Meilen

Das Parkhaus hat noch immer einen schweren Stand

Viel zu gross habe die Gemeinde das neue Parkhaus im Zentrum gebaut, kritisiert ein Meilemer. Das sei der Wille der Stimmbürger gewesen, kontert die Behörde. Ein happiger Minderertrag im ersten Betriebsjahr ist jedoch Tatsache.

Je weiter nach unten man kommt,?umso leerer wirds: Blick ins Parkhaus Dorfplatz in Meilen.

Je weiter nach unten man kommt,?umso leerer wirds: Blick ins Parkhaus Dorfplatz in Meilen. Bild: Michael Trost

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Er hat sich mit Akribie ans Werk gemacht. Und ingesamt weit über 24 Stunden an einem Ort verbracht, den es aus seiner Sicht so gar nicht geben dürfte. Die Rede ist von Peter Bischofberger, pensionierter Bauingenieur aus Meilen. Bischofberger führt eine private Statistik über die Auslastung des neuen Parkhauses unter dem Meilemer Dorfplatz. Nach dem ersten Betriebsjahr kommt er zum Schluss: «Das Parkhaus ist definitiv überdimensioniert.» Werktags seien im Schnitt nur 35 bis 55 Fahrzeuge dort abgestellt.Schon Ende 2015 hatte die ZSZ über die Kritik am gemeinde-eigenen Parkhaus berichtet. Mit seinen rund 200 Plätzen auf acht Ebenen sei es um zwei ganze Ebenen zu gross, befand Bischofberger damals. Das sei noch immer der Fall, sagt er heute – «mindestens». Damit seien vom Gesamtkredit von über 33 Millionen Franken für das Zentrumsprojekt Mezzetino «rund 4 Millionen unnütz verbaut» worden. Den effektiven Bedarf an Parkplätzen habe die Gemeinde nie ermittelt, kritisiert Bischofberger.

Neue Wegweiser geplant

Bemerkenswert ist, wie der Meilemer seine Belegungszahlen erhoben hat. «So einen Aufwand betreibt niemand», sagt er selber. Im Januar, März, Mai, Juni, Juli und August sei er an allen Werktagen mindestens zweimal und sonntags einmal ins Parkhaus gefahren. Auf seiner Fahrt bis hinunter ins Stockwerk -9 notierte Bischofberger auf jedem Geschoss die Anzahl der parkierten Autos. Zehn Minuten später war er wieder draussen. Sein Ziel? «Ein Dokument, um die Leute aufzuwecken: Es ist nicht alles so, wie die Behörde darstellt.»

Die Behörde wiederum findet, es sei nicht alles so, wie Bischofberger darstelle. «Es war der Souverän, der sich für ein Parkhaus in dieser Grösse aussprach», betont Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Der Entscheid geht auf das Frühjahr 2009 zurück, als sich die Gemeindeversammlung für eine Initiative aussprach, die ein Parkhaus mit bis zu 250 Plätzen forderte. Heute unternehme die Gemeinde einiges, um das Parkhaus möglichst gut auszulasten, sagt Mayenzet. So habe man in längeren Verhandlungen mit dem Kanton erreicht, dass eine Signalisation von der Seestrasse angebracht werden darf. Eine weitere Beschilderung ab der Dorfstrasse werde geprüft.

Gut belegt in Gratiswochen

Aus der Bevölkerung kommt laut Mayenzet immer wieder der Vorwurf, der Weg ins Parkhaus sei schwierig zu finden. Er hält dies allerdings für wenig stichhaltig: «Wenn das Parkieren ausnahmsweise nichts kostet, findet jeder den Weg.» Er spielt damit auf Bauarbeiten im Mai und Juni an, als die Seestrasse gesperrt war und der Verkehrsstrom durchs Dorf geleitet wurde. Die Gemeinde rief damals zwei Gratiswochen aus – auch, um das Parkhaus bekannter zu machen.

Fakt ist: Die Belegung des Parkhauses entspricht nicht den Erwartungen. Das zeigte sich in der Jahresrechnung 2015. Diese wies einen Fehlbetrag von 120 000 Franken bei den Einnahmen aus Parkplatzgebühren auf. Fürs kommende Jahr budgetiere man nun entsprechend zurückhaltender, sagt Mayenzet.

Peter Bischofberger wird das kaum besänftigen. Er findet es grundsätzlich falsch, dass das Parkhaus die Weiterentwicklung des Meilemer Zentrums vorwegnimmt, wie der Gemeinderat bei früherer Gelegenheit argumentierte. So könnten dank der Reserven auch künftige Bauten, die der Behörde vorschweben – etwa ein Dorfsaal oder eine Markthalle – , über das Parkhaus erschlossen werden. Bischofberger hingegen sagt: «Ohne genau zu wissen, wie es weitergeht, ist eine Vorinvestition in Millionenhöhe für unterirdische Parkplätze nicht nachvollziehbar.» Immerhin haben den Meilemer seine Stunden im ungeliebten Parkhaus nichts gekostet: Die ersten paar Minuten sind dort jeweils gratis. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.09.2016, 17:48 Uhr

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