Küsnacht

Der City-Flitzer rollt vom Band

Nach langem Warten ist es endlich soweit: Die Produktion des Kabinenrollers Microlino ist angelaufen, wenn auch vorerst nur für den Eigenbedarf der Entwicklerfirma. Die ersten Kundenfahrzeuge werden im Frühjahr ausgeliefert.

Ein neuer Blickfang auf Schweizer Strassen: Der Microlino wird nach langer Entwicklungs- und Testphase im Frühjahr in Betrieb gehen.

Ein neuer Blickfang auf Schweizer Strassen: Der Microlino wird nach langer Entwicklungs- und Testphase im Frühjahr in Betrieb gehen. Bild: Keystone

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Das Projekt Microlino befindet sich – nach bald vier Jahren und immer wieder neuen Fristen – auf der Zielgeraden. Mit dem Produktionsbeginn für den Elektrokabinenroller in Sichtweite, hat das Küsnachter Unternehmen Microlino – entgegen dem Grundsatz «never change a winning team» – einen wichtigen Parameter verändert: Statt auf den langjährigen Entwicklungspartner Tazzari in Imola setzt Microlino neu auf den deutschen Sportwagenhersteller Artega.

Die Frage sei schon länger im Raum gestanden, sagt Microlino-Projektleiter Oliver Ouboter. Eine Automobilproduktion für Stückzahlen von mehreren Tausend auf die Beine zu stellen, sei nicht zu unterschätzen. Artega sei willens und in der Lage, solche Stückzahlen zu stemmen. Bleibt die Frage, wieso Microlino nicht früher darauf gekommen ist, dass Tazzari diese Ansprüche nicht erfüllen kann. Zwar wäre auch der italienische Elektroautohersteller grundsätzlich dazu in der Lage gewesen, sagt Ouboter, doch sei Artega – zusammen mit den Partnerfirmen – drei bis vier Mal grösser und biete die besseren Voraussetzungen, um die Produktion auszuweiten. Dazu komme das bessere wirtschaftliche Umfeld in Deutschland.

Alle wollten sie es sehen: Im Januar 2018 wurde im Kaufleuten das Vorserienmodel des Küsnachter Elektroflitzer Microlino enthüllt. Video: SDA

Qualität an erster Stelle

Dass die Microlino AG wegen des Ausstiegs aus dem laufenden Vertrag gegenüber Tazzari irgendwelche Kompensationszahlungen leisten musste, dementiert Ouboter: «Genau genommen hatte Tazzari in unserem Joint-Venture-Vertrag die Aufgabe, zu produzieren und auch in die Produktion zu investieren». Tazzari habe dann «im Prinzip» die ganze Firma an Artega verkauft. Darin enthalten seien auch die Rechte an allen sonstigen Tazzari-Fahrzeugen, die Artega für eigene Fahrzeuge nutzen wolle. Die Kosten für den Transfer der Produktion nach Deutschland sowie den Wissenstransfer müssen laut Ouboter Artega und Tazzari tragen. Zudem gebe es dank der neuen Zusammenarbeit mit Artega die Möglichkeit, die neueste Technologie der Schwesterfirmen Paragon und Voltabox zu verwenden, die unter anderem im Bereich Lautsprecher, Displays und Lithium-Ionen-Batterien tätig sind. Weitere Formen der Zusammenarbeit seien in Evaluation.

Keinen Einfluss hat der Partnerwechsel auf den Zeitplan von Microlino. Momentan läuft in Delbrück die Produktion für die internen Fahrzeuge, das heisst für solche zu Vorführzwecken, allerdings noch nicht auf Hochtouren, wie Ouboter erklärt. Die Auslieferung der ersten Exemplare der Knutschkugel mit dem «Jö»-Effekt erfolgt im April. Noch wichtiger als die Einhaltung des Zeitplans bezeichnet Oliver Ouboter aber den Anspruch, «ein qualitativ hochwertiges Fahrzeug auf die Strasse bringen zu können». Der 24-Jährige führt zusammen mit Bruder Merlin die für die Entwicklung des Zweiplätzers verantwortliche Microlino AG in Küsnacht. Die Firma, die bisher vor allem Vorleistungen und Investitionen ins Projekt zu tätigen hatte, will – dank des Produktionsstarts – in diesem Jahr erstmals eine schwarze Null schreiben und die Gewinnschwelle erreichen.

Nachfrage weiterhin hoch

Nach wie vor geht Oliver Ouboter von einer Produktionsleistung von 1000 bis 1500 Fahrzeugen für das laufende Jahr aus. Insofern ändere sich vorerst nichts an der Produktionskapazität: «Aber wir haben die Möglichkeit, die Produktion 2020 schneller und auf grössere Stückzahlen hochzufahren, als dies vorher der Fall gewesen wäre». Die Nachfrage sei ungebrochen hoch. Von daher würde Ouboter schon dieses Jahr gerne mehr als 1500 Fahrzeuge produzieren: «Ganz so schnell geht das aber leider nicht». Bereits früher hatte Microlino verkündet, ab 2021 die Produktion auf jährlich 10 000 bis 15 000 Stück hochfahren zu wollen. Ein ambitiöses Ziel, an dem Ouboter festhält: «Wir sind überzeugt, dass das Marktpotential da ist».

Mittlerweile fertig eingerichtet ist das Kundencenter in Meilen. Bereits ging darin ein Kundenanlass mit dem Partner Bosch Car Service über die Bühne. Leider fehlte dabei das Wichtigste: genügend Fahrzeuge. Das wird aber nach Auskunft von Oliver Ouboter bald der Fall sein, «und dann werden wir mit den Probefahrevents starten».

Erstellt: 09.01.2019, 15:31 Uhr

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