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Das Parkdeck war Mittel zum Zweck

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Mit dem Entscheid beide Vorlagen, sowohl die Parkdeck-Initiative als auch die Zentrumsentwicklung bachab zu schicken, haben die Küsnachter fast sechs Millionen Franken versenkt. So hoch sind nämlich die Projektierungskosten für die beiden Bauvorhaben – ein denkbar schlechtes Preis-Leistungsverhältnis. Die Abfuhr gegenüber jeglicher Neugestaltung des Parkplatzes an der Zürichstrasse zeigt aber auch, dass die Absegnung des Projektierungskredites für das Parkdeck im Jahr 2015 kein Ja zur Gericke-Initiative, sondern ein Misstrauensvotum gegen die Zentrumsentwicklung war. Offensichtlich herrschte ein diffuses Unwohlsein gegenüber dem Behördenprojekt. Ein Unwohlsein, das im Parkdeck ein Fanal und nicht zuletzt ein Mittel zum Zweck fand, die Zentrumsenwicklung zu stoppen. Dies bestätigt die Reaktion der Parkdeck-Befürworter, die nichts erschaffen, sondern nur verhindern wollten.

Überraschend kommt die Ablehnung des Parkdecks nicht. Die Initiative hatte in den letzten Wochen stark an Boden verloren, die Stimmen, welche eine Ablehnung beider Projekte forderten, wurden immer lauter. Im Zweifelsfall hätten die Küsnachter aber lieber das Parkdeck als die Zentrumsentwicklung neben ihrem Bahnhof gehabt, wie die Stichfrage zeigt – Das ist eine schallende Ohrfeige für den Gemeinderat.

Die Zentrumsentwicklung hatte es seit der Lancierung der Gericke-Initiative schwer. Als «Protzprojekt» wurde das Bauvorhaben von den Gegnern etwa verschrien. Dabei liessen sie ausser Acht, dass sich Küsnacht im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Bezirk ein neues Dorfzentrum für 48 Millionen Franken hätte leisten können. Dass architektonische Grossprojekte es in der Schweiz schwer haben, ist nicht neu und kein Phänomen, das sich nur in Küsnacht beobachten lässt. Wagnisse sind nicht unser Ding, wir ziehen das gesunde, aber leider oft auch langweilige Mittelmass vor. Dass viele Küsnachter den bestehenden Parkplatz als ausreichend für die täglichen Bedürfnisse empfinden, hat wohl auch damit zu tun, dass es der Gemeinde verhältnismässig gut geht. Im Gegensatz zu manch anderer Kommune in der Region funktioniert das Dorfleben. Doch ob dies auch in 10, 20 Jahren noch so sein wird, ist fraglich – bereits jetzt klagen Vereine über Nachwuchssorgen. Genau hier hätte aber die Zentrumsentwicklung mit ihrem Platz und mit einem der Öffentlichkeit zugänglichen Gebäude angesetzt.

Bedenklicher noch, als dass Geld aus dem Fenster geworfen wurde, ist die tiefe Kluft, die Küsnacht nach dem Abstimmungskampf spaltet. Wie sehr die Zentrumsabstimmung die Menschen bewegt hat, zeigt die mit 66 Prozent verhältnismässig hohe Stimmbeteiligung. Politische Diskussionen mögen die Basis der direkten Demokratie sein. In dieser Giftigkeit richten sie aber mehr Schaden an, als dass sie nutzen.

Wie hoch diese Hypothek ist, wird sich 2018 zeigen, wenn die nächsten Kommunalwahlen anstehen. Es stellt sich die Frage, ob sich angesichts solch heftiger Attacken gegen die Behörden überhaupt noch genügend Kandidaten für Milizämter finden werden. Bei all dem Negativen hat die Abstimmung aber auch ihr Gutes. Mit der Ablehnung des Parkdecks wird nichts verbaut: Der Parkplatz an der Zürichstrasse steht weiterhin offen für ein neues Vorhaben. Nachdem bereits 2007 ein Zentrumsprojekt abgelehnt wurde, werden die Behörden vorerst die Finger vom Parkplatz-Provisorium lassen. Doch in 15 bis 20 Jahren dürfte ein neuer Gemeinderat wieder einen Anlauf wagen, um aus der unendlichen doch noch eine endliche Geschichte zu machen.

Erstellt: 12.02.2017, 21:13 Uhr

Philippa Schmidt, Redaktorin Zürichsee-Zeitung, Ausgabe Bezirk Meilen. (Bild: Archiv ZSZ)

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