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Das müssen Sie zur neuen S20 wissen

Am 11. Juni fährt erstmals die S20 von Stäfa nach Zürich. Mit der neuen Verbindung in die Stadt soll die chronisch überfüllte S7 am rechten Zürichseeufer entlastet werden.

Die Züge der S20 werden mit Rollmaterial geführt, das speziell für Zusatzzüge während der Stosszeiten konzipiert wurden.
Die Züge der S20 werden mit Rollmaterial geführt, das speziell für Zusatzzüge während der Stosszeiten konzipiert wurden.
PD

Für Pendler zwischen Stäfa und Meilen bricht im Juni ein neues Zeitalter an. Zu den Stosszeiten wird nach jahrelangem Warten die S20 eingeführt. Morgens verkehren die Züge viermal Richtung Zürich, abends geht es dreimal stadtauswärts. Damit verkehren auch aus und in die oberen Bezirksteile die Züge in den Hauptverkehrszeiten von Montag bis Freitag alle 15 Minuten.

Die Einführung der Entlastungszüge ist dringend notwendig, wie ZVV-Verkehrsplaner Christian Vogt erklärt: «Gerade am Morgen sind die Züge der S7 chronisch überlastet.» Am ausgeprägtesten ist die Situation im Zug, der Meilen kurz nach 7.30 Uhr Richtung Zürich verlässt. «Im Jahresschnitt ist dieser Zug zu rund 130 Prozent belegt.» Übersetzt heisst das: Um 100 Sitze kämpfen 130 Passagiere. In den Herbstmonaten ist die Überbelegung besonders deutlich spürbar.

Gefahr von Verspätungen

Der Zürcher Verkehrsverbund spricht bereits bei einer Sitzplatzbelegung von durchschnittlich 80 Prozent von überlasteten Zügen. Dies um jahreszeitliche Schwankungen auszugleichen. «Bei einer Belegung von über 100 Prozent ist das nicht nur für die Passagiere unangenehm, sondern kann sich auch kritisch auf den Betrieb auswirken», sagt Vogt. Sind die Züge überfüllt, dauert das Aus- und Einsteigen länger. Dies kann wiederum zu Verspätungen führen.

Juristischer Kampf

Um mit der S20 mehr Kapazität am rechten Seeufer schaffen zu können, waren Infrastrukturbauten nötig. Konkret musste in Herrliberg-Feldmeilen ein Wendegleis gebaut werden. Anwohner hatten das über 20 Millionen Franken teure Projekt mit jahrelangem juristischen Widerstand zu verhindern versucht - erfolglos. «Eigentlich hätten wir die S20 bereits Ende 2015 einführen wollen, weil die Züge bereits damals überlastet waren», betont Verkehrsplaner Vogt. Nun nutze man die erste Gelegenheit zur Einführung des neuen Angebots und warte nicht erst auf den ordentlichen Fahrplanwechsel im Dezember.

«Gerade am Morgen sind die Züge der S7 chronisch überlastet.»

Christian VogtVerkehrsplaner ZVV

Auf der S20 verkehren 200-Meter lange S-Bahn-Züge die rund 750 zusätzliche Sitzplätze bieten. Die Züge sind doppelstöckig, stammen aber aus der Generation der nicht-klimatisierten Fahrzeuge. «Neues Rollmaterial wäre für die sieben täglichen Züge einfach zu teuer.» Der Busbetreiber VZO muss hingegen für die zusätzlichen Zubringerkurse seine Flotte erweitern (siehe Kasten).

Küsnacht Ja, Uetikon Nein

Die neue S20 bedient die Bahnhöfe Stäfa, Männedorf, Meilen, Küsnacht, Stadelhofen, Zürich HB und Zürich Hardbrücke. Damit weicht sie in ihrer Haltepolitik von der S7 ab, die zusätzlich Uetikon bedient, nicht aber Küsnacht. «Als Verkehrsplaner mache ich das eigentlich nicht gerne», sagt Christian Vogt. Verbindungen sollten möglichst systematisch sein, damit sich Bahnreisende den Fahrplan gut merken können.

Die Haltepolitik der S20 hängt mit dem Bahnhof Stadelhofen zusammen. Der Bahnhof ist mit drei Gleisen und fast einem Dutzend S-Bahn-Linien an der Kapazitätsgrenze angelangt. Damit die S20 ein freies Gleis erwischt, muss sie zwingend in Küsnacht halten. Würde sie zusätzlich auch noch in Uetikon - etwa für Gymischüler - halten, käme sie wiederum anderen Zügen in die Quere. Diese Problematik wird sich erst mit dem Ausbauschritt 2035 lösen. Dann soll der Bahnhof Stadelhofen ein zusätzliches viertes Gleis erhalten. Zudem sind Doppelspurausbauten zwischen Herrliberg und Meilen sowie eine Kreuzungsstation in Männedorf vorgesehen. Mit diesen Ausbauschritten kann die S7 dann ganztags einen 15 Minuten-Takt anbieten, was heute noch nicht möglich ist.

Viel Werbung

Für die Planer geht es nun aber erst einmal darum, die S20 gut einzuführen. Mit Durchsagen in den Zügen und Bussen will der ZVV die Pendler auf die neuen Fahrmöglichkeiten aufmerksam machen. Erfahrungsgemäss dauere das aber eine Weile. Man rechne mit zwei bis drei Jahren, bis sich die S20 eingebürgert hat. Vogt betont aber: «Wir sind natürlich schon heute um jeden Fahrgast froh, der ab dem 11. Juni die S20 nimmt.»

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