Küsnacht

Dem Poeten Leonard Cohen zu Ehren

Dass der letzten November verstorbene Sänger und Songwriter Leonard Cohen auch Poet war, wissen die wenigsten. An einer musikalischen Lesung hat Heinz Wegmann Cohen-Gedichte auf Zürichdeutsch vorgestellt.

Jane Gessler, Heinz Wegmann und Levin Deger (von links) lassen Leonard Cohen noch einmal aufleben.

Jane Gessler, Heinz Wegmann und Levin Deger (von links) lassen Leonard Cohen noch einmal aufleben. Bild: Sabine Rock

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Wer kennt sie nicht, seine melancholisch gefärbten, poetischen Lieder. Mit seiner düsteren, rauchigen Stimme hat sie Leonard Cohen, der am 7. November 2016 im Alter von 82 Jahren verstarb, in seiner 50 Jahre langen Musikkarriere gesungen, nicht selten mit Hut, der zum Markenzeichen wurde. So einen schwarzen Filzhut trug auch Heinz Wegmann am Donnerstagabend in der Küsnachter Chrottegrotte.

Der Üriker Autor ist ein Fan, ein Verehrer des kanadischen Musikpoeten, wie er ihn nennt. Er besitzt alle Tonträger des Sängers, von der ersten LP «Songs of Leonard Cohen» (1967) bis zum letzten, drei Wochen vor Cohens Tod veröffentlichen Album «You Want It Darker».

Die Unterschrift Cohens

Heinz Wegmann hat die ersten LP immer wieder gehört, «noch ohne allzu viel von den Texten zu verstehen», wie er dem rund 30-köpfigen Publikum verriet. Er war berührt von Cohens Stimme, die er als «so voll, so sinnlich, ehrlich und präsent» beschreibt. Cohen selber habe gar einmal gesagt: «I was born with a gift of a golden voice» (ich bin mit dem Geschenk einer goldenen Stimme geboren). So habe der 14-jährige Leonard, in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen, sich eine Gitarre gekauft, um mit dieser Stimme ein Mädchen zu bezirzen und gar seine Nanny in Trance zu versetzen.

In den 80er-Jahren entdeckt der Üriker Cohens Gedichte, die bereits 1956 im ersten Gedichtband erschienen. Und er erzählt, dass dieser einst davon geträumt hatte, Schriftsteller zu werden. «Viele seiner Gedichte hätte ich selber schreiben wollen», sagt Wegmann, doch wenigstens sei ihm noch die Übersetzung insZürichdeutsche geblieben (Übersetzungen ins Standarddeutsch gab es bereits).

1983 veröffentlichte Wegmann seine erste Sammlung von übersetzten Cohen-Gedichten unter dem Titel «Verussen isch chalt». Für diese zweisprachige Ausgabe musste er die Erlaubnis beim Management des Musikers einholen, und darum sei ein von Leonard Cohen unterzeichneter Verlagsvertrag noch immer in seinem Besitz.

Der Autor liess an seiner Lesung die in Ürikon wohnhafte gebürtige Engländerin Jane Gessler die Poeme im Originaltext vortragen, bevor er für die Mundartfassung übernahm. Verblüffend sind dabei seine Wendungen im Dialekt, die sich manchmal reimen, wie «Ich bin en Siebesiech, der alles miech», was ihm einen Zwischenbeifall eintrug. Cohens Gedichte sind oft an Frauen gerichtet, Heinz Wegmann sieht sie als eine Art Vorläufer zu den Songtexten: «Zärtlich, sinnlich, melancholisch, poetisch und wegen seiner jüdischen Wurzeln nicht selten mit jüdischen Symbolen».

Ein Frauenverehrer

Unvergessliche Melodien Cohens wie «So long Marianne» oder «Suzanne takes you down» interpretierte am Donnerstagabend der Stäfner Levin Deger. Dem 32-Jährigen gelingt ein ins­trumentales Soloprogramm: Er nimmt mittels Loop-Station sein Gitarrenspiel auf und lässt diese Sequenzen abspielen, während er neue Rhythmen improvisiert und auch mal ans Klavier wechselt. Einen griechischen Rhythmus, Bouzouki-Klängen gleich, schlug er für «Who By Fire» an, in Erinnerung an Cohens Jahre auf der griechischen Insel Hydra. Dort habe der Sänger, das weiss wiederum Wegmann, mit der Norwegerin Marianne Ihlen gelebt, die er als «die schönste Frau, die ich jemals sah» beschrieb und in so manchem Song verewigte. Genauso wie seine platonische Beziehung zu einer Suzanne, die er mit 22 kennen lernte. Mit einer zweiten Suzanne hatte er zwei Kinder, ohne verheiratet zu sein.

Überhaupt haben Frauen eine grosse Rolle im Leben des charismatischen Sängers gespielt. Er habe er sie verehrt und als Muse und Inspiration für seine Lieder betrachtet. Traurig ist dabei, dass eine Vertraute 15 Millionen Dollar seines Vermögens veruntreute. Was ihn laut Wegmann veranlasste, ab 2001, nach einem Rückzug in ein buddhistisches Kloster, wieder auf die Bühne zu treten.

Schicksalhaft mag der Tod seiner geliebten Marianne anmuten, die nur drei Monate vor ihm starb. In seinem an sie gerichteten Abschiedsbrief schreibt Cohen, dass er ihr bald nachfolgen werde, er berühre schon fast ihre Hand. Und im Titelsong seines letzten Albums «You Want It Darker», mit dem die Lesung endet, heisst eine Zeile gar «I’m ready, my Lord». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 16:42 Uhr

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