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Das ist ein Job für Unerschrockene

Von den steilen Felswänden im Küsnachter Tobel droht in diesen Tagen wieder einmal Ungemach in Form von Steinschlag. Zwischen zwei Absperrungen stehen Felstechniker im Einsatz, um die Wegstrecke wieder sicher zu machen.

In luftiger Höhe verrichten die beiden Felstechniker im Küsnachter Tobel ihre Aufgabe.
In luftiger Höhe verrichten die beiden Felstechniker im Küsnachter Tobel ihre Aufgabe.
Sabine Rock
Die Arbeiter tragen Gestein ab, um den Weg im Tobel für Spaziergänger und Jogger wieder sicher zu machen.
Die Arbeiter tragen Gestein ab, um den Weg im Tobel für Spaziergänger und Jogger wieder sicher zu machen.
Sabine Rock
Ein Job für Spezialisten: Hansueli Klossner.
Ein Job für Spezialisten: Hansueli Klossner.
Sabine Rock
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Über rund acht Kilometer ­erstreckt sich das Küsnachter Tobel als ein Stück nahezu ­unberührter Natur vom Tobelweg her bis hoch hinauf in Richtung Forch. Links und rechts des Dorfbachs erheben sich imposante Felswände. Der dichte Wald schliesst die Umgebung fast hermetisch ab. Mit ein wenig Fantasie entsteht der Eindruck, man befinde sich in einer Wildnis. Nicht alles nimmt im Tobel gegenwärtig jedoch seinen gewohnten Lauf. Bei Kilometer 2 ist der schmale Waldweg abgesperrt. Rund 200 Meter entfernt befindet sich die obere Abschran­kung. «Felsreinigung Küsnacht, Tobel gesperrt vom 29.–31. 3», steht auf einer Tafel geschrieben. Ein Spaziergänger mit Hund nimmt davon Notiz und macht rechtsumkehrt.

«So ein Tobel wie in Küsnacht ist eine lebendige Sache.»

Caspar Maag,Leiter Strassenunterhalt

«Felsreinigung» tönt einigermassen harmlos – in Tat und Wahr­heit erledigen zwei Arbeiter weit oben in einer Felswand einen schwindelerregenden Job. Gesichert sind die beiden Helmträger an Seilen, daneben hängen Schläuche, die vom Kompressor zu Presslufthämmern führen. Mit dem lauten Werkzeug bohren sie in die Felswand. Rasch löst sich Gestein in Form von ­Geröll, aber auch grössere Brocken fallen in die Tiefe auf das abge­sperrte Wegstück.

Gelernter Bergführer

Hans­ueli Klossner, einer der Hochseil-Schwerarbeiter, gönnt sich eine Pause. «Eigentlich bin ich Bergführer», sagt der Berner Oberländer. Zu klettern sei er sich gewohnt. Weitergebildet hat er sich zum Felstechniker. Dieser Job sei körperlich extrem hart und eigne sich nur für Uner­schrockene. Seit Mittwoch steht er in Küsnacht im Einsatz. Erst musste am Grat oben das Wurzelgestein mit dem Pickel entfernt werden. Von oben nach unten führt der weitere Arbeitsweg, bis zu den Stellen, wo sich grössere Felsplatten gelockert haben. «Wir spitzen dort die äussersten Schichten weg.» Die genaue Vorgehensweise spricht er mit einem Geologen ab. Nun ­bespricht sich Kloss­ner mit ­Caspar Maag, Leiter Strassenunterhalt in Küsnacht, und dessen Stellvertreter Thomas Bakker. Die beiden Gemeindevertreter orientieren sich regelmässig vor Ort über den Stand der Arbeiten. Die Gemeinde war es auch, die den Auftrag der Felsreinigung vergab, als vor rund einem Monat die Risse an den Felsplatten unüber­sehbar waren. «Der kalte Winter ist schuld daran», sagt Maag. «Gefrorenes Wasser hat die Felswand ausgedehnt.»

Erinnerungen an Felssturz

«Rund 40 Kubikmeter Geröll und Steinbrocken werden schliess­lich abgetragen», sagt Maag weiter. Am heutigen dritten Arbeitstag kommen Bagger, Muldenkipper und Lastwagen für den Abtransport zum Einsatz. In einer Deponie wird das Material wieder zu Kies verarbeitet. Läuft alles nach Plan, wird die Sperre heute um 17 Uhr aufgehoben und werden die Hinweis­schilder wieder entfernt. «Davon ist auszugehen», sagt Maag.

«Rund 40 Kubikmeter Geröll und Steinbrocken werden abgetragen.»

Caspar Maag,Leiter Strassenunterhalt

Ob das Küsnachter Tobel fortan vor Naturgewalten geschützt ist, ist jedoch keineswegs sicher. Denn vor fast genau vier Jahren geschah, was im Dorf als «Küsnachter Felssturz» in Erinnerung geblieben ist.

Die jährliche geologische Unter­suchung nach Rutschungen und möglichen Stein­schlä­gen war eine Woche zuvor abgeschlossen worden, als am 23. April 2013 im oberen Teil des Tobels ein im Durchmesser rund sechs Meter grosses Teil einer Fels­nase abbrach und zu Tale stürzte. Zu Schaden kam glücklicher­weise niemand. Der Riesen­brocken steht immer noch dort, wo er liegengeblieben ist, und trägt mittlerweile den Namen «Drachenkopf».

«So ein Tobel wie in Küsnacht ist eine leben­dige Sache», meint Maag zum damaligen Geschehen und zollt der Natur Respekt. «Nach bestem Wissen und Gewis­sen lässt sich trotzdem ­sagen, dass die Sicherheit gewährleistet ist.»

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