Kirchenpflege

Den Kirchen fehlen Behördenmitglieder

Nach den Wahlen ist fast die Hälfte der reformierten Kirchenpflegen im Bezirk Meilen inkomplett. In vielen Gemeinden braucht es einen zweiten Wahlgang. Die Verantwortlichen hoffen, das Problem bald zu beheben.

Behördenämter in der Kirche – hier der Turm der reformierten Kirche Zumikon – haben an Strahlkraft verloren.

Behördenämter in der Kirche – hier der Turm der reformierten Kirche Zumikon – haben an Strahlkraft verloren. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die evangelisch-reformierten Kirchenpflegen im Bezirk Meilen haben Mühe, genügend Behördenmitglieder zu finden. Während grössere Kirchgemeinden wie Stäfa, Meilen und Küsnacht für die Wahlen am vergangenen Sonntag gerade noch so viele Ehrenamtliche gefunden haben, wie Sitze zu vergeben sind, beklagt fast die Hälfte der Gemeinden im Bezirk Vakanzen für die nächste Legislatur. Betroffen sind eher die kleineren Kirchgemeinden.

So fehlen in Erlenbach zwei Mitglieder in der siebenköpfigen Kirchenpflege, in Uetikon eines. In Zumikon ist ebenfalls noch ein Sitz frei. Hinzu kommt eine weitere Vakanz in der fünfköpfigen evangelisch-reformierten Rechnungsprüfungskommission. Die Zumiker Kirchgemeinde ist die einzige im Bezirk Meilen, die noch eine solche Kommission unterhält. Alle übrigen haben deren Aufgabe an die Rechnungsprüfungskommission der politischen Gemeinde übertragen.

Präsidentin gesucht

Probleme haben aber nicht nur die bevölkerungsmässig kleinen Gemeinden im Bezirk. So fehlt auch in Hombrechtikon noch ein Kirchenpfleger im siebenköpfigen Gremium. Dasselbe gilt für die bereits auf fünf Sitze reduzierte Kirchenpflege Männedorf. Ihr fehlt sogar, als einziger reformierter Kirchgemeinde am rechten Seeufer, noch eine Präsidentin oder ein Präsident.

«Die Unterbesetzung darf nicht zum Dauerzustand werden.»
Nicolas Mori, evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich

Die Situation sei kantonsweit nicht ernster als vor vier oder acht Jahren, doch das Problem sei virulenter geworden, sagt Nicolas Mori, Sprecher der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Die Fluktuation der Behördenmitglieder sei grösser geworden. «Früher blieben viele Behördenmitglieder drei oder vier Amtsperioden, heute vielleicht noch eine oder zwei.» Es komme auch oft vor, dass Kirchenpflegen temporär Vakanzen hätten. «Die Unterbesetzung darf aber nicht zum Dauerzustand werden.»

Wenn der Sachwalter kommt

Kritisch ist der Mangel an Behördenmitgliedern zurzeit in elf Zürcher Kirchgemeinden, wie Mori sagt. Wenn für sie bis am 1. September nicht genug Kandidaten gefunden würden, müsste die Landeskirche Sachwalter einsetzen. Diese kommen dann zum Zug, wenn eine Kirchgemeinde beschlussunfähig wird. Gemäss Definition der Landeskirche ist dies dann der Fall, wenn mehr als die Hälfte der Sitze nicht besetzt ist oder eine Präsidentin oder ein Präsident fehlt.

Im Bezirk Meilen würde somit höchstens Männedorf Gefahr laufen, ab der nächsten Legislatur fremdverwaltet zu werden. Allerdings zeichnet sich dort eine Lösung ab, wie die noch bis im Sommer amtierende Kirchenpflegepräsidentin Madeleine Strub-Jaccoud sagt. «Eines der bisherigen Mitglieder ist bereit, die Aufgabe zu übernehmen», sagt sie und fügt an: «Ich bin sehr erleichtert darüber.» Es sei zunehmend schwierig, genug Leute für ein Mandat zu finden, da dieses viel Arbeit mit sich bringe und zeitintensiv sei.

Sich auf Inhalte besinnen

Für Madeleine Strub ist zudem ein weiterer Punkt zentral. Die Landeskirche, findet sie, sei gut beraten, sich wieder vermehrt auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren. «Wir müssen uns wieder stärker auf unseren gesellschaftlichen Auftrag und auf die Inhalte – sprich auf die christliche Botschaft – besinnen», sagt sie. Es brauche mehr Präsenz und mehr Offenheit. «Das weckt auch wieder vermehrt Lust, mitzumachen.» Wie ihre Amtskollegen in den anderen Gemeinden gibt sie sich aber zuversichtlich. «Es gibt keinen Grund, zu resignieren.»

Was aber kann die Kirche tun, damit sie langfristig genug Behördenmitglieder findet? Nicolas Mori von der Landeskirche zählt verschiedene Massnahmen auf. Zum einen könnten die Kirchenpflegen die Zahl der Behördenmitglieder reduzieren – von neun auf sieben oder fünf. «Das hat allerdings den Nachteil, dass sich die Arbeit auf noch weniger Köpfe verteilt, was die Suche nach Kandidaten wiederum erschwert.»

Mehr erhofft sich die Landeskirche deshalb davon, die Behörden zu entlasten – beispielsweise, indem die Kirchensekretariate aufgestockt werden. Die neue Kirchenordnung, die derzeit in der Synode, also dem Kirchenparlament, behandelt wird, sieht überdies einen Geschäftsführer vor. Für diese Funktion soll es an der Fachhochschule Nordwestschweiz demnächst einen Studiengang geben.

Reform bringt Belastung

Denkbar ist, dass dereinst das Reformprojekt Kirchgemeindeplus, das benachbarte Gemeinden zu mehr Zusammenarbeit bewegen soll, dem Behördenmangel entgegenwirken kann. Bis das Projekt in den einzelnen Gemeinden umgesetzt sei, habe es für die Verantwortlichen aber eher eine grössere Belastung zur Folge, sagt Mori.

Wenig hält er davon, die Entschädigung für Behördenmitglieder stark zu erhöhen, um mehr Interessierte anzuziehen. Die Kompetenz dafür liegt bei den einzelnen Kirchgemeinden. Aus Sicht der Landeskirche würden hohe Entschädigungen keine Lösung bringen. «Die Kirchenpflege», sagt Mori, «soll ein Ehrenamt bleiben.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.04.2018, 15:50 Uhr

Mangel an Ehrenamtlichen

Kirchenpräsidenten suchen Gespräche mit möglichen Kandidaten

Nicht nur in Männedorf zeichnet sich für den noch vakanten Sitz in der Kirchenpflege eine Lösung ab. Zuversichtlich gibt sich auch der Präsident der Hombrechtiker Kirchenpflege, René Schmid. Er will in den nächsten Wochen aktiv auf Leute zugehen, die für das Amt in Frage kämen. Er glaubt, dass ein neues Mitglied in absehbarer Zeit in stiller Wahl gewählt werden kann, sodass die Hombrechtiker Kirchenpflege in der neuen Legislatur vollständig ist. Schmid selber wird nicht mehr dabei sein. Weil er in eine andere Gemeinde umgezogen ist, konnte er in Hombrechtikon nicht mehr kandidieren.

Auch in Uetikon ist die Suche der Kirchenpflege fortgeschritten. «Wir sind dran», sagt Vizepräsidentin Christa Gamper. Man hoffe, für den zweiten Wahlgang am 10. Juni ein neues Mitglied präsentieren zu können. Auch in Zumikon ist das Prozedere am Laufen, ebenso in Erlenbach. Der dortige Kirchenpflegepräsident Beat Steiner geht davon aus, dass die Behörde für den zweiten Wahlgang neue Kandidaten findet. «Wir führen Gespräche mit Personen, die geeignet wären», sagt er. Immer wieder stelle er fest, dass unter den Kirchenmitgliedern durchaus ein starkes Interesse bestehe, sich einzubringen. «Es ist gut zu hören, dass sich das Kirchenvolk nicht distanziert.» Aber: Man müsse auf mögliche Personen, die sich engagieren wollten, zugehen. «Aussenstehende können sich oft nicht vorstellen, was eine Kirchenpflege eigentlich macht.» Vielen sei nicht bewusst, dass es sich um eine Managementaufgabe handle. Diese sei sehr reizvoll. «Es ist ein schöner Job. Man hat ein grosses Tätigkeitsgebiet und lernt viel.» Steiner sagt zudem: «Wichtiger, als die Behörde um jeden Preis voll besetzt zu haben, ist für mich, dass ich ein motiviertes Team habe.» Das sei in Erlenbach gelungen.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben