Uetikon

Chemie-Halle wird zum Bike-Paradies

Ein Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Chemie Uetikon wird umgenutzt. Während des Winters sollen dort Bikefans herumkurven und über Hindernisse springen.

Vater und Sohn: Leandro (links) und Hans-Peter Kienast haben das Projekt der Bike-Halle initiiert.

Vater und Sohn: Leandro (links) und Hans-Peter Kienast haben das Projekt der Bike-Halle initiiert. Bild: Manuela Matt

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Die Atmosphäre auf dem Gelände wirkt gespenstisch. Die Wege zwischen den veralteten Gebäuden sind lang, schattig, verwinkelt. Der Geruch von Beton und Verputz liegt in der Luft. Und dann ist diese Stille, die sich wie ein Vakuum über das labyrinthische Gelände zieht und jegliche Geräusche einsaugt. Der Eindruck täuscht nicht: Dort wo in Zukunft ein Gymnasium entstehen soll, befindet sich immer noch das rund neun Fussballfelder grosse Areal der ehemaligen Uetiker Chemiefabrik. Und das ist alles andere als belebt.

Doch etwas durchstösst die Stille, je mehr man sich der Halle 517 nähert. Stimmen sind hörbar, das Drillen eines Bohrers ertönt – und auch das Surren eines Velorads. Seit einer Woche herrscht am westlichen Rand des Areals Betrieb. Zwischen den Holzpfeilern der 1600 Quadratmeter grossen Halle wird gewerkelt, geschraubt, geschleppt. Bereits aufgestellt ist eine zwei Meter hohe Rampe sowie zwei grosse Wellen im Zentrum des Gebäudes. Entstehen soll eine Bike-Halle, die ab morgen den ganzen Winter hindurch mittwochs und am Wochenende offen ist – und wohl zumindest einen Teil des Chemie-Areals beleben soll.

Zufällig entdeckt

Mittendrin steht Leandro Kienast. Er delegiert Handwerker, nimmt auch mal den Hammer in die Hand und absolviert erste Testfahrten über die Hindernisse. «Das kommt gut», hört man ihn sagen. Als Mitglied der Vereine Trail Friends und Bike Trail Pfannenstiel ist der 28-Jährige Initiant und Betreiber der Bike-Halle.

«Die Bike-Halle sollte gemeinnützig sein, sprich für jede und jeden zugänglich.»Leandro Kienast

Entstanden ist die Idee zufällig: «Auf dem Areal befindet sich eines unserer Lager. Beim Vorbeilaufen haben wir dann diese Halle entdeckt und festgestellt, dass sie eigentlich noch ideal für einen Freestyle-Parcours wäre.» Kienast wusste zu dem Zeitpunkt, dass das Zürcher Sportamt zwei Pumptracks, sprich zusammensetzbare, wellige, kurvige Rundkurse für Velos und Scooter, zur Verfügung stellt. Diese wären während der Wintermonate verfügbar – und geeignet für eine solche Halle.

Daraufhin nahm Kienast Kontakt mit der Gemeinde auf, sprach mit Liegenschaftsvorsteherin Heidi Mühlemann (parteilos) über die Idee. «Als Sportfan war sie sogleich davon begeistert.» Eine Bedingung wurde jedoch gestellt: «Die Bike-Halle sollte gemeinnützig sein, sprich für jede und jeden zugänglich.»

Kienast nahm sich dies zu Herzen. «Bei der Einteilung der Halle haben wir darauf geachtet, dass sowohl erfahrene wie auch ungeübte Biker auf den Elementen fahren können.» Neben den zwei Pumptracks, die zwei Drittel der Halle einnehmen, der Rampe sowie den beiden Wellen soll eine «Skill»-Ecke mit Holz-Paletten für das Training von Kunststücken sowie eine Kinderecke mit kleineren Wellen entstehen. Das Material, darunter Holz, Helme oder Matratzen für die Pfeiler, wurde überwiegend von lokalen Geschäften zur Verfügung gestellt.

Generell sei die Unterstützung äusserst gross – und auch wichtig. Denn die Halle kann nicht kostenlos genutzt werden, erklärt Kienast: «Wir müssen monatlich etwa 2500 Franken Miete bezahlen.» Einerseits habe man dafür bereits 12500 Franken an Sponsorengelder eingenommen, andererseits wird für den Parcours Eintritt verlangt. Erwachsene zahlen 15 Franken, Jugendliche 10 und Kinder 5.

Eine Halle für den Bezirk

Ziel sei es, das gesamte rechte Ufer für das Bike-Paradies zu begeistern. «Die Halle ist für alle vom Bezirk gut erreichbar, ob mit Auto oder per Zug.» Zudem gebe es keine alternative Indoor-Freestyle-Anlage am See, die nächsten befinden sich in Rüti, Wetzikon oder Zürich. Unter anderem sollen nebst Privaten auch Velo-Vereine oder Schulklassen in der Halle Platz finden. «Uns geht es primär darum, den Bikesport zu fördern und auch auf unsere Vereine aufmerksam zu machen.»

Wie die Halle schliesslich ankommt, könne Kienast nicht genau voraussagen. Man müsse zuerst Erfahrungen sammeln mit den Preisen, der Hallenauslastung und den Öffnungszeiten, und diese vielleicht noch anpassen. «Aufgrund der bisherigen Feedbacks sind wir optimistisch.» Einen Wehrmutstropfen gebe es trotzdem: Die Halle wird im Frühling wieder schliessen. Dann müssen die Pumptracks dem Sportamt zurückgegeben werden. Kienast hofft aber, dass die Aktion nicht einmalig bleibt: «Vielleicht bekommen wir im nächsten Jahr nochmals eine solche Chance.»

Erstellt: 28.11.2019, 16:05 Uhr

Anlass

Eröffnung Bike-Halle, Samstag, 30. November, ab 10 Uhr, Seestrasse 108, Eintritt kostenlos.

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