Männedorf

Das schönste Kino vom rechten Ufer feiert sein 20-jähriges Bestehen

Das Kino Wildenmann in Männedorf wird 20 Jahre alt. Es blickt auf eine Zeit grösserer und kleinerer Herausforderungen zurück – und voraus.

Kinoleiter Christian Pfluger will neben den Stammgästen auch junges Publikum ansprechen.

Kinoleiter Christian Pfluger will neben den Stammgästen auch junges Publikum ansprechen. Bild: Patrick Gutenberg

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Preise des Bundesamtes für Kultur, Auszeichnung als Landkino der Schweiz, Wahl unter die fünf besten Arthouse-Kinos des Landes. Die Prämierungen aus verschiedenen Jahren haben einen Empfänger aus der Region gemein: Das Kino Wildenmann in Männedorf. Wenig erstaunlich ist es demnach, dass dieses für sich beansprucht, das «schönste Kino vom rechten Zürichseeufer» zu sein.

Ein neckischer Werbeslogan: Ist doch das Wildenmann mit Standort an der Männedörfler Dorfgasse unweit des Sees das einzige Kino zwischen Zürich und Rapperswil. Heuer nun feiert es sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass finden das ganze Jahr hindurch allmonatlich spezielle Filmvorführungen statt.

Vorgänger abgebrannt

Genau genommen erinnert das Jubiläum an die Wiederauferstehung des Kinolebens in der Seegemeinde – gleich dem Phönix aus der Asche: Manchem Männedörfler mag der Brand von 1994 im ehemaligen Hotel-Restaurant Wildenmann noch in lebhafter Erinnerung sein. Er setzt mit einem Schlag den Kinoveranstaltungen ein Ende, die der Filmklub seit 1983 in dem Hotelgebäude durchführt. Eine Zeitlang ist die Zukunft eines Kinoangebots in der Gemeinde ungewiss. Die Crew des Filmklubs kämpft für neue Räumlichkeiten und erhält dafür Unterstützung unter anderem von Filmemacher Rolf Lyssy. Schliesslich arbeitet der Gemeinderat ein Bauprojekt im gemeindeeigenen Gebäude am heutigen Standort aus. 1995 segnet es das Stimmvolk ab. Drei Jahre später – vor 20 Jahren – kann der nunmehr als Genossenschaft agierende Filmbetrieb beginnen.

«Kein Allerweltskino, keine Superheldenfilme à la Spiderman oder Star-Wars»

Christian Pfluger

Bewegte Zeiten also, die das Kino damals durchlebt. Danach geht es etwas ruhiger weiter – wenn auch nicht ohne die eine oder andere Herausforderung. Deren einschneidenste ist – man ahnt es: die Digitalisierung. Sie erfolgt 2011. «Ein grosser Schritt», sagt Christian Pfluger, künstlerischer Leiter des Kinos. Dass die Umrüstung auf die digitale Abspieltechnik unausweichlich sein werde – darüber sei man sich indes im Klaren gewesen. Sie habe Auswirkungen auf viele Bereiche des Betriebs gehabt, allen voran auf die Finanzen. Die Zerreissprobe der Geldmittelbeschaffung gelingt durch Spenden, ausserordentliche Genossenschaftsbeiträge, Benefizveranstaltungen, Beiträge der Gemeinde Männedorf und andere Anstrengungen.

Herausforderung Jugend

«Aber auch für die Programmation bringt die Digitalisierung Umstellungen», sagt Pfluger. Fortan könne er die Filme zeitgleich mit den Kinos in Zürich zeigen – und müsse nicht mehr wie zu analogen Zeiten auf eine freie Kopie warten. Dies sei ein gewichtiger Vorteil, da sich das Kino Wildenmann als Aktualitätenkino verstehe. Zudem gebe es mehr Verleiher, was die Auswahl an Filmen vervielfache. «Wir haben nun auch die Möglichkeit, die Filme sowohl in Original- als auch in synchronisierter Fassung zu zeigen», erläutert Pfluger. Von Letzteren halte das Stammpublikum allerdings wenig, ergänzt er.

Synchronisierte Fassungen könnten für jüngere Kinogänger interessant sein, und diese wolle man vermehrt ansprechen: So etwa auch durch das Filmangebot – ohne dafür aber die traditionelle Ausrichtung auf Studiofilme mit Fokus auf Schweizer und europäische Produktionen allzu aufzulockern. «Kein Allerweltskino, keine Superheldenfilme à la Spiderman oder Star-Wars» sei bereits vor dem fatalen Brand die Devise gewesen. Man verschliesse sich Produktionen aus Hollywood indes nicht a priori.

«Jugendliche vermehrt ins Haus zu bringen, ist ein hoher Anspruch», gesteht Pfluger. Für sie sei die Stadt Zürich als Ausgehort freilich ungleich interessanter. Zum Stammpublikum würden darum just jene gehören, die demgegenüber die Nähe und gute Erreichbarkeit des Wildenmann schätzen. Dank ihnen fürchte er das nur eine gute Viertelstunde Zugsfahrt entfernte Zürich denn auch nicht als Konkurrenz – trotz seines gerade in letzter Zeit stark gewachsenen Angebotes an Arthouse-Kinos.

Keine Zukunftsangst

Ob Pfluger denn Angst habe, dass das Kino dereinst überhaupt nicht mehr gefragt sein werde – in Zeiten von Netflix & Co.? «Das Kino an und für sich wird es immer geben», ist Pfluger überzeugt. «Es ist eine einfache und für jeden erschwingliche Art des Ausgehens.» Zuhause vor dem Computer einen Film anzusehen, sei damit wohl kaum vergleichbar.

So sei die Aufgabe des Wildenmanns für die Zukunft, den verschiedenen Zielgruppen von Kindern bis Senioren ein adäquates Programm anzubieten. Programmleiter Pfluger verbringt im Schnitt vier Abende pro Woche in einem Kino – um möglichst viele Filme zu kennen und sodann Monat für Monat ein anspruchsvolles und gleichwohl unterhaltsames Programm zusammenzustellen.

Erstellt: 16.02.2018, 16:37 Uhr

Jubiläumsprogramm

Jeden Monat ein besonderer Film

Das Jubiläum des Kinos Wildenmann widerspiegelt sich in der Programmgestaltung des laufenden Jahres. So wird jeden Monat ein Film gezeigt, der in den vergangenen 20 Jahren beim Publikum besonderen Anklang gefunden hat – sowohl in der Sparte Erwachsenen- wie auch Kinderfilm. Ein kostenloses Cüpli beziehungsweise Glacé gehört jeweils zu den Jubiläumsvorstellungen. Am 1. März wird voraussichtlich «The Queen» gezeigt. Zudem feiert das Kino heuer das fünfjährige Bestehen des Filmfestivals: Seit 2010 findet es als Openair- und gleichzeitige Indoor-Veranstaltung alle zwei Jahre statt. Die Planung für das Festival befinde sich derzeit noch in vollem Gang, sagt der Programmverantwortliche Christian Pfluger.and

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