Männedorf

Dass das Fischottergehege weichen muss, sorgt für Unmut

Das Bauprojekt für Seniorenwohnungen beim Männdörfler Hallenbad kommt nicht überraschend. Für das Wappentier der Gemeinde sind es aber schlechte Nachrichten: Das Fischotter-Gehege steht damit vor dem Aus. Auf Facebook lassen Nutzer ihrem Ärger freien Lauf.

Das Fischottergehege beim Männedörfler Hallenbad steht vor dem Aus. Das Biotop muss Wohnungen für Senioren weichen.

Das Fischottergehege beim Männedörfler Hallenbad steht vor dem Aus. Das Biotop muss Wohnungen für Senioren weichen. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Jahrhunderten prangt er auf dem Wappen Männedorfs: Ein schwarzer Fischotter auf gelbem Grund, mit einem Fisch in der Schnauze. Längst ist das Tier zum Wahrzeichen mutiert, ziert die Leibchen des Fussballclubs oder ist Namensgeber des Gemeindeblatts. Real war das Tier die meiste Zeit nicht.

Erst seit 1988 tummelt sich der Fischotter in Fleisch und Blut in einem 500 Quadratmeter grossen Gehege gleich neben dem Hallenbadparkplatz. Nun soll das Grundstück überbaut werden. Die Stiftung Seniorenwohnungen gab diese Woche erste Informationen über ihr Projekt bekannt. Geplant sind 60 Alterswohnungen. Für das Fischottergehege hat es keinen Platz mehr.

Emotionale Reaktionen

In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Männedorf wenn….» sorgt die Ankündigung für teils heftige Reaktionen. Emoticons bringen Trauer und Wut zum Ausdruck. «Unglaublich», «nicht möglich», äussern sich die einen schlicht. Andere werden deutlicher: «Klar, mit Wohnungen verdient man mehr Geld als mit einem Fischottergehege» oder: «So typisch für Männedorf. Alles wird zubetoniert. Bald haben wir keine Grünflächen mehr, und jetzt muss auch noch unser Fischotter dran glauben.» Mehrfach wird die Befürchtung geäussert, dass teure Wohnungen entstehen könnten. Jemand stellt die Frage nach dem Mitspracherecht: «Müsste so etwas nicht vor das Volk?»

Unter den zahlreichen Kommentaren finden sich auch kreative Einwände. So schlägt jemand den Platz am See neben dem Tennisplatz als Alternativstandort für das Gehege vor. Eine Facboo-Nutzerin regt an, den Fischotter auf dem Gemeindewappen mit Wohnungen zu ersetzen.

Stiftung gewährte Bleiberecht

Die Fischotter sind vielen Männedörflern in den letzten drei Jahrzehnten an Herz gewachsen. Mit emotionalen Reaktionen war deshalb rechnen gewesen. Manche der Posts auf Facebook zeugen allerdings von Unwissenheit. So sind auf dem Gelände keine Luxuswohnungen geplant, sondern Alterswohnungen, die zu drei Vierteln günstig vermietet werden sollen. Von eine «profitgeilen» Bauherrin kann nicht die Rede sein: Die Stiftung Alterswohnungen wurde vor 40 Jahren von der Gemeinde ins Leben gerufen, um preisgünstige Wohnungen für Männedörfer Senioren bereitzustellen.

Dass die Stiftung ihr Grundstück für eigenen Zwecke nutzen will, war schon länger bekannt. Die Vertrag mit dem Fischotterverein, der das Gehege pflegt, wurde in den letzten Jahren im Zweijahrestakt verlängert. Der Verein nutzt das Gelände gratis. Angesichts der ungewissen Zukunft hatte er er sich schon in der Vergangenheit gewappent. Bereits 2014 schrieb die ZSZ von einem Implantat, das Weibchen Klara trägt, um eine Befruchtung zu verhindern. Sie ist inzwischen gestorben.

Wohin mit Ivo?

Heute wird das Gehege von einem einzigen Fischotter namens Ivo bewohnt. Was mit dem 10-jährigen Männchen geschieht, steht noch nicht fest. Der Fischotterverein wird zuerst eine ausserordentliche Sitzung zum Thema abhalten und erst dann eine Stellungsnahme abgeben. Auch Gemeindepräsident André Thouvenin (FDP) äussert sich zum jeztigen Zeitpunkt nicht zur Zukunft des Fischottergeheges. Er verweist auf die nächste Gemeinderatssitzung, an der er sich das Gremium darüber unterhalten wird.

Was auch immer mit Ivo geschieht: Als das Gehege 1988 eingeweiht wurde, galt der wild lebende Otter in der Schweiz als ausgestorben. Inzwischen siedelt er sich wieder an. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.07.2018, 17:53 Uhr

Artikel zum Thema

Männedörfler Fischotter verliert sein Zuhause

Männedorf Das Fischottergehege beim Männedörfler Hallenbad steht vor dem Aus. Das Biotop, das seit vielen Jahren liebevoll von einem Verein gepflegt wird, muss Wohnungen für Senioren weichen. Mehr...

Neue Wohnungen für Senioren mit kleinem Budget

Männedorf Die Stiftung für Seniorenwohnungen Männedorf will ihre bisherige Liegenschaft neben dem Hallenbad durch zwei Neubauten ersetzen. Die Wohnungen werden grösser, heller und moderner – und sie sollen günstig bleiben. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben