Küsnacht

Biogasprojekt unter Beschuss

Noch dampft die Kompostieranlage weit hinten an der Hesligenstrasse zum Himmel. Künftig soll in einer Halle Biogas entstehen. Beides sei schlecht, sagt der Quartierverein Allmend. Er will gar keine Anlage mehr dort haben.

In Küsnacht ist eine Biogasanlage nach dem Vorbild der Gäranlage Chrüzlen Oetwil (Bild) geplant. Das Projekt ist aber umstritten.

In Küsnacht ist eine Biogasanlage nach dem Vorbild der Gäranlage Chrüzlen Oetwil (Bild) geplant. Das Projekt ist aber umstritten. Bild: Archiv ZSZ

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Dass Gartenabfälle unter freiem Himmel zu Kompost verrotten, ist am rechten Seeufer nicht mehr allgemein üblich. In der Küsnachter Kompostieranlage ist es noch so. Der Gemeinderat Küsnacht zeigte sich darum durchaus positiv gegenüber der Idee, die heutige Kompostieranlage an der Hesligenstrasse zu ersetzen. Dort werden jährlich etwa 5000 Tonnen Grüngut zu Kompost verarbeitet.

Zuständig dafür ist seit 2006 die Maschinenring AG. Das ist ein bäuerliches und kleingewerbliches Netzwerk, das Maschinen und Arbeitskräfte vermittelt und Dienstleistungen für Gemeinden erbringt. Mit dem Maschinenring vernetzt sind bereits mehrere Biogasanlagen. Eine solche wäre nach den Plänen der Betreiber auch in Küsnacht möglich.

Holzschnitzel verbrennen

Biogasanlagen gibt es unter anderem in der Chrüzlen in Oetwil oder im Werdhölzli in Zürich. In Zürich wird das Biogas aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. In Oetwil treibt es einen Gasmotor an, der Strom erzeugt. Diese Energie geht ins Stromnetz. Die gleiche Verwendung des Gases ist auch in Küsnacht vorgesehen.

Die Abwärme des Gaskraftwerks soll per Fernwärmeleitung zum Heizen und zur Warm­wasserbereitstellung ausgeliefert werden. Aber der Maschinenring möchte noch mehr Wärme verkaufen. Im Grüngut, das Private und Gärtner anliefern, hat es viel Holz, und das eignet sich schlecht zum Kompostieren. Es soll in einer Hackschnitzelheizung verbrannt werden. Mit den Holzschnitzeln liessen sich im Wärmeverbund die saisonalen Schwankungen der Grüngutanlieferungen ausgleichen.

Diskussionspunkt Verkehr

Störende Gerüche seien von der neuen Anlage nicht zu erwarten, erklärt die Maschinenring AG. Das Grüngut würde in Zukunft in einer geschlossenen Halle gären, die Abluft würde gefiltert.

Die bestehenden offenen Komposthaufen bemängelt der Quartierverein Allmend in einer Eingabe an den Küsnachter Gemeinderat. «Wird der Kompost bei Ostwind bearbeitet, stinkt es in der Allmend; bei Westwind halt in Erlenbach.»

Der Geruch fermentierender Baumrinde ist allerdings nicht das Hauptthema. Der Quartierverein geht aufs Ganze und bezeichnet in seinem Schreiben den Standort generell als ungeeignet, sowohl für die bestehende wie auch für die geplante Anlage. Abfallverwertungswerke gehörten heute in Industriequartiere, moniert Lorenz Tschudi, der Präsident des Quartiervereins.

Er stört sich vor allem an den Fahrzeugen, welche Grüngut in die Anlage am Waldrand bringen und Kompost holen. «Unzählige Fahrten von eiligen Gärtnern durch das mit Tempo 30 ‹verkehrsberuhigte› Quartier» seien nötig, weil der Maschinenring immer mehr Gartenabfälle aus der Region kompostiere, schreibt Tschudi. Rund 50 Fahrten könnten das «an einem guten Tag» sein, präzisiert er auf Anfrage.

«Wir hatten nie eine negative Reaktion wegen der Transporte», kontert Martin Suter vom Maschinenring. «Als am Informationsanlass gesagt wurde, die Gärtner führen wie die Räuber, haben wir mit den nächsten Rechnungen einen Hinweis an die Anlieferer verschickt.» Auf einen Lastwagen pro Woche schätzt Suter den Mehrverkehr, der entstehen würde, wenn die Bewilligung erteilt wird und in der Anlage 1500 Tonnen zusätzlich verarbeitet werden. Heute sind es 5000 Tonnen pro Jahr.

Alternative am Wegrand

Als Alternative zur Biogasanlage empfiehlt der Quartierverein dem Gemeinderat die Feldrandkompostierung. Bei dieser Methode verrottet das Grüngut in lang gestreckten, bis etwa 1,5 Meter hohen Haufen auf landwirtschaftlichen Flächen entlang von Feldwegen.

Das «Merkblatt Feldrandkompostierung» des Bundesamts für Raumentwicklung sagt allerdings zur Nutzung von Flächen zur Feldkompostierung: «Als besonders kritisch gelten Hanglagen, bei denen der Aufbereitungsplatz leicht erhöht gegenüber der Wohnzone liegt. Es muss mit Kaltluftabflüssen gerechnet werden, bei denen Gerüche über mehrere Hundert Meter weit wahrgenommen werden können.» An der Goldküste dürfte also auch die Feldrandkompostierung Gegner finden.

Erstellt: 19.04.2016, 10:05 Uhr

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