Feldmeilen

Christian Kohlund liest mit Schalk und samtener Stimme

Eine (be)sinnliche Lesung mit Gitarre war in der Stöckenweid angesagt. Der Schauspieler Christian Kohlund und der Gitarrist Klaus Pruenster boten weit mehr – heitere Stunden mit Schalk, Tiefgang und Wohlklang.

Sie sind ein eingespieltes Team: Christian Kohlund (rechts) und Klaus Pruenster in ihrem Weihnachtsblues.

Sie sind ein eingespieltes Team: Christian Kohlund (rechts) und Klaus Pruenster in ihrem Weihnachtsblues. Bild: Sabine Rock

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Der Aufmarsch des Publikums am Donnerstagabend ist gewaltig. Über 160 Personen füllen den Saal der Stiftung Stöckenweid in Feldmeilen bis auf den letzten Platz. Alle kommen sie wegen ihm, dem man wegen seiner unverwechselbaren sonoren Stimme stundenlang zuhören könnte. Der Schweizer Schauspieler Christian Kohlund trägt den Samt buchstäblich auf der Zunge. Und weil man ihn im Film und Fernsehen in der Regel Hochdeutsch sprechen hört, muten seine Begrüssungsworte «Schön, dass Sie choo sind» unwirklich an.

Doch Kohlund ist in Stäfa aufgewachsen und erst mit 22 Jahren der Schauspielausbildung wegen nach Deutschland ausgewandert, wo er seither lebt. Kaum hat sich der grosse Mann mit Jahrgang 1950 hinter das Tischchen vor dem Publikum gesetzt, rückt er schon mit der Wahrheit über sich heraus, weil er eben ehrlich sein will zum Jahresende hin: «Man sagt mir nach, ich sei ein Scharlatan, ein Schmeichler, ein Draufgänger und Frauenheld und kein Messerstich bringe mich ins Grab.» Da blitzt der Schalk in seinen Augen, als er die selbstkritische Aufzählung mit erhobenem Zeigefinger abrundet: «Und wissen Sie – es stimmt.» Er sei eben geschaffen für mehrere Leben und er lebe Jenes der Bühne.

Zauberhafte Gitarrenklänge

Es folgt Musik als Übergang zur nächsten Geschichte. Klaus Pruenster, den Kohlund vor vielen Jahren bei einem Filmprojekt kennenlernte und als Freund vorstellt, sitzt inmitten seiner drei akustischen Gitarren ebenfalls auf der Bühne, die im Schein von Kerzenlicht eine behagliche Atmosphäre verbreitet.

Was der 59-jährige österreichische Meistergitarrist und Komponist, einst Pop-Ikone der 80er Jahre, seinem Instrument entlockt, ist von zauberhaftem Klang. Mühelos bewegen sich die Finger der Rechten über den Saiten, während er mit der Linken die Töne mit Streichbewegungen verfremdet und ins Sphärische rückt. Ob jazzige Elemente, Countrysound oder scheinbar aus dem Stegreif improvisierte Melodien – Pruensters Musik berührt. Man träumt mit, spürt die Melancholie und lässt dabei die Erzählungen Kohlunds auf sich wirken. Gemeinsam haben Schauspieler und Musiker das Programm des «Weihnachtsblues» erarbeitet, mit dem sie die Entschleunigung heraufbeschwören. Und wenn diese ein Tempo hat, ist es jenes des Erzählers: «Erzählen ist anders als reden, ist der Weg in die Stille und eine andere Art zu Schweigen».

Geschichten von Paolo Coelho oder Peter Bichsels «Die heilige Zeit» haben Tiefgang. Andere, wie die Schöpfungsgeschichte des Wiener Liedermachers Ludwig Hirsch, sind bissig-sarkastisch. Und jene über die «Bescherung» ist lustig, weil sie das wahre Leben widerspiegelt.

Der Schauspieler würzt Letztere mit der nötigen Theatralik, ändert je nach Protagonist stimmlich die Tonlage und passt die Mimik an: Auf der Bühne wird’s lebendig, als sprächen gleich mehrere Figuren. Es ist der Moment, da Christian Kohlund in seinem Element ist und auf dem Stuhl oft hin und herrutscht. Zum Abschluss verspricht er etwas Ernsthaftes, hält aber nicht Wort. Die Geschichte über das Schuhschwämmchen ist einfach nur «herzig». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.12.2016, 15:43 Uhr

Nachgefragt

«Ich bin mit Theatern rund um den See verbunden»

Sie leben und wirken seit 1972 in Deutschland. Was bedeutet Ihnen der Zürichsee?
Christian Kohlund: Ich bin in Basel geboren. Als ich zehn war, zogen meine Eltern (die Schauspieler Erwin Kohlund und Margrit Winter, Anm. Red.) nach Engagements in Deutschland und Luzern nach Stäfa. Ich bin hier aufgewachsen und finde es immer noch wahnsinnig schön. Nachdem auch meine grossartige Schwester Franziska, die ebenfalls Schauspielerin war, vor zwei Jahren verstorben ist, bleibt mir, dem letzten Kohlund, nur noch mein Schwager Buschi Luginbühl. Sonst habe ich keine Bezugspersonen mehr in Stäfa.

Kommen Sie darum für Ihre Lesungen fast alljährlich in die Region?
Ich trat früher regelmässig mit Franziska in theatralisch-musikalischen Programmen auf, die wir sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland durchführten. Im Spital Männedorf habe ich als Dank für ihre Betreuung für die ganze Belegschaft gelesen – das war ein schöner Anlass. Mit meiner Passion fürs Theater bin ich mit Theatern rund um den See verbunden, mit dem Rössli genauso wie mit dem Teatro Ticino in Wädenswil.

Was steht als Nächstes auf dem Programm?
Nach dem Erfolg des ersten Zürich-Krimis «Borcherts Fall» im Deutschen Fernsehen, in dem ich mitwirke, stehen zwei weitere Folgen an. Dann habe ich eine Gastrolle inne in der Schweizer Fernsehproduktion «Wilder», die wir in den Bergen, unter anderem im Glarnerland, drehen werden. Derzeit bin ich mit meinem Weihnachtsblues unterwegs, lese morgen noch in Lachen und am Sonntag schon wieder in Hamburg.

Wird man Sie in weiteren Folgen im «Traumhotel» sehen können?
Nach 20 Folgen ist das Format eingestellt worden. Das ist auch genug, Wiederholungen werden noch immer ausgestrahlt. (mz)

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