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Brutale Tötung ist auf Drogenrausch zurückzuführen

Äusserst brutal tötete ein 31-Jähriger vor Silvester 2014 einen jungen Kollegen in der elterlichen Villa in Itschnach. Die Tat geschah im Drogenrausch. Der Deutsche könnte darum mit fahrlässiger Tötung davonkommen.

Gewalt im Drogenrausch: Der Angeklagte im Mordfall von Itschnach konsumierte gemäss Anklageschrift Ketamin und Kokain. Er war in einen «psychotischen Zustand mit paranoiden Wahnvorstellungen» geraten.
Gewalt im Drogenrausch: Der Angeklagte im Mordfall von Itschnach konsumierte gemäss Anklageschrift Ketamin und Kokain. Er war in einen «psychotischen Zustand mit paranoiden Wahnvorstellungen» geraten.
Symbolbild, Keystone

Warum es in den frühen Morgenstunden im beschaulichen Quartier zu einer Auseinandersetzung kam, ist nicht mehr nachvollziehbar. Klar ist, dass der 31-jährige Zwei-Meter-Mann auf seinen fast 20 Zentimeter kleineren Kollegen einschlug, unter anderem mit einem Kerzenständer und einer goldenen Skulptur. Danach würgte er den unterlegenen Kollegen und rammte ihm eine Kerze in den Mund. Das Opfer starb an Ersticken.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen aus einer bekannten Kunsthändlerfamilie fahrlässige Tötung, allenfalls eventualvorsätzliche Tötung vor. «Nur» fahrlässige Tötung, weil der Galerist vor der Tat Kokain und Ketamin, ein starkes Narkosemittel, konsumiert hatte. Die Tötung geschah also im Drogenrausch. Ihm sei bewusst gewesen, «dass er nach dem Konsum von Ketamin und Kokain in einen psychotischen Zustand mit paranoiden Wahnvorstellungen geraten kann, in denen er sich ernsthaft von Personen in seiner unmittelbaren Umgebung mit dem Tode bedroht sieht», schreibt die Staatsanwaltschaft in der nun freigegebenen Anklageschrift.

Nicht erste Tat im Rausch

Denn es soll schon früher zu ähnlichen Ereignissen gekommen sein. Einmal habe der Beschuldigte versucht, seine damalige Freundin aus einem fahrenden Taxi zu zerren. Schon drei Jahre früher wurde der Deutsche zudem in die Psychiatrische Universitätsklinik eingewiesen, nachdem er seinen Vater mit einem Gehstock angegriffen hatte. Im Rausch dachte er offenbar, dass seine Angehörigen Hexen seien, die ihn töten wollen.

Die Anklage bringt eine eventualvorsätzliche Tötung ins Spiel. Dies, weil sich der Beschuldigte der Wirkung der Drogen bewusst war und extreme Handlungen zumindest in Kauf nahm. Die Verteidigung ist sich so weit mit der Anklage einig, dass die Tat im Drogenrausch geschehen ist. Allerdings könne er weder dem Vorwurf der vorsätzlichen noch der fahrlässigen Tötung folgen, da der Beschuldigte die Tat nicht habe voraussehen können, als er die Drogen eingenommen hatte, sagt Verteidiger Andreas Meili.

Weitere Vorwürfe

Im Verlauf der Untersuchung sind weitere Vorwürfe gegen den Beschuldigten aufgekommen. So soll er seine damalige Freundin an einem Abend vergewaltigt haben. Angeklagt ist auch der erwähnte Tötungsversuch im Taxi. In diesem sieht die Staatsanwaltschaft den mutmasslichen Täter als schuldunfähig. Die Verteidigung streitet all diese Vorwürfe ab.

Keinen Widerspruch gibt es im Fall von diversen Verkehrsregelverletzungen. Mit seinem Porsche Cayenne war der Beschuldigte in fahrunfähigm Zustand im Herbst 2014 über eine Fussgängerinsel in Zürich gefahren, wobei er beinahe eine Fussgängerin überfahren hatte. Danach fuhr er mit überhöhter Geschwindigkeit an einer Polizeipatrouille vorbei und stellte seinen Wagen bei seinem Wohnort in einem Zürcher Nobelquartier ab.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den 31-Jährigen eine achtjährige Freiheitsstrafe, sollte auf fahrlässige Tötung entschieden werden oder eine 13-jährige Freiheitsstrafe, wenn das Bezirksgericht Meilen auf eventualvorsätzliche Tötung entscheidet. In beiden Fällen soll der Galerist eine ambulante Therapie beginnen. Die Verteidigung lässt sich noch nicht in die Karten blicken, wird den Fall aber «in einem substantiell anderen Licht präsentieren als die Anklage, so dass der Ausgang dieses Verfahrens völlig offen ist».

Der Prozess am Bezirksgericht Meilen beginnt am 27. März. Weitere eingeplante Tage sind der 29., 30., und der 31. März. Am 29. wird die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen, wenn die Vergewaltigungsvorwürfe besprochen werden.

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