Küsnacht

Den Küsnachter Dorfbach auf den Bildschirm gebracht

Im Alter von 70 Jahren könnte man das Leben ruhig angehen lassen. Zwei Freunde aus dem Bezirk Meilen finden hingegen, es sei Zeit, einen Film zu drehen.

Zwei Filmemacher aus Leidenschaft: Gianni Lercari und Peter Vieser vor dem Wasserfall im Küsnachter Tobel (von links).

Zwei Filmemacher aus Leidenschaft: Gianni Lercari und Peter Vieser vor dem Wasserfall im Küsnachter Tobel (von links). Bild: Michael Trost

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Das sanfte Plätschern eines Baches über Stock und Stein. Das Rauschen der Wasserfälle. Das Gluckern eines Strudels. Das sind die Melodien des Küsnachter Baches, die zwei lokale Filmemacher festgehalten haben. Ihren Film haben sie «Melodien eines Baches» genannt. «Ich wollte das Wesen des Wassers einfangen» erklärt Gianni Lercari, der als Kameramann fungiert hat. Das Wasser sei immer im Hier und Jetzt, im Gegensatz zu den Menschen, die zu häufig entweder an die Zukunft oder die Vergangenheit denken würden. «Bei einem Spaziergang im Küsnachter Tobel habe ich plötzlich eine emotionale Verbindung zum Wasser verspürt», erinnert sich der 69-Jährige. Dieser Spaziergang durch das Tobel war der Ausgangspunkt für den Film.

Lercari eilte sofort zu seinem Freund Peter Vieser, um ihm von seinem Erlebnis zu erzählen und ihm so ein Bild des Baches zu malen. Vieser konnte krankheitshalber nicht selbst spazieren gehen. Dabei kennt er das Tobel schon seit Kindheitstagen: «Bereits als achtjähriger Lausbub habe ich mich jeweils vor dem Dorfpolizist hinter dem Wasserfall versteckt», meint der 71-Jährige. So entstand die Idee, denjenigen, die nicht so mobil sind, das Tobel quasi ins Haus zu bringen.

Perfekte Aufnahme finden

Von Ende Februar bis Ende Juli machte Gianni Lercari Aufnahmen vom Bach. Dafür kletterte der Kulturanthropologe Abhänge hinunter und watete durch den Bach, um die perfekte Einstellung zu finden. «Er hat die Gabe, mit der Kamera eine ganz bestimmte Sicht auf ein kleines Detail einzufangen, sodass andere die Welt so sehen können wie er», lobt Peter Vieser seinen Freund. Mal glitzert die Sonne auf der Wasseroberfläche, mal schreitet ein Reiher gelassen durch den Bach.

152 Stunden Material kamen zusammen. Glücklicherweise waren alle Aufnahmen mit GPS Daten versehen. Das machte es einfacher für Vieser beim Zusammenstellen des Filmes den Überblick zu behalten. Zuerst legte er zuhause Fotos auf dem Tisch aus, dann stellte er auf seinem Computer ein digitales Storyboard zusammen. Der Film folgt dem Verlauf des Baches von der Quelle bis kurz vors Dorf. «Zentral war, dass alles authentisch ist», sagt Vieser. Auf Spezialeffekte hat er darum für den knapp halbstündigen Film verzichtet.

«Ich wollte das Wesen des Wassers einfangen.»Gianni Lercari

Viesers Sohn, Olivier ist verantwortlich für die musikalische Begleitung des Films. Er hat bereits bestehende Musikstücke verwendet, aber auch selbst Musik komponiert. Olivier Vieser hat als professioneller Komponist bereits verschiedene Werbespots gestaltet. Insgesamt gibt es vier unterschiedliche Versionen des Filmes, teilweise mit Begleitkommentar, teilweise ohne. Im Moment allerdings konzentrieren sich die Filmemacher darauf, die sogenannte Premiere Version ohne Kommentar zu den Zuschauern zu bringen. «Ich möchte mit dem Film Sprach- und Kulturbarrieren überwinden», sagt Gianni Lercari, der in Meilen zuhause ist. Wasser sei etwas Universelles.

Persönliche Besichtigung

Bereit seit Mitte Oktober läuft «Melodien eines Baches» beim Elektronikladen Euronics von Allmen in Küsnacht im Schaufenster. Während der Shopping Night am 29. November ist geplant, vor dem Geschäft ein Zelt aufzubauen, in dem Glühwein getrunken werden kann und der Film gezeigt wird.

Zudem seien die Filmemacher in Verhandlungen mit dem Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde, um «Melodien eines Baches» dort zu zeigen. Allerdings wollen sie zuerst abklären, ob die technischen Bedingungen gegeben sind, denn der Film soll nur in höchster Qualität gezeigt werden. «Wir schauen uns jede Anlage vor Ort an», erklärt Peter Vieser. Für jede Aufführung bereite er den Film neu auf, damit er perfekt an die Gegebenheiten angepasst sei. Die Filmemacher wollen auch noch stärker auf verschiedene Zuschauerbedürfnisse eingehen und etwa eine therapeutische Version des Filmes herausgeben, die statt Musik nur mit Umgebungsgeräusche unterlegt ist. Die virtuelle Natur helfe Symptome zu mildern, meint Gianni Lercari. Auch Einzelpersonen können sich eine Version des Filmes bestellen.

Obwohl die beiden mitten in den Marketingarbeiten stecken planen Lercari und Vieser bereits die Weiterentwicklung ihres Filmes: Jede Aufnahme in «Melodien eines Baches» soll in allen vier Jahreszeiten nachgestellt werden. Jahreszeiten nachgestellt werden.

Erstellt: 15.11.2018, 15:48 Uhr

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