Küsnacht

Curling unter der Schirmherrschaft der Queen

Auf der Kunsteisbahn Küsnacht ist es zu einem königlichen Duell gekommen. Der Curling Club Küsnacht spielte gegen den schottischen Royal Caledonian Curling Club.

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Auf die Minute pünktlich trifft um 11.45 Uhr der Mannschaftsbus mit der schottischen Curling-Delegation vor der Kunsteisbahn Küsnacht (KEK) ein. Rund dreissig ältere Herren im Trainingsanzug steigen aus.

Sie werden empfangen von Felice Pohl, Veteranenobmann beim Curling Club Küsnacht (CCK). «Es wird gegen die Küsnachter ein Spiel mit Seltenheitswert», sagt der Langnauer Freddy Meister auf dem Weg zur Curlinghalle. «Nur alle zehn Jahre begibt sich der Royal Caledonian Curling Club (RCCC) auf eine ausgedehnte Schweizer Tournee.» Er sei der Tourneebegleiter und Küsnacht sei erstmals als Austragungsort ausgewählt worden, fügt er an.

Beim Aussteigen aus dem Reisecar zeigen die Gäste Flagge.

Das Protokoll muss an diesem Montag eingehalten werden, so dass nun ein Apéro ansteht. Die Küsnachter Senioren – auch sie längst dem Alter eines aktiven Sportlers entwachsen – und ihre Gäste bilden Grüppchen, man erkundigt sich gegenseitig über das Wohlbefinden und ob man denn auch gut gereist sei. «Danke wir sind ausgeruht, wir haben in Luzern gut geschlafen, vielleicht auch, weil wir gegen das Luzerner Team gewonnen haben», heisst es da und dort.

Queen Victoria als Gründerin

Noch bevor der Lunch serviert wird, begrüsst CCK-Ehrenpräsident Hans Peter Keller die Anwesenden mit den Worten «dearest friends and brothers.» Er hätte auch noch «sisters» erwähnen können, stehen im Aufgebot der Gastgeber doch auch Seniorinnen. Wimpel und Ehrennadeln werden ausgetauscht, ehe Robin Copland, der Captain des RCCC, den Empfang der Küsnachter verdankt und den «charming lake of zurich» besonders lobt.

«Urkunden über Curling sind erstmals in Schottland gefunden worden.»Robin Copland

Ist es manchmal schwierig, dem Englisch der Schotten zu folgen, versteht man Copland bestens, als er in kleinem Kreis die Geschichte des Klubs erzählt. «Caledonian» sei die etwas romantischere Version für «schottisch», sagt er zunächst. Weiter erfährt man: «Urkunden über Curling sind erstmals in Schottland gefunden worden.» Der RCCC sei also die Mutter aller Curlingklubs.

Bei diesem schottischen Spieler haben selbst die Schnürsenkel einen patriotischen Anstrich.

Gegründet habe ihn Queen Victoria im Jahr 1838. «Seither steht er unter der Schirmherrschaft der Royals. Wir spielen also zu Ehren von Queen Elizabeth.» Eine Kommission entscheide, wer dem Verein beitreten könne. Zur sportlichen Stärke des Teams meint er: «Ich spielte 1989 für Schottland an der WM, und wir haben einige Landesmeister in unseren Reihen. Aber unsere besten Zeiten liegen weit zurück.»

Panne während der Schweizer Hymne

Die vier schottischen Mannschaften und die vier Teams aus Küsnacht sind nun bereit zum Duell mit Besen und Stein. Einige machen ein leichtes Aufwärmtraining, mehr als ein paar Kniebeugen sind allerdings nicht auszumachen. Es folgt eine Eröffnungszeremonie mit dem Einmarsch der Athleten und Athletinnen auf die Eisfläche – die Etikette wird weiterhin eingehalten. Die Nationalflaggen und Nationalhymnen gehören dazu.

Die Teams nehmen für die Landeshymnen Aufstellung.

Auf Botschaftsebene ist vorgängig abgeklärt worden, welche der drei inoffiziellen Nationalhymnen Schottlands man denn abspielen solle. Der Entscheid ist auf «Flower of Scotland» gefallen, und damit liegen die Veranstalter richtig. Die schottischen Curler singen lautstark mit. Bei der Schweizer Hymne tönt der Gesang wesentlich leiser, als plötzlich, mitten im Stück, Dudelsackklänge ertönen. Es kommt zum Abbruch der Übung.

Des Rätsels Lösung: Tourneebegleiter Meister hat die Hymnen via Handy und Bluetooth über eine Lautsprecheranlage abgespielt, als beim Schweizerpsalm ein Anruf reinkam. «Mein Klingelton ist eben Dudelsackmusik.»

Küsnacht gewinnt

Auf den vier Rinks wird gleichzeitig über 8 Ends gespielt. Die Küsnachter überlassen sportlich den Vorteil des letzten Steins im ersten End den Schotten. Im Gesamtskore behält der CCK mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage das bessere Ende für sich. Zum Sieg tragen auch die Seniorinnen Silvia Niederer und Lotti Pieper um Skip Renate Nedkoff bei. Sollte Queen Elizabeth von der Niederlage ihrer Mannschaft je Kenntnis bekommen – sie wäre «not amused».





Erstellt: 21.01.2020, 15:34 Uhr

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