Prozess

Bieridee könnte eine Stange Geld kosten

Zwei Wirte aus dem Bezirk Meilen sollen einem Dieb fast 2000 Liter Bier abgekauft haben. Dieser hatte es zuvor bei seinem Arbeitgeber, einer Getränkefirma, gestohlen. Büssen sollen nun aber auch die Käufer.

Vor dem Bezirksgericht Meilen ging es diese Woche um einen Bierbetrug. (Symbolbild)

Vor dem Bezirksgericht Meilen ging es diese Woche um einen Bierbetrug. (Symbolbild) Bild: Archiv Sabina Bobst

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Er erhoffte sich davon ein lukratives Geschäft: Der Chauffeur einer Getränkefirma zweigte von seinem Arbeitgeber Unmengen von Bier ab und verkaufte dieses unter der Hand weiter. Als der Diebstahl aufflog und der Angestellte verhaftet wurde, zeigte er sich geständig. Diese Woche stand aber nicht er für seine Tat vor dem Bezirksgericht. Angeklagt waren der Geschäftsführer eines Restaurants im Bezirk Meilen sowie sein Sohn.

Der verhaftete Chauffeur hatte nämlich im Verfahren die beiden Wirte angeschwärzt. Er behauptete, ihnen das gestohlene Bier weiterverkauft zu haben. Damit es niemandem auffiel, will er folgenden Trick angewendet haben: Zum einen belieferte er das Restaurant jeweils mit der ordentlichen Menge des bestellten Biers, die stets per Rechnung beglichen wurde. Zum anderen bot er den beiden Gastronomen das Diebesgut zu einem reduzierten Preis an, das sie jeweils in bar bezahlt haben sollen.

Nur vage Erklärungen

Der Sohn des Geschäftsführers, der im Restaurant als Kellner arbeitete und als inoffizieller Stellvertreter des Vaters galt, soll dem Dieb innerhalb von rund eineinhalb Jahren sieben Mal je vier Biertanks abgekauft haben, also 28 Stück. In einem Tank befinden sich 20 Liter Bier für den Offenausschank im Wert von 110 Franken. Der Sohn soll pro Tank aber nur 50 Franken bezahlt haben. Der Vater hat gemäss Anklageschrift vom Angestellten der Getränkefirma gar bis zu 17 Mal gestohlenes Bier bezogen und insgesamt 68 Tanks erworben. Angeblich wechselten so 1920 Liter Bier auf illegale Weise den Besitzer.

Die Staatsanwaltschaft klagte deshalb die beiden Wirte der Hehlerei an. Sie hätten aufgrund des tiefen Kaufpreises merken müssen, dass es sich um gestohlene Ware handelt, sagte sie. In zwei getrennten Verhandlungen, die unmittelbar nacheinander stattfanden, fühlte die Richterin am Montag den Beschuldigten auf den Zahn. Allzu viel brachte sie aus ihnen aber nicht heraus. «Das stimmt alles nicht», sagte der Sohn zu den Vorwürfen. «Der Mann lügt», sagte auch der Vater, der aus dem Nahen Osten stammt und an der Verhandlung auf einen Dolmetscher angewiesen war.

Auf die Frage der Richterin, weshalb sich denn der Lieferant der Getränkefirma eine solche Geschichte ausdenken sollte, fanden die beiden nur vage Erklärungen. Er habe von seiner Schuld ablenken oder jemand anderen decken wollen, mutmasste der Sohn. «Ein Dieb kann alles Mögliche behaupten», entgegnete wiederum der Vater. Die Richterin liess aber nicht locker. Sie machte die Beschuldigten darauf aufmerksam, dass der Getränkelieferant die leeren Tanks, die mit einem Depot belegt waren, jeweils wieder abholte. Pikant daran: Die Firma sagte aus, sie habe im besagten Zeitraum 117 Tanks mehr zurückgeholt, als sie geliefert habe. Das entspricht fast der fraglichen Menge gestohlenen Biers.

Kritik an der Getränkefirma

Auch hier mimten die beiden Beschuldigten die Ahnungslosen. Der Sohn gab stattdessen zu Protokoll, dass die Mitarbeiter der Getränkefirma ohnehin nicht über alle Zweifel erhaben seien. Eben erst im vergangenen Monat habe ihn ein anderer Mitarbeiter angesprochen, der ihm abgezweigtes Bier habe verkaufen wollen. «Was ist denn das für eine Firma, die solche Leute anstellt?»

Auf alle Fälle eine, die nun von den Wirten Schadenersatz von rund 6000 Franken fordert, wie an der Verhandlung bekannt wurde. Die Staatsanwaltschaft wiederum beantragt für den bereits dreifach vorbestraften Sohn eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 120 Franken, also 7200 Franken. Für den Vater, der gemäss Anklage mehr Diebesgut kaufte als der Sohn, fordert sie eine Busse von 2000 Franken sowie eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 90 Franken, also 8100 Franken. Die Geldstrafe würde jedoch für den bislang nicht Vorbestraften bedingt ausfallen.

Der Anwalt der beiden Beschuldigten, der an der Verhandlung nicht anwesend war, verlangte hingegen einen Freispruch. Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.05.2019, 17:11 Uhr

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