Zollikon

Buschauffeur nach Unfall mit Lastwagen milde verurteilt

Ein Buschauffeur verwechselte in Zollikon das Brems- mit dem Gaspedal und prallte in einen Lastwagen. Zehn Personen wurden ­verletzt. Der Fahrer wurde jetzt zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken verurteilt.

Stark beschädigt wurde der Bus beim Zusammenstoss. Der jetzt verurteilte Chauffeur überlebte schwer verletzt.

Stark beschädigt wurde der Bus beim Zusammenstoss. Der jetzt verurteilte Chauffeur überlebte schwer verletzt. Bild: Archivbild Frank Speidel

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Der Unfall geschah am 20. März 2012, als ein Bus der Linie 910 in Zolli­kon am Morgen über die Berg­strasse in Richtung See fuhr. Der heute 60-jährige Buschauffeur lenkte den Wagen nach der Haltestelle Allmend in die Richtung einer Kurve. Laut Anklage verwechselte er dabei das Brems- mit dem Gaspedal und beschleunigte deshalb von 40 km/h auf 55 km/h. Ein grobfahrlässiger Fehler mit fatalen Folgen. So geriet der Linienbus auf die Gegenfahrbahn und kollidierte dort frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Lastwagen.

Chauffeur schwer verletzt

Der Zusammenprall der beiden Fahrzeuge war so heftig, dass sich zehn Personen zum Teil erheb­liche Verletzungen zuzogen. Unter ihnen waren der Lastwagenlenker sowie acht Passagiere des Busses.

Am schlimmsten erwischte es den Buschauffeur. Er blieb mit schwersten Becken- und Beinverletzungen über eine Stunde lang im Führersitz eingeklemmt, bis die Feuerwehr ihn herausschweis­sen konnte.

14 Monate bedingt gefordert

Seit letztem April beschäftigten die juristischen Folgen des schweren Unfalls das Bezirksgericht Mei­len. Der ehemalige Buschauffeur musste wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten rechnen. Der zuständige Staatsanwalt Jürg Boll sprach von einem schweren Verschulden des Beschuldigten und verwies auf ein Unfallgutachten, das ein Bremsversagen ausschloss, und befand, dass der Beschuldigte beschleunigt habe.

Der polnische Ex-Buslenker – er ist heute zu 100 Prozent arbeits­unfähig – und sein Verteidiger wiesen die Vorwürfe der Anklage zurück und machten eine mutmasslich defekte Bremse für die Kollision verantwortlich. Der Rechtsanwalt verwies auf den allgemein schlechten technischen Zustand des Unfallbusses, dessen Wartungsunterlagen heute verschwunden seien. Zudem handle es sich beim Beschuldigten um einen sehr erfahrenen Buschauffeur, der über elf Jahre lang zuverlässig für den Autobusbetrieb gearbeitet habe.

Milde Geldstrafe

Wie nun das Bezirksgericht Meilen eröffnete, hat es den IV-Rentner im Sinne der Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässig grober Verletzung von Verkehrsregeln für schuldig befunden. Bei der Strafzumessung wichen die Richter allerdings deutlich vom Antrag der Staatsanwaltschaft ab und setzten für den Chauffeur eine milde Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken fest.

Der Grund dafür liegt wohl ­darin, dass der Beschuldigte von den Folgen des Crashs selber sehr stark betroffen ist und auch heute noch sowohl psychisch als auch körperlich leidet. Die 6300 Franken muss er also nicht zahlen, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Horrend teure Nebenfolgen

Aus dem nun eröffneten Urteilsdispositiv geht auch hervor, dass der ehemalige Buschauffeur mit horrend teuren Nebenfolgen zu rechnen hat. So muss er einer verletzten Privatklägerin Schadenersatz und Genugtuung in einer noch zu ermittelnden Höhe bezahlen. Zudem soll er ihr eine Prozessentschädigung von 2606 Franken entrichten.

Am schlimmsten wiegt aber für ihn die Kostenauflage bezüglich der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens. Aufgrund des aufwendigen Unfallgutachtens und der Einstellung des Linienbusses beträgt die gesamte Gerichtsgebühr 40 979 Franken. Für sie soll alleine der Beschuldigte aufkommen. Allerdings kann er das Urteil an das Zürcher Obergericht weiterziehen.

Erstellt: 19.07.2015, 22:05 Uhr

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