Meilen

Beschwingtes Kräftemessen

Am 60. Pfannenstiel-Schwinget verfolgten rund 1200 Zuschauer, wie sich die «Bösen» an den Zwilchhosen packten und aufs Kreuz legten.

56 Schwinger griffen an der 60. Pfannenstielschwinget zusammen.
Video: CA Media / David Gonzalez

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An Auffahrt ist es gestern auf dem Pfannenstiel angenehm warm. Die Sonne scheint auf die drei Sägemehlringe auf der Hochwacht. Die gut 1200 angereisten Fans des Nationalsports bevölkern im Sommerlook den Festplatz und die Terrasse des Ausflugsrestaurants. 56 Schwinger aus 12 Verbänden messen auf Biegen und Brechen ihre Kräfte.

Auch die kleine Schwinger griffen zusammen. Bild: roc

Die Athleten schenken sich nichts. Sie packen sich an der Zwilchhosen, fassen Tritt und greifen zusammen. Sie klammern, reissen, sie werden hochgestemmt und niedergedrückt. Mancher klatscht im Überwurf auf die Schultern, dass es stiebt, und schleicht bedrückt von dannen, während ihm der Sieger die Späne vom Rücken wischt.

Ritual der Einteilung

Fernab von den Schaulustigen hat das Kampfgericht aus den Reihen des Schwingklubs Zürichsee rechtes Ufer vor Beginn des Wettkampfs bestimmt, wer gegen wen zum Anschwingen antritt. Diese Einteilung ist schon fast ein Ritual im Ablauf eines Schwingfestes und wird sorgfältig ausgeführt. Anders als in anderen Sportarten treffen dabei die auf dem Papier stärksten Schwinger bereits in der ersten Runde aufeinander. Damit soll verhindert werden, dass früh eine Vorentscheidung fällt, die Spannung soll bis zum Schluss erhalten werden.

Die «Bösesten» unter den «Bösen» nehmen sich prompt gegenseitig Punkte weg. Das Duell zwischen den «Eidgenossen», dem Innerschweizer Reto Nötzli und dem Zürcher Oberländer Fabian Kindlimann, endet mit einem Gestellten, also unentschieden.

Der Dritte im Bunde der Kranzsieger an Eidgenössischen Schwingfesten, der Innerschweizer Alex Schuler, muss sogar eine Niederlage einstecken. Er verliert in einer weiteren Spitzenpaarung gegen den Winterthurer Mitfavoriten Samir Leuppi. «Der Gegner ist halt schon ein Brocken», sagt Schuler und zuckt mit den Achseln. Leuppi, der kürzlich das Zürcher Kantonale gewonnen hat, überragt mit seinen 1,94 m Körperlänge in der Tat das Feld der Hünen nochmals um einige Zentimeter, sein Kampfgewicht beträgt 141 Kilogramm.

Aufholjagd der Gastgeber

Die Hoffnungen der Gastgeber vom Schwingklub Zürichsee rechtes Ufer ruhen vor allem auf den Stäfner Nicola Wey und dem Feldbacher Shane Dändliker. Der Nachwuchs des Klubs schaut dem ersten Auftritt von Wey aufmerksam zu, um ihn schliesslich staunend zu fragen: «Hast du wirklich verloren?»

Sie können es kaum glauben, dass ihr Vorbild gegen den Innerschweizer Markus Effinger seiner Favoritenrolle nicht gerecht geworden ist. «Ich riskierte zu viel, dann hat er mich halt erwischt», befindet der achtfache Kranzgewinner an Kantonalfesten. Wey rehabilitiert sich umgehend, indem er Martin Schuler vom Schwingklub Zürichsee linkes Ufer platt auf den Rücken bodigt, was ihm die Höchstnote 10 einträgt.

Samir Leuppi stellte seine gute Form unter Beweis und gewann das Pfannenstiel-Schwinget. Bild: roc

Auch Shane Dändliker schwingt zunächst verhalten und muss sich gegen den St. Galler Damian Ott mit einem Gestellten begnügen. «Ich wusste, wie er zieht, er wusste das Gleiche von mir, da passierte nicht viel», lautet seine Einschätzung. Danach beginnt der Kranzsieger des Nordostschweizer Teilverbandsfests 2018 einen Siegeszug, der ihn auf den Notenblättern immer weiter nach vorne bringt. Hätte es am späteren Nachmittag im Schlussgang zwischen Samir Leuppi und Reto Nötzli keinen Sieger gegeben, wäre Shane Dändliker sogar zum Sieger des 60. Pfannenstiel-Schwinget ausgerufen worden.

Geld statt Rind

Aber Leuppi besiegt seinen Widersacher nach gut 5 Minuten mit Kurz und Nachdrücken. Der Lebendpreis, das Rind Caramel, gehört ihm. Der Mitarbeiter bei der Transportpolizei der SBB entscheidet sich aber für den Gegenwert von Caramel in Schweizer Franken. Shane Dändliker erreicht schliesslich den zweiten Platz. Und auch seine Klubkollegen schneiden hervorragend ab: Michael Buchmann wird Vierter, Wey holt sich den siebten Rang und Hansheinrich Dändliker, der Cousin von Shane, belegt zum Schluss den neunten Platz.

Erstellt: 31.05.2019, 07:50 Uhr

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