass sie die zunehmende Trockenheit und Hitze besser vertragen als heimische Arten, konnte er letzten Sommer erleben.

Anderen Baumarten erging es schlechter. «Viele Weisstannen sind abgestorben», berichtet Peterhans. Nicht nur der Hitzesommer, auch der Sturm Burglind und der Borkenkäfer haben im Wald deutliche Spuren hinterlassen. Wenn er auf die 15 Jahre zurückblicke, hätten sich die grossen Veränderungen erst in den letzten zwei Jahren abgespielt, sagt Peterhans denn auch. «Wenn man etwas aufgebaut hat und dann geht es von einem auf den anderen Tag kaputt, ist das hart», fügt er nachdenklich hinzu.

Doch auch wenn Burglind zahlreiche Bäume zu Fall gebracht hat, zeigt der Vorgänger Lothar exemplarisch, wie aus der Zerstörung wieder neues Leben entsteht. «Das ist ein Ahorn», sagt Peterhans, als er für das Foto den von Lothar entwurzelten Baum erklimmt. Der junge starke Ahorn spriesst aus dem mit Moos überwucherten Totholz und reckt seine Zweige mit den charakteristisch gezackten Blättern der Sonne entgegen.

Erstellt: 18.06.2019, 14:11 Uhr

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