Stäfa

Beim Stäfner «Treffpunkt» geht eine Ära zu Ende

1996 hat Hans Jörg Hämmerle das erste Exemplar des Gewerbemagazins «Treffpunkt» herausgegeben. Per Anfang Jahr hat er den gleichnamigen Verlag mitsamt dem Produkt verkauft. Ein Porträt über den Mann hinter dem «blauen Heftli».

Auf Du und Du mit dem Gewerbe: Hans Jörg Hämmerle pflegte in den letzten Jahrzenten den Kontakt mit seinen Kunden, hier im Stäfner Gasthof Krone.

Auf Du und Du mit dem Gewerbe: Hans Jörg Hämmerle pflegte in den letzten Jahrzenten den Kontakt mit seinen Kunden, hier im Stäfner Gasthof Krone. Bild: Manuela Matt

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Als der «Treffpunkt» erstmals im Oktober 1996 erschien, handelte es sich um eine Werbebroschüre für das lokale Gewerbe mit 24 Seiten. Inzwischen ist aus dem Heft mit dem auffallend blauen Titelblatt und dem gelben Logo ein Informations- und Unterhaltungsmagazin geworden, das im Schnitt 52 Seiten zählt. Und deckt eine Region ab, die von Stäfa über Meilen bis Grüningen und Egg reicht.

Das «blaue Heftli», wie der Treffpunkt von der Leserschaft auch genannt wird, gelangt achtmal im Jahr gratis in die Haushalte von elf Gemeinden und liegt in verschiedenen Geschäften auf. «Entgegen einer weit verbreiteten Meinung erhalten wir keine finanzielle Unterstützung weder von der Gemeinde noch vom Gewerbeverein», stellt Hans Jörg Hämmerle klar.

Kein Hochglanzheft

Hämmerle ist das Gesicht hinter dem «Treffpunkt». Der Gründer und bis Ende 2018 der Herausgeber des Magazins betreibt seit 35 Jahren die Werbeagentur Sensor Marketing AG in Stäfa, wo er auch wohnt. Dort treffen wir den 74-jährigen Kommunikationsprofi bei einem Espresso im Café Chatterbox, das er noch vor wenigen Monaten im Treffpunkt anlässlich der Eröffnung in Wort und Bild vorgestellt hat. Es liegt ihm daran, seine Inserenten auch privat zu berücksichtigen, ob bei einem Essen im Restaurant oder beim Einkauf oder der Wahl eines Handwerkers. «Es gibt in der Umgebung wohl kein Geschäft, das ich nicht kenne und über das ich nicht berichtet habe», meint er und fügt unbescheiden bei: «Man hört nur Positives über den Treffpunkt, obwohl es kein Hochglanzprodukt ist.»

«Ich war vom Konzept so überzeugt, dass ich beschloss, die Realisierung auf eigene Faust zu übernehmen.»Hans Jörg Hämmerle

Seine Stärke sei, dass er stets das Lokale und den Kontakt zu den Kunden gepflegt habe und daher wisse, worauf es ankomme. Das goutierten die Gewerbetreibenden offenbar: Hämmerle war fünfmal im OK der Expo Stäfa für die Werbung zuständig und berichtete darüber im «Treffpunkt».

Schwarze Zahlen ab 2003

Anfänglich hat er das Heft dank seiner Werbeagentur, mit der ihm die nötige Infrastruktur sowie versierte Mitarbeitende zur Verfügung standen, querfinanziert und während den ersten Jahren Geld draufgelegt. Doch ab dem siebten Jahr habe er schwarze Zahlen geschrieben. «Ich habe immer daran geglaubt», sagt er und schweift zu den Anfängen der Idee ab, die Mitte der 1990er Jahre entstand.

Den Anstoss gaben einige Stäfner Gewerbetreibende, allen voran Ladenbesitzer. «Mit dem Einzug des Goethezentrums 1994 bangten sie um ihre Kundschaft.» Ein Werbeträger mit einem Verbreitungsgebiet rund um den Pfannenstiel schwebte ihnen vor und so beauftragten sie den Werbefachmann, ein Konzert zu entwickeln.

Der richtige Mann

Dass sie mit Hans Jörg Hämmerle den richtigen Mann angesprochen haben, stellte sich erst im Nachhinein heraus. Denn der aus Rorschach stammende Werbeprofi ist auch Journalist. Mit der Typografenlehre, während der er auch die Kunstgewerbeschule in St. Gallen besuchte und dort Einblicke in Werbung, Grafik sowie Journalismus erhielt, verschaffte er sich eine optimale Basis für die spätere Treffpunkt-Herausgabe. Seine Sporen als Journalist, wie er sagt, hat er in einer Lokalzeitung und anschliessend bei Ringier als «Blick»-Reporter abverdient.

«Ich war jedoch vom Konzept so überzeugt, dass ich beschloss, die Realisierung auf eigene Faust zu riskieren.»Hans Jörg Hämmerle

Zurück zum «Treffpunkt»: Als Hämmerles Konzept mit einem Gestaltungslayout und Vorschlägen für textliche Inhalte vorlag – ein reines Inseratenheftli hätte seiner Meinung nach kaum Beachtung bei den Lesern gefunden - fehlte den Auftraggebern dann doch das Geld. «Ich war jedoch vom Konzept so überzeugt, dass ich beschloss, die Realisierung auf eigene Faust zu riskieren.»

Von Anfang an gab es den Wettbewerb, diverse Kurse, die Rezeptseite und die Autoseiten. Viele Neuzuzüger, weiss Hämmerle zu berichten, würden den Treffpunkt darum schätzen, weil sie über das Angebot von Fachgeschäften orientiert werden. Was den Treffpunkt von anderen Werbeträgern abhebt, ist zudem, dass darin auch über das kulturelle Programm aus der Region informiert wird. Auf einer Doppelseite können Veranstalter gar kostenlos ihre Anlässe publik machen.

Käuferschaft steht fest

Jetzt will der Magazin-Gründer kürzer treten. Das Rentenalter habe er ja bereits überschritten. Schon nach dem 20-Jahr-Jubiläum hat er mit der Nachfolgeplanung begonnen. Die Käuferschaft steht fest. Hans Jörg Hämmerle stellt sie in der ersten Treffpunkt-Ausgabe von diesem Jahr gleich selber vor.

In seinem letzten von insgesamt 162 Editorials, mit dem er seine Leserschaft jeweils auf Seite 3 begrüsste, hat er sich von Lesern und Inserenten verabschiedet. Damit ist eine Ära zu Ende gegangen. Hämmerle freut sich nun, in Zukunft vermehrt das Leben geniessen und Zeit mit seiner Frau in der Zweitwohnung am Bodensee verbringen zu können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.01.2019, 13:50 Uhr

Illustre Käuferschaft aus Stäfa

Unter den neuen Besitzern sind Behördenvertreter

Die Namen der Käufer des «Treffpunkt» lassen aufhorchen, allen voran Gemeindepräsident Christian Halter (FDP), Kantonsrat Peter Vollenweider (FDP) und Gemeinderätin Ursula Traber (CVP). Zu den neuen Besitzern zählen zudem Treuhänder Christian Schnell und Roman Weber, Inhaber der gleichnamigen Heizungs- Sanitärfirma.Alle stammen aus Stäfa.

«Das ist ein privates Investment, weil ich der Überzeugung, dass es den Treffpunkt auch in Zukunft für unsere Region braucht», sagt Haltner auf die Frage, warum er Mitinhaber des Verlages wird. Der «Treffpunkt» sei ein Heft, das in den Haushaltungen der Region gelesen werde.

Eine Vermischung mit seiner Rolle als Gemeindepräsident sieht Haltner nicht. Der «Treffpunkt» sei kein Publikationsorgan der Gemeinde. Die Wahrnehmung von Hans Jörg Hämmerle, dass viele von einer finanziellen Beteiligung der Gemeinde ausgehen (siehe Text oben), teilt Haltner nicht. «Die Bevölkerung weiss, dass der Treffpunkt weder öffentliche Gelder erhält noch Publikationsorgan der Gemeinde Stäfa ist.»

Vom Gemeindepräsidenten soll im «blauen Heftli» künftig wie im bisherigen Rahmen zu lesen sein. Eine inhaltliche Neuausrichtung scheint kein Thema zu sein. «Der Treffpunkt ist in der Region erfolgreich verankert. Unser Ziel ist es, dass dies auch in Zukunft so ist und die Leserinnen und Leser Freude am Lesen des Treffpunkts haben», sagt Haltner dazu. Tatsächlich ist für Kontinuität gesorgt: Neue Chefredaktorin des Hefts wird Daniela Bahnmüller. Sie hat hat bislang zusammen mit Hans Jörg Hämmerle das Redaktionsteam gebildet.

Das Magazin mit dem markanten blauen Titelblatt gelangt achtmal im Jahr gratis in die Haushalte von elf Gemeinden.

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