Herrliberg

Blocher zeigt Gemälde aus seiner Sammlung in Herrliberg

Wenn es um Kunst geht, lebt Christoph Blocher auf. Seine Faszination für Anker- und Hodlergemälde will er Anfang Februar mit der Öffentlichkeit teilen und präsentiert dabei in der Herrliberger Kirche auch einige Originale.

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«Haben sie gesehen, wie Anker diese Härchen gemalt hat?» Wenn Christoph Blocher anfängt über seine Kunst zu reden, wird die Leidenschaft, welche der passionierte Kunstsammler dafür verspürt, schnell offensichtlich – und sie ist ansteckend. Der Maler habe für solche feinen Details einen Pinsel aus den Haaren von Rehaugenbrauen verwendet. Der Alt Bundesrat steht bei diesen Worten vor dem «Bildnis eines Mädchens», das der Schweizer Künstler 1886 gemalt hat. Dass Marc Fehlmann, der damalige Direktor des Museum Oskar Reinhart, dieses Gemälde einst als die «Mona Lisa Albert Ankers» bezeichnet hat, wischt Blocher mit einer schnellen Handbewegung beiseite. «Das ist eine Beleidigung für das Mädchen: Es ist viel schöner als die Mona Lisa.»

«Das ist eine Beleidigung für das Mädchen: Es ist viel schöner als die Mona Lisa.»Christoph Blocher

Das Gemälde ist eines von gut zehn Bildern, die er am 3. Februar mit in die reformierte Kirche Tal in Herrliberg nehmen wird. «Christoph Blocher zeigt Anker und Hodler», unter diesem Namen läuft die Veranstaltung, in deren Rahmen Bocher die Bilder vorstellen wird. «Ich predige aber nicht», betont er und fügt nicht ohne Schalk an: «Es ist grosszügig von Pfarrer Heit, dass er – nach Meinung vieler Kirchenleute – «so än verruckte Siech» wie mich in die Kirche lässt.» Ganz auf Gottes Wort müssen die Kirchgänger an diesem Samstag trotzdem nicht verzichten. Den Gottesdienst, von welchem Blochers Vortrag ein Teil ist, wird der Herrliberger Pfarrer Alexander Heit gestalten.

Den Pfarrer bekehrt

Heit war es auch, der die Idee für die Zusammenarbeit hatte. Im Rahmen der Kooperation 5+ der fünf reformierten Kirchgemeinden Herrliberg, Zollikon, Zumikon, Küsnacht und Erlenbach fragte er den SVP-Strategen – notabene Mitglied seiner Kirchgemeinde – für den Auftakt der Reihe «Art and Acts» an. Er sei bei Christoph Blocher eingeladen gewesen und habe da erstmals die Originale von Albert Anker und Ferdinand Hodler gesehen, erinnert sich der Theologe. «Ich kannte die Bilder nur von Postkarten und dachte, das seien langweilige Bilder aus dem 19. Jahrhundert.» Heute muss er schmunzeln, wenn er an diese Einschätzung, die er mittlerweile revidiert hat, zurückdenkt.

Heit ist nicht der einzige, den die Werke der beiden Schweizer Maler aus dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, in ihren Bann ziehen. «Wenn ich mit Leuten, die in Anker-Ausstellungen waren, über das Gesehene spreche, sind sie so berührt von den Werken, dass sie für deren Schönheit gar keine Worte finden», schildert Blocher die Wirkung der Gemälde. «Für mich ist dieses Bild ein Ausdruck der Gnade Gottes», sagt er mit Blick auf das «Bildnis eines Mädchens». Anker habe Freunden geschrieben, dass er mit seinen Gemälden zeigen wolle, dass die Welt nicht verloren sei.

Berühmter Schulspaziergang

Auf die Frage Alexander Heits, ob der religiöse Aspekt beim Kauf der einzelnen Bilder eine Rolle gespielt habe, erscheint ein verschmitztes Lächeln auf Blochers Gesicht, der sogleich verneint: «Ich kaufe alle meine Bilder, weil sie mir gefallen.» Für Heit ist es indessen ein wichtiger Aspekt, dass Religion und Kultur schon immer eng verbunden waren. «Sowohl Religion als auch das Schöne, Ästhetische, sind für die Menschen eine Unterbrechung des Alltags», sagt der Pfarrer.

«Ich kaufe alle meine Bilder, weil sie mir gefallen.»Chrsitoph Blocher

Schräg gegenüber von dem Mädchenportrait im Esszimmer der Familie Blocher hängt mit dem Schulspaziergang ein weiterer Klassiker von Anker. «Den nehme ich auf jeden Fall mit», sagt Blocher. Auf dem 1872 gemalten Bild ist eine Lehrerin zu sehen, die ihre Schülerschar durchs Berner Seenland spazieren führt. «Hier sieht man schön, wie Anker jede Person einzeln dargestellt hat», erklärt der 77-Jährige. Es gebe viele Bilder im Bild, die man erst entdecke, wenn man sich Zeit zum Betrachten nehme.

Mit Sicherheitsdispositiv

Blocher mag kein Kunsthistoriker, sondern Jurist sein, dass er sich intensiv mit den Gemälden beschäftigt hat, spürt man als Zuhörer allerdings sofort. Mit gut 500 Werken ist er einer der bedeutendsten Sammler Schweizer Maler um 1900.

Auch Hodler-Werke wird der Milliardär am 3. Februar näher erläutern. Von diesem Künstler möchte er allerdings keine Bilder von Menschen, sondern von Landschaften mitnehmen. «Anker hat sehr junge und sehr alter, aber kaum Menschen mittleren Alters dargestellt», sagt Blocher. Hodler hingegen habe die Menschen in heroischen Posen gezeigt – etwa den Holzfäller. Reizvoller findet der Sammler da die Bergbilder Hodlers. «Der Berg steht da, passiere, was wolle», beurteilt er das Gemälde «Der Grammont in der Morgensonne». Hodlers Berge seien ebenfalls Persönlichkeiten. Auch das Werk «Genfersee von Chexbres aus» steht für ihn in der näheren Auswahl für die Herrliberger Veranstaltung. Ganz genau weiss Blocher allerdings noch nicht, welche Bilder er präsentieren wird.

Einige Gemälde wie Ankers «Turnstunde in Ins», das wohl teuerste Anker-Bild der letzten Jahre, bleiben auf jeden Fall im blocherschen Anwesen hängen. «Das ist zu gross», sagt der Eigentümer kurz und knapp zu den Gründen. Er lässt es sich aber nicht nehmen, dieses und andere Gemälde mit Lichtbildern den Zuhörern vorzustellen. Für die Originale, die im Kirchenchor gezeigt werden, ist ein Sicherheitsdispositiv in Absprache mit der Polizei vorgesehen. Details dazu werden nicht bekannt gegeben. Aber ob die Kirche mit ihren gut 370 Plätzen überhaupt gross genug für den Anlass ist? «Wenn nicht, dann machen wir es einfach ein zweites Mal», sagt Blocher.

Samstag, 3. Februar 17 Uhr in der reformierten Kirche Tal, Herrliberg (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 16:27 Uhr

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