Meilen

Das Gesicht wird zur Identitätskarte

Die Cubera Solutions AG beschreitet neue Wege: Sie setzt auf eine Technologie, die sich ihren Weg in der Schweiz noch erkämpfen muss – die digitale Gesichtserkennung. Dem Interesse von Firmen stehen rechtliche Fragen gegenüber.

Stehen erst am Anfang bei der Einführung der Technologie zur digitalen Gesichtserkennung: Die beiden Firmengründer von Cubera Solutions, Dominik Brumm (links) und Michael Fretz.

Stehen erst am Anfang bei der Einführung der Technologie zur digitalen Gesichtserkennung: Die beiden Firmengründer von Cubera Solutions, Dominik Brumm (links) und Michael Fretz. Bild: Michael Trost

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Identitätskarten gehen leicht verloren, und Passwörter müssen ständig erneuert und wieder irgend­wo hinterlegt werden: Damit könnte es schon bald vorbei sein. In Zukunft könnte das eigene Gesicht zur Identitätskarte, zur Kundenkarte oder zum PIN-Code werden.

Spätestens seit letztem September ist die digitale Gesichtserkennung auch hierzulande ein Thema. Damals lancierte Apple das neue iPhone X, das sich mit der sogenannten Face ID entsperren lässt. Auch der Flughafen Zürich setzt neu auf biometrische Identifikation. Dabei werden die Daten eines biometrischen Reise­dokuments in Echtzeit mit den Körpermerkmalen des Passagiers abgeglichen. Nach und nach erkennen auch einheimische Unternehmen das Potenzial der digitalen Gesichtserkennung und lancieren Pilotversuche.

Firmen liefern die Inputs

Das grosse Potenzial, das in ­dieser neuen Technologie steckt, haben Michael Fretz (36) und ­Dominik Brumm (35) längst ­erkannt. Ihre Firma, die Cubera ­Solutions AG, beschäftigt sich – neben der Programmierung von Mobile- und Webapplikationen – mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der digitalen Gesichtserkennung.

Aus einer anfänglichen Spielerei im Umgang mit einer 3-D-Brille ist eine ernsthafte Aus­ein­ander­setzung mit dem Thema ­geworden, mit dem sich Geld verdienen lässt: «Meistens buchen uns Kunden, um unsere Lösung an einer Veranstaltung zu präsentieren.» Werbung müssen die beiden Firmengründer keine mehr machen. Mundpropaganda genügt, die Inputs für mögliche Anwendungsgebiete liefern ihnen interessierte Firmen mittlerweile frei Haus.

Netzwerkanlässe sind zurzeit das wichtigste Anwendungs­gebiet der digitalen Gesichtserkennung aus dem Hause Cubera Solutions: Auf geschäftlichen Events – etwa im Bankenbereich – lassen sich mittels einer 3-D-Brille und Handy jedem Teilnehmer sein Name und – je nachdem – weitere spezifische Informationen zuordnen. Die Brille sei nicht nur nützlich, wenn sich die Personen nicht kennen, sondern auch ein guter Eisbrecher, sagt Brumm. Auch ein Türsteher im Club könne mit einer Brille beispielsweise Personen erkennen, die Hausverbot hätten.

Komplett eigenfinanziert

Michael Fretz und Dominik Brumm kennen sich seit ihrer Schulzeit in Stäfa. Das gemein­same Interesse an Webdesign hat sie zusammengebracht. Fretz hat an der Zürcher Hochschule der Künste Interaction Design studiert, Brumm Software Engineering an der Hochschule Rapperswil (HSR). Cubera Solutions besteht seit 2003, richtig durchgestartet sind die beiden Seebuben aber erst nach ihrem Studium im Jahr 2011. Entwickelt hat sich die komplett eigenfinanzierte Firma, die ganz ohne Investoren auskommt, von Feldmeilen aus nur in eine Richtung, nach oben: Heute arbeiten 15 Leute für das Projekt Cubera Solutions, als Entwickler oder Designer.

Der Druck von der Marktseite her ist zwar gross, «denn was wir machen, könnten wir theoretisch auch vom billigeren Ausland aus machen», sagt Fretz. Dem steht aber die Philosophie von Cubera Solutions entgegen, «die Entwicklung hierzubehalten und nichts ins Ausland abzugeben». Sie selbst seien ja auch froh, wenn so viele Jobs wie möglich in der Schweiz blieben, «und wenn alle Jobs ins Ausland abwandern, wird es eines Tages auch uns nicht mehr geben».

Ende der Anonymität

Fretz und Brumm sind sich der Risiken bewusst, die mit der Einführung der digitalen Gesichtserkennung verbunden sind. Datenschützer fürchten das ­Ende der Anonymität. Deshalb wollen die beiden Digital Natives die Einführung dieser neuartigen Technologie «aus Gründen der öffentlichen Akzeptanz» nicht zu stark forcieren. Brumm spricht von einem längerfristigen Projekt, um es in der Gesellschaft zu etablieren und den Alltagsnutzen aufzuzeigen. Das werde wahrscheinlich deutlich länger dauern als die technische Umsetzung.

Derzeit ist Cubera Solutions im Gespräch mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil für eine Forschungspartnerschaft im Bereich Gebäudeevakuation. In einem solchen Fall sei es wichtig, zu wissen, wer noch im Gebäude sei und wer nicht. Herkömmliche Eingangskontrollen mit Anwesenheitslisten und Badges, «die stets eine gewisse Ungenauigkeit bieten», würden bei einer erst noch kostengünstigeren digitalen Lösung für Mitarbeitende und Gäste hinfällig.

Technisch gesehen funktioniert das Gesichtserkennungssystem laut Fretz wie bei Überwachungskameras im öffentlichen Raum, «mit dem einzigen Unterschied, dass wir bei unserer Lösung keinen Menschen mehr hinstellen müssen, um zu schauen, wer die Schranke passiert hat». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 13:58 Uhr

Rund um den Zürichsee boomt die Digitalwirtschaft

Laut dem eben erst veröffentlichten globalen Innovationsindex 2018 ist die Schweiz das innovativste Land der Welt – zum achten Mal in Folge. In den letzten zehn Jahren sind über 1,5 Milliarden Franken an Risikokapital in stark wachsende Schweizer Jungfirmen geflossen, vor allem solche, die viel in die Forschung investieren. Diese helfen der Schweiz, sich auch in Zukunft als innovatives Land weltweit zu behaupten und neue Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung zu schaffen sowie zukunftsweisende Technologien zu entwickeln. Eine tragende Rolle spielt dabei der Wirtschaftsraum Zürich als Wirtschaftsmotor der Schweiz.

Zuständig für die Vermarktung des Wirtschaftsraums Zürich – mit der Zürichseeregion als tragendem Pfeiler – ist die Greater Zurich Area AG. Als entscheidenden Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsraum Zürich bezeichnet Geschäftsführerin Sonja Wollkopf Walt dessen hohe Innovationskraft. Dazu komme der Willen und die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen, Wissenschaft und Behörden, sich auf Zukunftstechnologien einzulassen und sich dem Strukturwandel hin zur digitalen Wirtschaft zu stellen.

Verfügbarkeit von Talenten

Eine im vergangenen Jahr von BAK Economics erstellte Studie zeigt, dass die Greater Zurich Area bei der Anwendung von Zukunftstechnologien – Life Sciences, Prozessautomatisierung, Robotik, Sensorik, künstliche Intelligenz oder Internet of Things – zu den drei Topregionen in der Welt gehört. Zu den weiteren Erfolgsfaktoren zählt Wollkopf Walt – auch dank der Nähe zu Hochschulen wie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil und der HSR Rapperswil – die hohe Verfügbarkeit und Rekrutierbarkeit von Talenten, gerade in den Zukunftstechnologien. Dazu kommen Stabi­lität und ein unternehmensfreundliches Umfeld. Die Greater Zurich Area besticht laut Wollkopf Walt durch technologische Vielfältigkeit, Forschungseffizienz und Dynamik in den Zukunftstechnologien.

Innovative Jungfirmen

Rund um den Zürichsee beschäftigt sich der unternehmerische Nachwuchs mit dem Technologie- und Wissenstransfer im Zeichen von Industrie 4.0, dem postindustriellen Zeitalter. Die ZSZ stellt in einer Serie einige Vertreter des neuen Denk- und Werkplatzes aus regionaler Sicht vor. Dabei geht es um komplexe Finanzinstrumente (Fintech), ­digitale Gesichtserkennung oder 3-D-Drucker genauso wie um moderne Sportbekleidung im 21. Jahrhundert. (ths)

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