Forch

Der ewigen Flamme setzt der Regen zu

Das Wehrmännerdenkmal auf der Forch ist nicht mehr dicht: Regenwasser dringt in die Hohlräume ein. Nun wird es saniert – ein ganzes Jahr lang.

Das Wehrmännerdenkmal - hier auf einer aktuellen Luftaufnahme - wird saniert. Während der Arbeiten bleibt es aber zugänglich.

Das Wehrmännerdenkmal - hier auf einer aktuellen Luftaufnahme - wird saniert. Während der Arbeiten bleibt es aber zugänglich. Bild: Heinz Leuenberger/Desair AG

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Stetig züngelt die Flamme gen Himmel, seit 94 Jahren schon. 18 Meter hoch ist die Bronzeplastik auf der Forch. Die eherne Opferflamme – sie erinnert an die in den Weltkriegen gefallenen Wehrmänner aus dem Kanton Zürich – soll ein ewiges Mahnmal sein.

Doch dieses bröckelt. Genauer gesagt, der Betonsockel, aus dem die Flamme in die Höhe schiesst. Zwar wurde dieser 1990 saniert und verstärkt, doch braucht es aufgrund altersbedingter Schäden erneut eine Reparatur. Die tragende Betonkonstruktion, der Flammensockel sowie die Treppenstufen, welche die Stufenpyramiden hochführen, müssen instand gesetzt werden.

«Der Sockel aus Stahlbeton ist hohl und es tropft hinein», sagt Roman Blöchlinger, Geschäftsleiter des mit den Arbeiten betrauten Ingenieurbüros Blöchlinger Partner AG aus Küsnacht. Teilweise sind die Pfützen im Innern rostrot, was auf rostenden Betonstahl hindeutet. «Damit es nicht schlimmer wird, müssen wir die Risse und Fugen abdichten», sagt der Ingenieur.

In kleinen Schritten voran

Am Montag haben die Arbeiten, die der Kanton Zürich in Auftrag gegeben hat, begonnen. Sie werden von der Denkmalpflege der kantonalen Baudirektion begleitet. 220'000 Franken betragen die Kosten voraussichtlich, die Sanierung dauert ein Jahr. An der Ewigkeit gemessen, und dafür wurde die Flamme ja gebaut, ist das natürlich nicht viel. Einen Sterblichen hingegen dünkt die Bauzeit doch erstaunlich lang.

Der Grund für diese lange Dauer ist, dass die Arbeiten immer wieder ruhen müssen, wie Blöchlinger sagt. «Es gibt längere Unterbrüche, damit wir die Wirksamkeit der Massnahmen beurteilen können.» Die Arbeiter spritzen von innen eine spezielle Injektion in die Risse, um den Sockel abzudichten. Danach müssen sie längere Nassperioden abwarten um zu sehen, ob es noch weitere undichte Stellen gibt und wo es Nachbesserungen braucht.

Auch die goldene Schrift auf der obersten Stufe wird erneuert. Sie lautet: «Dies Denkmal baute das Zürcher Volk als Sinnbild seiner Opfer, die der Weltkrieg 1914 bis 1918 zu des Vaterlandes Schutz forderte.»

Einweihung zog Massen an

Das Wehrmännerdenkmal – im Volksmund auch als Forchdenkmal bezeichnet – entstand wenige Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs auf Initiative der Unteroffiziersgesellschaft. Diese hatte 1920 ein Komitee gegründet mit dem Ziel, ein schlichtes Denkmal an die im Aktivdienst verstorbenen Soldaten zu errichten. Mehrere Gemeinden bewarben sich um den Standort. Den Zuschlag erhielt schliesslich die Forch, unter anderem weil die Bergkuppe die Wirkung des Denkmals besonders verstärkt.

Über 90 Entwürfe wurden in einem Wettbewerb eingereicht. Die Jury entschied sich für den Vorschlag des Zürcher Architekten Otto Zollinger. Am 24. September 1922 wurde die Opferflamme vom damaligen Bundespräsidenten Robert Haab, einem gebürtigen Wädenswiler, eingeweiht. Schätzungen zufolge waren 30'000 bis 50'000 Personen anwesend.

Erweiterung scheiterte

Das Wehrmännerdenkmal war zwar ursprünglich für die Opfer des Ersten Weltkriegs gebaut worden, es erinnert aber auch an jene des Zweiten Weltkriegs. 1946 hatte Architekt Zollinger sogar den Auftrag für eine Erweiterung erhalten. Auf einer Gedenktafel hätten sämtliche Wehrmänner aus dem Kanton Zürich namentlich aufgeführt werden sollen, die von 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945 im Aktivdienst umgekommen waren.

370 Zürcher Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, 760 im Zweiten Weltkrieg. Sie kamen allerdings nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen ums Leben, sondern durch Unfälle oder Krankheiten wie die Spanische Grippe.

Per Helikopter in die Werkstatt

Zur Erweiterung des Denkmals kam es jedoch nicht. Offenbar gab es zunächst Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Namen. Später verzichtete man aus Rücksicht auf das Landschaftsbild auf den Anbau einer Gedenktafel, die angesichts der zahlreichen Namen gross ausgefallen wären.

Und so steht das Denkmal äusserlich unverändert da. Nur einmal verschwand es für kurze Zeit: vor 26 Jahren, als ein Helikopter die tonnenschwere Skulptur abtransportierte, damit sie überholt und im Innern besser stabilisiert werden konnte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.09.2016, 16:17 Uhr

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