Zollikon

«Das Wasser ist eine Kraftmaschine, die man selber steuern kann»

Seit 20 Jahren leitet Annalies Walter Aquafitkurse im Zolliker Hallenbad Fohrbach. Aus ihrer Einfraufirma ist mit den Jahren ein siebenköpfiges Unternehmen geworden.

Aquafitleiterin Annalies Walter gibt schon seit 20 Jahren Kurse im Zolliker Hallenbad Fohrbach.

Aquafitleiterin Annalies Walter gibt schon seit 20 Jahren Kurse im Zolliker Hallenbad Fohrbach. Bild: Michael Trost

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Annalies Walter steht am Rand des Mehrzweckschwimmbeckens im Zolliker Hallenbad Fohrbach. Die sportliche 63-Jährige fällt nicht nur wegen ihren feuerroten Haaren auf. Ihr Auftreten ist energisch, ihre Ausstrahlung kraftvoll. Vor 20 Jahren machte sich Walter als Aquafitleiterin selbstständig.

Heute führt sie einen Betrieb mit sechs weiteren Mitarbeiterinnen. Das Angebot ist von einer Lektion pro Woche auf elf Stunden angewachsen. «In kürzester Zeit war der erste Kurs ausgebucht», erinnert sie sich.

Gut gegen Orangenhaut

Auch nach zwei Jahrzehnten habe die Begeisterung und Nachfrage nicht nachgelassen. «Aquafit ist schonend für die Gelenke und gleichzeitig intensiv für den Energieverbrauch», erklärt Walter die Beliebtheit. Weil der Brustkorb im Wasser zusammengedrück wird, müssen Herz und Lunge intensiver arbeiten. Hinzu komme, dass man ohne grosse Ausrüstung mitmachen könne und nicht zuletzt: «Die Bewegung im Wasser ist gut gegen Orangenhaut und man bekommt keinen Muskelkater.»

Sind die Teilnehmer – wie das Klischee besagt – tatsächlich vorallem etwas korpulentere ältere Damen? «In einem meiner Kurse ist die jüngste Teilnehmerin unter 30 und die älteste über 80 Jahre alt», sagt Walter und fügt schmunzelnd hinzu: «Die bessere Körperspannung hat die 80-Jährige.»

Viele der Damen seien seit den 90er-Jahren dabei. Nur an Männern mangelt es in Walters Kursen. Früher habe sich eine fünfköpfige Gruppe vor dem Stammtisch zum Aquafit getroffen. Inzwischen hätten sie aber wieder aufgehört. Insbesondere über einen gutaussehenden Trainer würde sich Walter freuen.

Aus Erfahrung weiss sie aber, dass das Optische alleine nicht ausreicht. «Gute Leiter zu finden ist sehr schwierig.» Dass Bewegungen im Wasser viel langsamer sind als an Land müsse bei der Choreografie berücksichtigt werden. «Neben einer fundierten Ausbildung spielt die Ausstrahlung und Motivation eine wichtige Rolle.»

«Aquafit fand ich lahm»

So begeistert sie heute auch klingt, als der Aquafitboom in den 80er-Jahren einsetzte, war Walter zunächst eher skeptisch. Damals leitete sie das Konditionstraining beim Verein Sportaktiv Zürich und führte Trekkinggruppen an den Himalaya. «Aquafit fand ich furchtbar lahm und habe mehrere Ausbildungen gebraucht, bis ich die Vorteile entdeckt habe.»

Als Angestellte habe sie den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit gespürt. Der Erfolg der Aquafitkurse von Sportaktiv habe sie schliesslich dazu motiviert, den Schritt in die Unabhängigkeit zu wagen. «Ich habe mir damals ausgerechnet, wie viel ich verlieren würde, wenn es nicht klappen sollte und war überzeugt, dass ich das verkraften kann.»

Walters Rechnung ging auf. In den letzten 20 Jahre gab es aber auch schwierige Momente. Immer wieder machten neue Sporttrends wie etwa Zumba oder Power Yoga dem Aquafit die Zielgruppe streitig. «Als das Hallenbad Fohrbach wegen Sanierungsarbeiten längere Zeit geschlossen bleiben musste, haben sich viele langjährige Teilnehmerinnen umorientiert.» Viele von ihnen seien inzwischen aber auch wieder zurückgekehrt.

Mehr als Tiefwasserjogging

Wird das Gehopse im Wasser mit der Zeit nicht langweilig? «Das Aquafit hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt», sagt Walter. Die Zeiten des reinen Tiefwasserjogging seien lange vorbei. «Die Übungen sind vielfältiger geworden.»

Mitmachen sei keine Frage des Alters oder der körperlichen Verfassung. «Das Wasser ist eine Kraftmaschine die man selber steuern kann.» Mit dem Umfang und der Schnelligkeit der Bewegungen könne jeder Teilnehmer sein eigenes Trainingsniveau wählen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.10.2017, 14:33 Uhr

Selbstversuch im Wasser

Im Becken um die Wette joggen

Die Luft im Zolliker Hallenbad Fohrbach ist wohlig warm. Umso kälter fühlt sich das Wasser im Mehrzweckbecken an – trotz seiner 28 Grad. Da kommt das Aufwärmen zu Beginn der Stunde ganz gelegen. Zusammen mit vier anderen Frauen jogge ich im Becken um die Wette.

Es überrascht mich, wie flink die anderen Teilnehmerinnen – alle im Alter um die 50 und damit gut 25 Jahre älter als ich – unterwegs sind. Die Anstrengung hält sich zwar in Grenzen, ich habe aber den Eindruck, nicht wirklich vom Fleck zu kommen.

Als ich meinen Rhythmus endlich gefunden habe, geht es schon zur nächsten Übung: Rückwärtsrennen mit sich kreuzenden Beinen. Obwohl ich während meiner Studienzeit mehrmals in der Woche ins Gruppenfitness bin und nach fast zehn Jahren Pilates eigentlich ein ganz gutes Körpergefühl besitze, macht mir meine Koordination im Wasser einen Strich durch die Rechnung. Während die älteren Damen elegant durch das Wasser gleiten, muss ich mein Gleichgewicht ausgleichen und plansche mit den Armen um mich.

Als nächstes sollen wir im Wasser sitzen. Schwebend und ohne uns am Rand festzuhalten natürlich. Ich spanne Rumpf und Beckenboden an und schaffe es tatsächlich die Position zu halten – zumindest für einige Sekunden. Danach kommt mir die Schwerkraft in die Quere und ich hänge im Wasser wie eine krumme Banane. Auch hier benötige ich mehrere Anläufe bis es schliesslich klappt.

Nach 20 Minuten steigen wir aus dem Becken und der Boden wird herunter gelassen. Der zweite Teil der Lektion besteht aus Tiefwasserübungen. Damit wir nicht untergehen, schnallen wir uns Auftriebsgurte um die Hüften.
Den Hampelmann mache ich ohne Probleme, als es aber darum geht Arm und Bein über die Diagonale zusammen zu führen, gerate ich erneut aus dem Gleichgewicht. Mal ist mein Arm schneller, dann wieder das Bein. Im Tiefwasser fehlt der Halt und man muss wirklich alle Muskeln anspannen, um die Bewegungen kontrolliert auszuführen.

Mein Fazit nach 45 Minuten: Aquafit sieht einfacher aus als es ist. Das Körpergefühl im Wasser ist ein anderes als an Land. Man ist zwar schwerelos, gleichzeitig werden aber alle Bewegungen abgebremst. Je schneller man sich bewegt, umso grösser ist der Widerstand. Anders als beim Schwimmen gleitet man nicht waagrecht durch das Wasser, sondern sucht mit senkrechten Bewegungen gezielt die Gegenkraft.

Das Gute am Wasser ist, dass die anderen nicht sehen, wie man die Bewegungen ausführt. Ich tröste mich zudem mit dem Gedanken, dass die anderen Teilnehmerinnen alle schon seit mehreren Jahren dabei sind. Linda Koponen

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