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Bund will Bauern für Milchprüfung zur Kasse bitten

Der Bund will sich nicht länger an den Kosten für die Milchprüfung beteiligen. Den Bauern, die wegen des tiefen Milchpreises ums Überleben kämpfen, gefällt die Stossrichtung nicht.

Für Milchbauern ist jede zusätzliche Ausgabe eine Ausgabe zu viel, weil die die Milchproduktion nicht mehr kostendecken ist. Sie weichen deshalb auf andere Geschäftsfelder aus.
Für Milchbauern ist jede zusätzliche Ausgabe eine Ausgabe zu viel, weil die die Milchproduktion nicht mehr kostendecken ist. Sie weichen deshalb auf andere Geschäftsfelder aus.
Manuela Matt

Rund 1.50 Franken kostet ein Liter Milch beim Detailhändler. Geht es nach dem Richtpreis, erhält der Milchbauer dafür 68 Rappen. Häufig verdienten sie aber viel weniger, heisst es von Seiten der Landwirte. Milch, die verarbeitet oder exportiert wird, müssten sie deutlich günstiger verkaufen. Nun folgt für die Bauern die nächste Negativbotschaft: Der Bund will seinen Beitrag von gut 3 Millionen Franken für die Milchprüfung streichen, wie aus dem Budgetentwurf 2018 hervor geht. Diese dient der Kontrolle der Hygiene, der Tiergesundheit und allfälliger Antibiotikarückstände.

Für den einzelnen Bauern bedeutet die Änderung laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Kosten von 145 Franken im Jahr. «Auf den ersten Blick mag dieser Betrag vertretbar erscheinen», sagt Milchbauer Reto Alig aus Meilen. «Die Milchproduktion ist aber schon lange nicht mehr kostendeckend, da ist jede zusätzliche Ausgabe zu viel.»

Auch Peter Bossert, Präsident des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Horgen und Milchbauer in Wädenswil, bedauert die Stossrichtung des Bundes. «Subventionen aus Steuergeldern sollten dazu dienen, dass der Konsument Schweizer Qualitätsprodukte zu guten Preisen kaufen kann», sagt er. Statt den landwirtschaftlichen Produzenten kommen die Direktzahlungen laut Bossert aber vermehrt rein ökologischen Massnahmen – etwa der Förderung der Artenvielfalt – zu Gute. «Die produktive Landwirtschaft ist immer der Verlierer.»

Parlament hat das letzte Wort

Nathalie Rochat von der Medienstelle des BLV relativiert: Die Selbstkontrolle sei eine Grundvoraussetzung der Lebensmittelgesetzgebung, welche als Eigenleistung der Betriebe durchgeführt werden müsse. «Es gibt keine andere Branche, welche für diese Aufgabe vom Bund eine finanzielle Unterstützung erhält.» An den Kontrollen selbst dürfte die Kürzung nichts ändern. «Die Verantwortung für die Milchprüfung liegt schon seit einigen Jahren bei der Branche», sagt Rochat. «Mit dem Wegfall der Subvention wird sich daran nichts ändern, da die Milchprüfungsverordnung die Aufgaben, die Verantwortung und die Kompetenzen klar regelt.»

Ob der Beitrag tatsächlich gestrichen wird, entscheidet das Parlament in der Wintersession. Für den Herrliberger Roland Küpfer, der seinen Milchbetrieb bereits eingestellt hat, spielt der Entscheid keine Rolle mehr.

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