Männedorf

«Der Aufenthalt im Freien stärkt die Psyche»

Stretching auf einer Bank am See oder Gleichgewichtsübungen beim Spaziergang durch die Gemeinde - Fitnesstrainerin Monika Schweizer arbeitet mit ihren Patienten an ganz alltäglichen Orten.

Fitnessinstruktorin Monika Schweizer bindet ihre Leidenschaft für die Natur in ihre Trainings mit ein. Ihre Patienten trifft die 51-Jährige egal ob Sommer oder Winter unter freiem Himmel.

Fitnessinstruktorin Monika Schweizer bindet ihre Leidenschaft für die Natur in ihre Trainings mit ein. Ihre Patienten trifft die 51-Jährige egal ob Sommer oder Winter unter freiem Himmel. Bild: Michael Trost

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«Und den Arm weit nach hinten strecken», sagt Monika Schweizer, zeigt es vor und atmet dabei hörbar ein und aus. Vor ihr sitzt Theo Fierz*. Konzentriert macht er die Übung nach. «Der Blick begleitet die Hand», fährt Schweizer mit ruhiger Stimme fort. Fierz schaut dabei erst zum Zimmerberg, dann zur Stäfner Schiffstation, dem Gasthof Schützenhaus. Denn, das Gymnastikstudio von Schweizer liegt unter freiem Himmel. Dies jahrein, jahraus.

«Kraft und Fitness in der Natur tanken» ist der Slogan der Instruktorin aus Männedorf. Bei Fierz steht aber noch anderes im Vordergrund: das Gleichgewicht trainieren und Sicherheit in alltäglichen Bewegungsabläufen erlangen – um damit seine Krankheit in Schach zu halten.

Lange ohne Diagnose

Fierz leidet an Parkinson. Das zeigt sich etwa am Zittern in der rechten Hand. Mit dem Symptom verbinden denn auch die meisten Menschen die Krankheit. Aber auch nächtliche Atemaussetzer machen dem 75-Jährigen zu schaffen. Dagegen soll die eben ausgeführte Übung helfen. «Sie bewirkt, dass sich der Brustraum weitet und dadurch die Atmung verbessert», erklärt Schweizer.

«Ohne Bewegung wäre ich ein Rollstuhlkandidat»Theo Fierz*

Die Krankheit begleitet Fierz schon länger. «Mit 56 habe ich festgestellt, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist.» Er, schon immer sportlich, konnte das Bein auf einmal nicht mehr wie gewohnt über den Velosattel schwingen. Dann liess auch sein Geruchssinn nach. Erst aber die Steifigkeit führte nach mehr als drei Jahren zur Diagnose. «Als etwas vom ersten habe ich zu hören bekommen, dass Parkinson unheilbar ist», sagt er. Doch Fierz will sich so einfach nicht geschlagen geben. Er informiert sich laufend über die Krankheit und probiert stets das Beste aus der Situation zu machen. Dazu gehört eben – unter anderem – auch das Training zweimal pro Woche bei Monika Schweizer. Denn, «ohne Bewegung wäre ich ein Rollstuhlkandidat», ist Fierz überzeugt.

Auch für die Psyche

Ebenfalls zweimal wöchentlich erhält Fierz in einer Zürcher Klinik Ergo- und Physiotherapie – dort jedoch meistens in Innenräumen. «Draussen aber bieten Steine, Wurzeln oder unebene Wege eine zusätzliche Möglichkeit, den Gleichgewichtssinn zu trainieren», sagt Schweizer. Dieser ist bei Parkinson oft beeinträchtigt; die Patienten fühlen sich entsprechend unsicher. Wird aber vermieden, sich aus Angst vor Stürzen in schwierigem Gelände fortzubewegen, kommt es immer mehr zum Rückzug in die eigenen vier Wände – und damit zu einer tatsächlichen Abnahme der Gangsicherheit. Aus diesem Grund übt Schweizer mit Fierz das Gehen im alltäglichen Umfeld und verbindet dies mit Stretching sowie Gleichgewichts- und Koordinationsübungen an Geländern, Treppen oder auf Parkbänken.

«Draussen bieten Steine, Wurzeln oder unebene Wege eine zusätzliche Möglichkeit, den Gleichgewichtssinn zu trainieren»Monika Schweizer

«Der Aufenthalt im Freien stärkt zudem die Psyche», sagt die 51-Jährige. Der Patient komme in eine Umgebung, wo sich nicht alles um die Krankheit drehe. Zum einen bringe ihn die Natur mit der frischen Luft, den Farben und Tieren auf andere Gedanken. Zum anderen «kommt er unter die Leute.» Selbstredend nicht nur unter Leidensgenossen.

Abgestimmte Übungen

Sie achte auf die vorhandenen Ressourcen und fördere vorab diese, sagt Schweizer. Immer wieder fragt sie Fierz, ob er sich wohlfühle. «Die Befindlichkeit kann schnell ändern», erläutert sie. Seit Oktober ist Fierz ihr Kunde; seit dann bildet sie sich laufend über Parkinson weiter und steht wenn nötig mit Ärzten und anderen Therapeuten in Kontakt. Zudem stimme sie ihre Übungen auf jene aus der Physiotherapie ab. «Zum Wohlbefinden des Patienten tragen aber neben den Ärzten, Therapeuten und meinem Training vor allem auch die Angehörigen und überhaupt das soziale Umfeld bei», stellt sie klar.

Seit 13 Jahren betreibt sie ihre Geschäftsidee. Bis dahin hatte sie als Büroangestellte gearbeitet; doch als «Bewegungsmensch» war sie damit nicht recht zufrieden. Aus diesem Grund machte sie eine Ausbildung zur Erwachsenensportleiterin in Nordic-Walking und liess weitere im Fitness- und Entspannungsbereich folgen. Zudem durchlief sie einen viermonatigen Pfleghelferkurs des Schweizerischen Roten Kreuzes mit Praktikum im Stäfner Altersheim Lanzeln. Ihre von den Krankenkassen anerkannten Freilufttrainings bietet sie sowohl jungen Müttern mit Baby im Tragetuch an, als auch Menschen mit Beschwerden oder solchen, die aus einem anderen Grund nicht allein losziehen wollen. So habe sie auch schon eine Arbeitslose betreut. «Die Termine für das Training brachten ihr eine Struktur in den Tag, das Draussensein positive Gedanken.

*Name von der Redaktion geändert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.05.2019, 16:12 Uhr

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