Zollikon

Die Zolliker haben beim Schwimmbad Fohrbach die Qual der Wahl

Die Gemeinde zeigte an einem Anlass eine grosse Bandbreite von Zukunftsszenarien für das Fohrbach auf. Gut möglich ist aber, dass das Piratenschiff bei einem finanziellen Kompromiss die Segel streichen müsste.

Eine Traglufthalle, wie sie etwa hier im Bild in Winterthur geplant ist, wurde als Option für Zollikon vorgeschlagen.

Eine Traglufthalle, wie sie etwa hier im Bild in Winterthur geplant ist, wurde als Option für Zollikon vorgeschlagen. Bild: Visualisierung Stadt Winterthur/PD

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Mit den Badekappen, die am Montagabend im Zolliker Gemeindesaal verkauft wurden, können Schwimmbad-Sympathisanten Flagge zeigen: I love Fohrbach steht auf diesen. Angeboten wurden die Kappen vom Verein Pro Fohrbach am Rande eines Infoanlasses des Gemeinderats zur Zukunft des Bades. Dieser war mit etwa hundert Anwesenden gut besucht.

Zum Politikum wurde die Zukunft des Fohrbachs nachdem der Posten für die Projektierung im letzten Dezember auf Antrag des Präsidenten der Rechnungsprüfungskommission aus dem Budget gestrichten wurde – mit Rückendeckung von SVP und FDP.

Kritikpunkt waren vor allem die Kosten vor dem Hintergrund der Zolliker Finanzsituation. Nachdem inzwischen zwei Vorstudien erstellt wurden, präsentierte Sicherheits- und Umweltvorsteher André Müller (FDP) die Optionen für das sanierungsbedürftige Bad. Gleich zu Beginn machte er jedoch klar, dass die Haustechnik sowie die Heizung auch wegen Vorgaben des Kantons saniert werden müssen.

Rückbau, Sanierung oder Neubau

Ein Rückbau steht neben einem Neubau und einer Sanierung allerdings auch als Möglichkeit im Raum. Bei letzterer gäbe es vier verschiedene Optionen, die auf grosses Interesse stiessen. Während Müller bei einer Sanierung im heutigen Zustand von 32,4 Millionen Franken ausging, liegt bei einer optimierten Version die Schätzung bei 35,9 Millionen. Der Vorteil bei der ersten Variante wäre, dass dank einer fünfjährigen Sanierungszeit der Betrieb parallel weiterlaufen könnte. Die Mehrkosten entfielen dabei auf einen neuen Gastrobereich sowie auf eine Photovoltaikanlage.

Bei der so genannten Variante 1 Minus für 27 Millionen Franken müsste die Gemeinde wiederum auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten. Müller nannte beispielsweise das Piratenschiff oder das Chromstahlaussenbecken. Am günstigsten wiederum wäre eine Sanierung, bei der man nur das Nötigste machen beziehungsweise die gebundenen Ausgaben tätigen würde. «Das würde heissen, dass man das Fohrbach bis 2030 so weiterbetreiben könnte», sagte Müller, schob aber warnend hinterher, dass dann eine grosse Sanierung nötig würde.

Die Kosten für einen Neubau wurden auf 63 Millionen plus 2,3 Millionen Franken für den Rückbau beziffert. «Das würde heissen, dass das Bad einige Jahre zu wäre», betonte Müller. Da es in den Nachbargemeinden keine Ausweichkapazitäten gibt, würde dies wohl zu Ausfällen beim Schulschwimmen führen. Die 2,3 Millionen würden zudem auch bei einem reinen Rückbau anfallen. Als weitere Option brachte der Gemeinderat den Bau einer Schulschwimmanlage ins Spiel, die in erster Linie Schulen und Vereinen zur Verfügung stünde.

Dabei geht die Gemeinde von Baukosten über 15 Millionen Franken aus. Erstellt würde ein solches Becken nicht auf dem Areal des heutigen Fohrbachs, wie zu erfahren war. Als mögliche Alternativen nannte Müller unter anderem die Liegenschaft Voliere oder die Schulanlage Oescher. Wieviel der Verkauf des über 13'000 Quadratmeter grossen Fohrbach-Areals in die Gemeindekasse spülen würde, ist unklar. Genannt wurde eine Summe zwischen 30 und 50 Millionen Franken. Die Gemeindeversammlung müsste bei einem Verkauf allerdings einer Umzonung zustimmen.

Nach diesem Ausblick schilderte Müller die bisherigen Rückmeldungen aus der Vernehmlassung. So habe der grösste Teil das Fohrbach im heutigen Ausmass behalten wollen und niemand einen Rück- oder Neubau gewollt. Von verschiedenen Seiten sei zudem die Idee für eine Traglufthalle über das Aussenbecken gekommen. Als Beispiel für ein solches nannte Müller Bäder in Winterthur und in Chur.

Schwimmteich statt Chromstahlbecken

Kritisch zeigte sich bei der Fragerunde der Zolliker SVP-Präsident Thomas Gugler. Er wollte wissen, ob man den Architekten schon einmal eine feste Summe von 20/25 Millionen Franken vorgeschlagen habe, um etwas Vernünftiges fürs Schulschwimmen und die Vereine zu entwerfen. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, ein Bad zu finanzieren, das primär von Nicht-Zollikern genutzt werde.

Müller entgegnete darauf, dass man ohne die zwei Drittel Einzeleintritte Auswärtiger, die gleichen Fixkosten hätte und dann das Bad gleich zu machen könnte. Er erntete damit Applaus der Anwesenden. Weitere Vorschläge bezogen sich auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich, um Kosten zu sparen oder darauf, den Steuerfuss zu erhöhen.

Eine Votantin schlug zudem vor, das Aussenbecken in einen Schwimmteich umzuwandeln, um Betriebskosten zu sparen. «Schliesslich haben wir einen grünen Gemeindepräsidenten.» Eine Aussage, die dem anwesenden Sascha Ullmann, der als GLP-Politiker, nicht nur grün, sondern auch liberal ist, ein Schmunzeln entlockte.

Bis Ende August können sich Zollikerinnen und Zolliker noch zur Vernehmlassung äussern. Im März 2020 wird sich zeigen, ob es einen Neubau, eine Sanierung oder einen Rückbau gibt. Dann wird die Gemeindeversammlung voraussichtlich über die Zukunft des Fohrbachs entscheiden.

Erstellt: 09.07.2019, 17:04 Uhr

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