Herrliberg

«Der ganze Fussballclub hätte den Preis verdient»

Präsident Lars Haussmann und Mitglied Peter Junker waren das Sprachrohr des FC Herrliberg im Kampf gegen die Lärmklage von Fussballplatz-Anwohnern. Nun sind sie «Herrliberger des Jahres».

Präsident Lars Haussmann (rechts) und Mitglied Peter Junker wurden am Mittwochabend für ihre Rolle im Lärmstreit rund um den Fussballplatz ausgezeichnet.

Präsident Lars Haussmann (rechts) und Mitglied Peter Junker wurden am Mittwochabend für ihre Rolle im Lärmstreit rund um den Fussballplatz ausgezeichnet. Bild: Patrick Gutenberg

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Sie sind ein ungleiches Duo: Auf der einen Seite Peter Junker, der eher klein gewachsene und sportlich gekleidete Senior, der kein Blatt vor den Mund nimmt und eher forsch auftritt. Daneben Lars Haussmann, der grosse und elegant gekleidete Clubpräsident, eher zurückhaltend und in seiner Wortwahl sehr bedacht. Zusammen haben sie die Lärmklage von zwei wohlhabenden Anwohnern des Fussballplatzes Langacker in Herrliberg bekämpft. «Unsere Kombination war ideal: Der Vereinsvorstand konnte neutral bleiben, während Peter als einfaches Mitglied richtig Gas geben durfte», erklärt Präsident Haussmann.

Gas gegeben, das hatte Peter Junker in der Tat. Nachdem bekannt geworden war, dass die Kläger vor Bundesgericht ziehen, hat es sich der ehemalige Journalist und Dozent für Krisenkommunikation zur Aufgabe gemacht, den Medien die Dimensionen dieses Prozesses aufzuzeigen. «Eine Annahme der Klage hätte die ganze Schweiz betroffen. Der Fall hätte als Präzedenzfall zahlreiche Sportstätten im Siedlungsgebiet gefährdet», fasst es der 75-Jährige zusammen.

«Eine Million Zürcher und 2,5 Millionen Schweizer hat der FC Herrliberg mit dem «Sympathie-Marsch» im Dezember 2017 erreicht.»Lars Haussmann, Präsident des FC Herrliberg

Eine Million Zürcher und 2,5 Millionen Schweizer habe der FC Herrliberg mit dem medienwirksamen «Sympathie-Marsch» im Dezember 2017 erreicht, weiss Junker von einer Medienbeobachtungsagentur. Diese Zahlen sind zu einem grossen Teil sein Verdienst. Er hat all seine Kontakte mobilisiert, Statements von prominenten Sportlern eingeholt, Redaktionen mit Informationen eingedeckt und einen wütenden offenen Brief an die Kläger publiziert. «Als klar wurde, dass es um alles oder nichts geht, hat man mich gefragt, ob ich mich einschalten könne», erzählt Junker, wie es dazu gekommen ist. Er habe zugesagt, weil er wusste, dass er mit seinen guten Beziehungen helfen konnte.

Grosse Erleichterung

Die Wut ist bei Peter Junker auch heute noch da, die Genugtuung über den Sieg vor Bundesgericht dementsprechend gross. «Sie ist riesig», sagt er und zieht dabei das «i» in die Länge. Junker kann nicht nachvollziehen, wie die Kläger einen Verein gefährden konnten, in dem sich so viele Freiwillige engagieren und für Kinder und Jugendliche ein wertvolles Freizeitangebot schaffen. Das sei einfach unmenschlich, sagt er. «Besonders geärgert hat mich, dass unsere Gesprächsbereitschaft ausgenutzt wurde.» Wiederholt habe man den Dialog gesucht, der Verein habe Massnahmen ergriffen, um die Lärmbelastung einzudämmen. Antworten seien aber immer nur vom Anwalt der Kläger gekommen. Einen Termin mit der Leitung des Fussballclubs und mehreren Gemeinderäten hätten die Kläger im letzten Moment platzen lassen.

«Besonders geärgert hat mich, dass unsere Gesprächsbereitschaft ausgenutzt wurde.»Peter Junker, FCH-Mitglied

Lars Haussmann, seit zwölf Jahren Vereinspräsident und nun fast vier Jahre von der Lärmklage auf Trab gehalten, äussert sich bezüglich seiner Gefühle zurückhaltender. Für ihn sei der Bundesgerichtsentscheid eine grosse Erleichterung. Man sei zwar stets zuversichtlich gewesen und hatte keinen Plan für einen Negativentscheid in der Schublade gehabt. «Aber eine gewisse Unsicherheit war natürlich immer da», erzählt der 49-Jährige. «Der schönste Teil», fährt er fort, «ist für mich, dass das Gericht dem öffentlichen Interesse am Sport Rechnung getragen und der Gemeinde einen Spielraum für die Auslegung der Lärmschutzmassnahmen eingestanden hat.»

Einstimmige Wahl

Die Geschichte brachte noch andere positive Momente mit sich. Die Episode mit Philippe Corti, CEO der Spleiss AG, die früher einem der Kläger gehört hatte, bezeichnet Junker als wunderbares Erlebnis. Der neue Firmeninhaber distanzierte sich von seinem Vorgänger und spendierte am «Sympathie-Marsch» für alle Teilnehmenden Marroni. Ausserdem habe man Solidaritätsbekundungen von anderen Sportvereinen weit über die Region hinaus erfahren. Und der Verein ist durch die ganze Geschichte näher zusammengerückt, da sind sich Haussmann und Junker einig.

Dass sie beide nun «Herrliberger des Jahres» sind, scheint ihnen fast etwas unangenehm zu sein. «Wir stehen nun im Fokus, aber eigentlich hätte der ganze Verein diesen Preis verdient. Es haben sich sehr, sehr viele Leute eingebracht», sagt Haussmann. Auch die Gemeinde habe die Interessen des Sportvereins immer hervorragend vertreten. 

Gemäss Rolf Jenny, Präsident der Donatoren-Vereinigung «gelb-schwarz Herrliberg», die den Herrliberger des Jahres jeweils kürt, sind es aber ganz klar der Präsident und sein «Kampagnenleiter», die den Preis verdient haben. Die Wahl sei dieses Jahr einstimmig und diskussionslos erfolgt. «Die Lärmklage war das grosse Thema, das Herrliberg im letzten Jahr beschäftigt hatte», sagt er. Während der Fussballverband des Kantons Zürich den ganzen Verein für sein Engagement mit dem «Special Award» ehrte, wollte man nun spezifisch die Personen dahinter würdigen, sagt Jenny. Und fügt schmunzelnd an: «Wir wissen schon, wer was gemacht hat.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 16:27 Uhr

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