Wochenmärkte

Daheimgebliebene bescheren Marktfahrern nur wenige Franken

Rosen, Gipfeli oder frisches Gemüse gibt es an den Wochenmärkten in der Region auch während der Sommerferien zu kaufen. Doch lohnt sich das Geschäft für die Händler in diesen Tagen überhaupt?

Das Angebot auf den Wochenmärkten ist in der Ferienzeit üppig, auch wenn viele Kunden verreist sind. Bild: David Baer

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Die Pausenplätze sind verwaist, an Ladentüren hängen «Geschlossen»-Schilder, in den Badis hat die Tüechlidichte trotz Hitze abgenommen: Die Sommerferien entschleunigen das Dorfleben. So ist auch an den Wochenmärkten am rechten Zürichseeufer weniger los als sonst. Ein Augenschein in drei Gemeinden zeigt: Die Kassen der Marktfahrer klingeln derzeit nicht so häufig.

Zollikon, kurz nach 8 Uhr, Giovanni Giannetta von der Molkerei Neff aus Wald büschelt die Joghurtgläser in seiner Auslage. Dann wendet er sich der Glasscheibe vor der Auslage zu. Sie ist angelaufen. «Das ist wegen der Luftfeuchtigkeit», weiss Giannetta. Er stellt einen Ventilator auf. Die beschlagenen Scheiben werden klar. «Viele Kunden sind verreist», sagt Giannetta. Auch Marktstände habe es heute deutlich weniger, an diesem Samstag sind es zwölf. Aber nicht alle Zolliker liegen am Strand. Einige Daheimgebliebene kaufen auch während der Ferien ihre Milchprodukte bei Giannetta. Für sie hat er an dem Samstagmorgen seinen Wagen aufgestellt. «Die Kunden schätzen Konstanz.» Deshalb sei es wichtig, auch während der Sommerferien für sie da zu sein.

Besser als gar nichts

Neben Giannettas Wagen steht der Stand von Ueli Graf von der gleichnamigen Gärtnerei aus Wolfhausen. Graf weiss um die Wichtigkeit einer lückenlosen Präsenz auf dem Zolliker Dorfplatz. Klar verkaufe er heute weniger. Aber «auf das ganze Jahr gerechnet, hole ich das wieder heraus», sagt er und wendet sich einer Kundin zu, die eine Frage zu einer seiner Blumen hat.

Gleich drei Stände haben in Zollikon Blumen im Angebot. Zwei Stände weiter steht Ramadan Jakupi. Er verkauft Schnittblumen. Seit Jahren fährt er aus Zürich Affoltern nach Zollikon – auch in diesen Wochen. «Blumen wachsen auch in den Ferien», sagt er. «Sicher 60 Prozent der Kunden sind verreist», schätzt er. «Das Geschäft lohnt sich jetzt nicht wirklich.» Hier zu sein, sei aber besser, als gar nichts zu verkaufen.

Zeit lassen für den Einkauf

Heisse Brötli hingegen gehen offenbar immer gut weg. So auch in Zollikon am Stand der Bäckerei Känzig aus Kilchberg. Von Ferienflaute ist hier nichts zu spüren. Viele kaufen sich auf dem Weg zur Migros noch ein Gipfeli. Trotz des regen Kommen und Gehens sei es heute ruhiger als sonst, sagt Sonja Ochsner, die an dem Morgen an dem Stand arbeitet.

Das Geschäft lohnt sich jetzt nicht, über das Jahr gerechnet aber schon.

Ein Markt für Liebhaber ist der Wochenmarkt Smärt, der jeden Samstag beim Stäfner Kirchbühl stattfindet – so auch an diesem Wochenende. Ein clownesk geschminkter Handorgelspieler sorgt mit seiner Darbietung für Feriengefühle auf dem Platz neben der Kirche. Sieben Marktfahrer trotzen den Sommerferien und haben ihre Stände aufgestellt. Reger Andrang herrscht an der mobilen Espressobar. Am Smärt geht es nicht nur darum, Besorgungen möglichst schnell zu erledigen. Wer hier einkauft, lässt sich Zeit. Und setzt sich auch mal für einen Schwatz in den Schatten der Bäume auf eine der Sitzbänke.

«Wir sind Idealisten»

«Wir leben von der Stammkundschaft», sagt Mafalda Rüegg, vom Archehof aus Ermenswil, die in Stäfa ihren Stand aufgestellt hat. «Stammkunden schätzen es, auch während der Sommerferien einen Zopf kaufen zu können.» Klar verdiene sie an Tagen wie diesen weniger, sagt Rüegg, aber auch sie fügt an: «Nach den Ferien gleicht sich das wieder aus.»

Erhard Isler hilft Rüegg am Stand. Dies tut er unentgeltlich. «Wir Marktfahrer sind Idealisten», sagt Isler. Ihnen sei der direkte Kontakt zu den Abnehmern ihrer Produkte wichtig. Die Stundenlöhne seien tief, sagt Rüegg. Wie viel der Stundenlohn eines Marktfahrers beträgt, rechne man lieber gar nicht erst aus.

Weniger Ware dabei

So sieht es auch Gemüsehändler Sämi Nötzli: «Ich mache eine Mischrechnung», antwortet er auf die Frage, ob sich das Geschäft in Stäfa während der Sommerferien lohne. «Für mich zumindest lohnt es sich», sagt die Kundin, die er gerade bedient.

Reger Andrang herrschte an der mobilen Espressobar in Stäfa.

In Männedorf ist der Wochenmarkt an diesem Samstag noch überschaubarer: An sechs Ständen bieten Marktfahrer am Leuemärt ihre Produkte an. Einer von ihnen ist Adrian Kunz, der hier Gesundes verkauft. Dass Sommerferien sind, sei nicht zu übersehen. Seine Früchte und Beeren würden sich aber auch heute gut verkaufen. «Die Menge ist zwar nicht so gross wie an normalen Tagen», sagt er. Dies berechne er aber ein: «Heute habe ich einfach weniger Früchte mitgebracht als sonst.»

Erstellt: 28.07.2019, 19:49 Uhr

Wochenmärkte im Bezirk Meilen

Während der Sommerferien finden in mehreren Gemeinden am rechten Zürichseeufer Wochenmärkte statt.

Stäfa: Wochenmarkt Smärt, jeden Samstag von 8 bis 12 Uhr, Kirchbühl.

Männedorf: Leuemärt, jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr, Leueplatz.

Meilen: Meilemer Wuchemärt, jeden Freitag von 7.30 bis 11 Uhr, beim Bahnhof Meilen (kein Markt in Meilen am 2. August wegen Ferien und am 13. September wegen Chilbi).

Küsnacht: Wochenmarkt Bahnhofstrasse freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr vor der Papeterie Köhler.

Küsnacht: Wochenmarkt Falkenplatz, jeden Dienstag von 8 bis 13 Uhr sowie jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr, Falkenplatz.

Zollikon: Markt jeden Dienstag und Samstag von 8 bis 13 Uhr auf dem Dorfplatz.

Zumikon: Wochenmarkt jeden Mittwoch von 8.30 bis 11.30 Uhr auf dem Dorfplatz. Jeweils am letzten Samstag im Monat findet auf dem Dorfplatz ein Dorfmarkt oder ein Anlass statt.

(fsp)

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