Zürichsee

Der Brotfisch geht im Zürichsee plötzlich wieder ins Netz

Die Berufsfischer am Zürichsee sind glücklich. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Fangergebnissen ziehen sie seit zwei Monaten wieder mehr Felchen aus dem Wasser. Für die Erholung des Bestands ist vor allem der Winter verantwortlich.

Den Berufsfischern vom Zürichsee gehen in diesem Jahr erstmals seit langem wieder Felchen in zufriedenstellenden Mengen in die Netze.

Den Berufsfischern vom Zürichsee gehen in diesem Jahr erstmals seit langem wieder Felchen in zufriedenstellenden Mengen in die Netze. Bild: Manuela Matt

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Der Brotfisch der Berufsfischer ist zurück in ihren Netzen. Im Zürich­see werden wieder so viele Felchen gefangen wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Das bestätigt Lukas Bammatter, Fischereiadjunkt des Kantons Zürich. «Es gibt zwar noch keine aktuellen Zahlen, aber die Fänge sind wirklich gut, die Erträge sind definitiv viel besser als in den letzten Jahren», sagt der oberste Fischereiverwalter des Kantons.

Für ihn deuten Indizien dar­auf hin, dass der letzte Winter mit der Verbesserung der Fangerträge zu tun hat. Durch Stürme und tiefe Temperaturen wurden die oberen warmen Wasserschichten mit dem nur vier Grad kalten Tiefenwasser so gut durchmischt «wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr». Das liess Nährstoffe nach oben treiben – Futter für das Zooplankton und somit Ankurbelung der Nahrungskette im See. «Die Fische waren zuvor schon da, aber einfach weniger greifbar», erklärt Bammatter. «Dieser Felchenjahrgang wuchs gut in die Netze.»

«Welt ist wieder in Ordnung»

Der Felchen reagiere am stärksten auf die Entwicklung im See und auf das Nährstoffangebot, sagt der Fischereiadjunkt. Das gelte auch für Weissfische wie Rot­auge und Leugel. Das Egli unterliege natürlichen Schwan­kun­gen. Dem Raubfisch komme zugute, wenn seine Beute gedeiht. Bei Hechten sei schon ein exzellenter Bestand erreicht.

Adrian Gerny, Präsident der Be­rufsfischervereinigung Zürichsee und Walensee, jubelt: «Die Welt ist momentan für uns wieder in Ordnung.» Ihm ist die Erleichterung anzumerken, nachdem es zuletzt immer trister aussah. 2017 wurden 169 Tonnen Fisch im Zürichsee gefangen, davon­ 55 Tonnen Felchen. 2016 waren es noch 189 Tonnen, wovon 65 Tonnen Felchen.

Dramatisch verschlechtert

Der Drittelanteil zeigt, wie wichtig der Brotfisch für die zehn professionellen Fischereibetriebe am Unter- und Obersee ist. Wenn man die fast 100 Tonnen Felchen in Betracht zieht, die noch 2015 aus dem Zürichsee gezogen wurden, wird ersichtlich, wie dramatisch sich die Lage für die Berufsfischer verschlechtert hat. Entsprechend atmen sie jetzt auf. «Alle sind glücklich, wir geniessen diese Augenblicke», sagt Gerny­.

Das gilt zum Beispiel für Berufs­kollege Pius Grieser, auch wenn der Meilemer Kiloangaben vermeidet: «Wir fangen seit Juni deutlich mehr Felchen, 2018 ist ein gutes, ein sehr gutes Jahr.» Auch Egli gingen wieder mehr ins Netz. Am Obersee hingegen hat sich wenig verändert, wie Berufs­fischerin Marina Züger (Uz­nerberg) mitteilt: «Eine Zeit lang sah es bei den Felchen besser aus, jetzt ist es wieder wie vorher.» Allerdings verzeichnete der Obersee bei Felchen nie denselben Einbruch wie der Untersee, weil der östliche Teil des Zürichsees aufgrund geringerer Tiefe im Winter besser durchmischt wird.

Zweites gutes Jahr möglich

Gemäss Fischereiadjunkt Bammatter blieb zwar der Phosphatgehalt im Zürichsee gleich, aber das Phosphat kam endlich wieder hoch. «Unten bringt es der Nährstoffkette gar nichts.» Noch eine positive Entwicklung erwähnt er: Die Durchmischung habe auch der giftigen Bakterie Planktothrix rubescens (Burgunderblutalge) geschadet, weil sie Druckunterschiede nicht verträgt. «Die ist sicher nicht mehr so dominant wie in den letzten Jahren», sagt Bammatter. «Auch wenn eine Prognose schwierig ist, so gehen­ wir davon aus, dass die Durchmischung des Zürichsees auch im nächsten Jahr einen positiven Effekt haben wird.» Doch für eine nachhaltige Entwicklung sei das noch zu wenig. Dafür brauche es weitere stür­mische und kalte Winter. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.08.2018, 08:30 Uhr

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