Kultur

«Bei uns gelangt Musik ins Publikum, kein Lärm»

Muss man in der Region bald auf Konzerte verzichten? Die Veranstalter geben sich zurückhaltend. Die Pläne des Bundes erachten sie als unnötig. Doch wie stark der Einfluss auf das Programm sein wird, ist schwierig abzuschätzen.

Ob Züri West mit Sänger Kuno Lauener in Zukunft noch in der Region spielen werden, ist aufgrund der Pläne des Bundes fraglich.

Ob Züri West mit Sänger Kuno Lauener in Zukunft noch in der Region spielen werden, ist aufgrund der Pläne des Bundes fraglich. Bild: André Springer

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Treibt der Bund die Musikszene in den Ruin? Teure Aufnahmegeräte sollen angeschafft werden und jede Veranstaltung im Voraus angemeldet werden. Viele Clubbetreiber und Musiker befürchten, dass steigende Kosten in Zukunft gewisse Konzerte verunmöglichen werden. Den Beteuerungen des Bundes, dass keine Mehrkosten entstehen, schenken sie keinen Glauben. In der Region sind die Reaktionen auf die Revision der Lärmschutzverordnung differenziert. Das Rössli in Stäfa hat gerade die Music Days hinter sich.

Ob Grössen der Szene, wie zuletzt Züri West, weiterhin auftreten können, stehe in den Sternen, sagt Michael Späth vom Verein Kulturkarrussell Rössli. Das Budget des Rössli sei knapp, jede Verteuerung unwillkommen. Er nennt die Pläne des Bundes unnötig und kompliziert, verliert aber nicht den Humor. «Wir achten darauf, dass kein Lärm, sondern Musik ins Publikum gelangt», sagt er. Einige Vorgaben erfüllt das Rössli schon heute, etwa die Abgabe von Gratis-Ohrstöpseln.

Dass es eine Regelung gibt, findet Späth gut, Handlungsbedarf kann er aber keinen erkennen. Sollte ein externer Tontechniker die Musik zu laut abmischen, können die Verantwortlichen, vertraglich abgesichert, eingreifen. Die richtige Lautstärke bei Konzerten sei ein grosser Aufwand. Das unverstärkte Schlagzeug sei am lautesten, die anderen Instrumente müssten entsprechend angepasst werden, so Späth. Nicht zu vergessen: Der Lautstärkepegel im Publikum überschreite oft den auf der Bühne. Auch das müsse beim Abmischen der Konzerte berücksichtigt werden.

Steigender Aufwand

Mehr administrativen Auwand befürchet Patric Weingarten, Geschäftsührer der Alten Schule in Horgen. Etwa dadurch, dass jede Veranstaltung angemeldet werden muss. Die Alte Schule ist Pächter, das Gebäude gehört der Gemeinde Horgen. Weingarten geht darum davon aus, dass allfällige Kosten, zum Beispiel für das Messgerät, zumindest geteilt werden können. Wie stark die Alte Schule von den Änderungen betroffen sein wird, sei noch schwierig abzuschätzen, meint Weingarten. In der Regel findet pro Monat eine Veranstaltung wie ein Open Jam oder ein Konzert statt. Sollte die Gemeinde die anfallenden Kosten übernehmen, würden sich die Folgen in Grenzen halten.

Etwas überrumpelt sind die Betreiber beliebter Hochzeitsplätze. zumindest für die Musikszene ist aber klar, dass die Änderungen beim Lärmschutz auch sie betreffen. Schliesslich legt ein DJ auch an der Feier am «schönsten Tag» häufig auf. Also müsste ein Messgerät vorhanden sein, das die Lautstärke aufzeichnet.

Bloss Gastgeber

Hans Reichling von der Moschti Stäfa betont, dass man bloss Gastgeber sei, nicht Veranstalter. «Wir haben keinen Einfluss auf Verträge oder mitgebrachtes Equipment», sagt er. Die Lautstärke der hauseigenen Musikanlage müsse nicht überwacht werden. «Möglicherweise müssten wir unsere Gäste vertraglich als Veranstalter bezeichnen», meint Reichling. Diese müssten darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie die Vorschriften einhalten müssen und bei Widerhandlung verantwortlich sind.

Fabian Schnyder, Geschäftsführer der Schloss Rapperswil Gastro GmbH, sagt, dass die Betreiber sich als Gastronomen auf die kulinarische Dienstleistung fokussieren. Für das Rahmenprogramm seien DJ und Bands zuständig, welche mit ihrem eigenen Equipment arbeiten würden.

Wie die Revision umgesetzt wird, ist noch offen. Die Branche ist nach der ersten Aufregung vom Bund zu Gesprächen eingeladen worden.

Erstellt: 19.09.2018, 17:54 Uhr

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