Zürichsee

Felchenflaute im Zürichsee zwingt Berufsfischer zum Handeln

Die Berufsfischer vom Zürichsee durchleben harte Zeiten. Die Fangerträge des Felchen brechen ein. Nun soll das Albeli die Rolle des Brotfisches übernehmen. Doch das hängt von einer neuen Netzart ab, die erst bewilligt werden muss.

Das Albeli könnte eine Fangalternative zum Felchen werden, um die Existenz der Berufsfischer am Zürichsee längerfristig zu sichern.

Das Albeli könnte eine Fangalternative zum Felchen werden, um die Existenz der Berufsfischer am Zürichsee längerfristig zu sichern. Bild: zvg/Amt für Fischerei Luzern

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Schon 2016 war für die Berufsfischer ein miserables Jahr. Der Gesamtertrag im Zürichsee/Obersee ging gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel auf 188 Tonnen zurück. 2017 werden die Zahlen nochmals tiefer liegen. Das zeigte die Generalversammlung des Regionalverbands der Berufsfischer Zürich- und Walensee (RBZW), die am Mittwochabend in Uznach stattfand.

Im Jahresbericht von Präsident Adrian Gerny (Zürich-Wollishofen) heisst es: «Die Erträge sind noch einmal gesunken, was für viele Berufsfischer kaum zu glauben war und sie vor grosse finanzielle Probleme stellte.» Die Berufsfischer seien wegen der extremen Blaualgenbestände bezüglich Netzaufwandes und finanziellen Ressourcen an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt.

Zwergfelchen soll es richten

Besonders das Felchen ist rar geworden. Der einstige Brotfisch wird zum Sorgenkind der Berufsfischer. Ob das mit der Klimaerwärmung und fehlender Umwälzung des Seewassers zu tun hat, was wiederum die giftige Burgunderblutalge fördert, ist noch unbewiesen. «Wir tappen im Dunklen», sagte Michael Kugler vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei an der Versammlung.

Die Berufsfischer wüssten, wie sie einen Ausweg aus der Krise fänden. Sie wollen vermehrt Albeli fangen. Diese gehören wie die Felchen zu den lachsartigen Fischen der Gattung Coregonus. Allerdings leben sie in wesentlich tieferem Wasser (35 bis 50 Meter) als die Felchen und werden mit durchschnittlich 20 bis 25 Zentimetern Länge kaum halb so lang wie der artverwandte grosse Bruder. Darum werden Albeli auch Zwergfelchen genannt.

Engere Maschen im Netz

Die Menge könnte den Verlust ausgleichen. «Wir haben heute im Zürichsee einen sehr guten Bestand an Albeli», sagte Präsident Gerny. «Aber mit den heutigen Gerätschaften können wir sie nicht gezielt nutzen, mit unseren Netzen ist ein Zugriff auf Albeli unmöglich.»

Deshalb stellte der Präsident der Versammlung einen Antrag vor. Die Berufsfischer sollten in Zukunft Schwebenetze mit einer Maschenweite von 30 Millimetern verwenden dürfen. Durch die heute für Felchen eingesetzten Netze, die mindestens 32 Millimeter Maschenweite aufweisen, schlüpfen die Albeli durch. Dass mit engmaschigeren Netzen eher kleinere Albeli gefangen werden, sei durchaus beabsichtigt. Wenn der Bestand dezimiert werde, könnten die restlichen Albeli beim vorherrschenden knappen Nährstoffangebot im See wieder besser wachsen.

Erst Testfänge, dann reden

Die Versammlung unterstützte den Vorstand. Dieser wird nun einen Antrag zuhanden der kantonalen Fischereiaufsichten ausarbeiten. Adrian Gerny bremst die Erwartungen. «Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, es braucht Testfänge, die ausgewertet werden müssen.» Dann würden Gespräche mit den Fischerei- und Jagdverwaltungen der Kantone Zürich, St. Gallen und Schwyz folgen. «Bis zum Antrag dauert es ein bis zwei Jahre», sagte der Präsident. Er hält aber am Vorsatz fest: «Grundsätzlich wollen wir langfristig das Albeli gezielt nutzen, weil es unsinnig ist, wenn jedes Jahr x Tonnen von diesem ausgezeichneten Speisefisch im See absterben.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.01.2018, 14:39 Uhr

Viel weniger Fische in Schweizer Gewässern

Zu wenig Nährstoffe in den Seen

Reto Leuch ist Verbandspräsident der rund 250 Berufsfischer in der Schweiz. Der Thurgauer kennt die Situation bezüglich Fischbestand in den Seen. «Jeder See ist zwar anders aber grundsätzlich leiden alle unter Nährstoffmangel. Und das heisst wiederum weniger Ertrag für die Fischer.»
Ende der Siebzigerjahre enthielt etwa ein Liter Bodenseewasser noch 85 Milligramm Phosphor. «Heute sind es 5 Milligramm», sagt Leuch. Der Zürichsee sei bis in 50 Meter Tiefe praktisch phosphorfrei. «Der erste Fisch, der fehlt, ist der Egli», erklärt Leuch, «und jetzt brechen auch die Felchenbestände zusammen.» Von einem «zu sauberen See» zu sprechen, lehnt der Verbandspräsident allerdings ab: «Dafür sind zu viele Stoffe im Wasser, die nicht rein gehören.» (di)

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