Post

Bericht zum Poststellennetz lässt Gemeinden weiter hoffen

Die postalische Grundversorgung soll differenzierter sichergestellt werden als heute. Eine Arbeitsgruppe schlägt dem Bundesrat vor, die Erreichbarkeit einer Poststelle neu zu bestimmen. Für die Gemeinden am Zürichsee, die um ihre Post kämpfen, lässt der Bericht alle Optionen offen.

Auf der Gewerbetafel des Zentrums Riedsteg in Uetikon nimmt die Post einen prominenten Platz ein. Ob das so bleibt, ist allerdings ungewiss.

Auf der Gewerbetafel des Zentrums Riedsteg in Uetikon nimmt die Post einen prominenten Platz ein. Ob das so bleibt, ist allerdings ungewiss. Bild: Manuela Matt

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Jetzt beginnt das Rätselraten in Uetikon, Kilchberg, Benken und Gommiswald. Sind es gute oder schlechte Nachrichten, die eine Arbeitsgruppe mit ihrem Bericht im Auftrag des Bundes zur postalischen Grundversorgung liefert? Spricht die Analyse für oder gegen den Erhalt der Poststelle im Dorf?

Im letzten Herbst kündigte die Post an, Filialen aufgrund nachlassenden Publikumsverkehrs zu schliessen. Es geht schweizweit um einen Abbau von derzeit rund 1400 auf 800 bis 900 Poststellen. Wegen des Protest der Gemeinden berief das Departements Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Arbeitsgruppe ein.

In 20 Minuten erreichbar

Die Arbeitsgruppe rät in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht unter anderem, die bestehenden Erreichbarkeitsvorgaben zeitlich und räumlich anzupassen. Heute müssen 90 Prozent der Wohnbevölkerung innert 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr eine Poststelle oder Agentur erreichen können.

«Für mich ist der Bericht ein kleiner Lichtblick.»
Urs Mettler, Gemeindepräsident (parteilos) in Uetikon

Neu sollen auch Dienstleistungen für Barzahlungen innerhalb von 20 Minuten erreichbar sein. Bisher sind 30 Minuten vorgeschrieben. Zudem soll die Post in städtischen Gebieten pro 15 000 Einwohner oder Beschäftigte mindestens eine bediente postalische Stelle betreiben.

Mehr Kritierien für Postnetz

Diese Vorgaben sind noch kein Hoffnungsschimmer für die vier Gemeinden aus der Region Zürichsee, die um ihre Post kämpfen. Denn die Erreichbarkeit innerhalb von 20 Minuten und pro 15 000 Einwohner bezieht sich laut dem Bericht auf «Poststelle oder Agentur». Zudem würden 20 Minuten auch für den Weg zur Post im Nachbardorf genügen.

Mehr Hoffnung macht der Vorschlag der Arbeitsgruppe, die Messmethode zum Erhalt oder Kürzung des Poststellennetzes um zusätzliche Kriterien zu verfeinern. Sie schlägt vor, für die Definition der postalischen Grundversorgung auch die Bevölkerungsdichte und Siedlungsstruktur, die Wirtschaftsstruktur oder die Entwicklungsperspektiven sowie Planungen einer Stadt oder Gemeinde einzubeziehen.

Kilchberg kämpft weiter

Darauf stützt sich Urs Mettler, Gemeindepräsident (parteilos) in Uetikon. «Positiv ist, dass erkannt wurde, dass die Messmethoden bezüglich der Erreichbarkeit einer Poststelle in der Arbeitsgruppe als verbesserungswürdig erkannt sind.» Besonders wichtig sei für Uetikon, dass auch die Entwicklungsperspektiven und die Planung der Gemeinde vermehrt einbezogen werden sollen, wenn es um die Versorgung mit Postdiensten geht. «Als zukünftige Standortgemeinde eines Gymnasiums ist das vielleicht ein gutes Zeichen für uns.»

In Gommiswald und Benken wurden am Mittwoch noch keine Stellungnahmen zum Bericht der Arbeitsgruppe abgegeben. Der Kilchberger Gemeindeschreiber Daniel Nehmer sagt: «Im Grundsatz überrascht uns der Inhalt des Berichts nicht.» Weil dieser noch keine Entscheidung bringe, «werden wir weiterhin für den Erhalt der Poststelle Kilchberg einstehen und mit den Verantwortlichen der Post nach Lösungen suchen». Der Gemeindeschreiber schätzt den Bericht auch lediglich als Empfehlung an den Bundesrat ein. Nehmer sagt aber: «Wir erachten diese Situation nicht als eine verschlechterte Ausgangslage.»

So sieht es auch Urs Mettler. «Für mich ist der Bericht aber ein kleiner Lichtblick, denn er hält fest, dass wir keine Randregion sind. Wir warten ab und bleiben auf stand-by.»

Mehr Auflagen für Agenturen

Einen konkreten Vorschlag enthält der Bericht der Arbeitsgruppe. Der Post sollen strengere Auflagen gemacht werden, wenn sie ihre Dienstleistungen an Agenturen wie Dorfladen, Kiosk oder Supermarkt delegiert. Dann müsse sie dort für eine «bedarfsabhängige» Ausbildung des Personals sorgen. Die Post sei verantwortlich für «Massnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der Agenturlösung». Die Arbeitsgruppe fordert zudem «grundsätzlich das gleiche Angebot in den Agenturen wie in den Poststellen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.05.2018, 16:30 Uhr

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