Stäfa

Bei der Bewertung von Polizisten ist Vorsicht geboten

Ein Polizist der Kantonspolizei Zürich hat Anzeige erstattet, weil er auf Google negativ bewertet wurde. Die Polizei betont: Rückmeldungen seien gewünscht, es gebe aber bessere Kanäle dafür.

Eine Frau fühlte sich von einem Kantonspolizisten schlecht beraten und verschaffte ihrem Ärger im Internet Luft.

Eine Frau fühlte sich von einem Kantonspolizisten schlecht beraten und verschaffte ihrem Ärger im Internet Luft. Bild: PD/Google Street View/Kapo ZH

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Bewertungen im Internet gehören zum Alltag: Essen im Restaurant, neu gekaufte Produkte oder Dienstleistungen – für alles kann man auf Google oder Facebook Sterne vergeben. Aufpassen muss allerdings, wer die Polizei im Internet bewertet, wie ein Fall aus Stäfa zeigt.

Eine Frau wollte wegen eines Vorfalls Anzeige erstatten und erkundigte sich Ende des vergangenen Jahres telefonisch bei der Kantonspolizei in Stäfa, wie der Blick am Freitag berichtete. Ein Polizist beschied der Frau, sie müsse für eine Anzeige persönlich auf dem Posten erscheinen. Als die 28-Jährige allerdings den Posten aufsuchte, war dieser geschlossen. Am nächsten Tag, beim nächsten Versuch, beschied ihr der Polizist, die Frist für eine Anzeige sei abgelaufen. Erbost über die Reaktion und den Aufwand den sie hatte, verfasste die Frau auf Google eine Bewertung. Der Polizist, den sie namentlich nannte, arbeite «sehr unprofessionell», schrieb sie unter anderem und bewertete die Leistung mit einem von fünf Sternen. Was dann geschah, überraschte die Frau. Laut dem Blick erstattete nämlich der betroffene Kantonspolizist Anzeige wegen Ehrverletzung und übler Nachrede.

Auf der Google-Site der Kantonspolizei Stäfa hinterliess die 28-Jährige die 1-Sterne-Bewertung. Bild: Screenshot.

Anzeige zurückgezogen

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung den geschilderten Sachverhalt, will dem Artikel der Boulevardzeitung aber nichts mehr beifügen. Dort liess die Kantonspolizei ausrichten, man bedaure den Vorfall. «Es entspricht nicht unserer Haltung, bei Kritik Anzeige zu erstatten.» Nach der Recherche wurde die Frau von der Kantonspolizei in Stäfa kontaktiert. Der Postenchef hat sich bei der Frau entschuldigt, der betroffene Polizist zog seine Anzeige zurück. Allerdings hat seine Anzeige dennoch Konsequenzen – allerdings für ihn selbst. Der Polizist arbeitet nicht mehr in Stäfa und wurde an eine Stelle ohne direkten Bürgerkontakt versetzt.

Negative Bewertungen der Polizeiarbeit sind auf Social Media und bei Google fast schon Alltag. Der Kantonspolizei-Posten in Meilen wurde etwa von einem User mit einem Stern bewertet. Seine Begründung: «Achtung, sehr junge Polizisten müssen hier wohl ihr Soll an Anzeigen aufpolieren.» Der Mediendienst der Kantonspolizei Zürich beobachtet die Einträge, wie Mediensprecherin Rebecca Tilen sagt. «Bei schlechten Bewertungen fragen wir nach, was genau vorgefallen ist.» Bei guten Rückmeldungen – die auf den Plattformen ebenfalls in grosser Zahl zu finden sind, bedanke man sich. Tilen betont: «Polizeiarbeit darf man kritisieren oder diese schlecht bewerten.» Wenn man sich aber wirklich über das Verhalten eines Polizisten oder einer Polizistin beschweren möchte, sei es für die Polizei aber einfacher, wenn man sich mit Details zum Vorfall per Brief oder E-Mail an den zuständigen Rechtsdienst wende. «Dann ist auch sichergestellt, dass der Fall genau angeschaut wird.»





Erstellt: 17.01.2020, 14:41 Uhr

«Namensnennungen sind generell heikel»

Was ist in online-Kommentaren erlaubt und was nicht? Wie Rechtsanwalt und Internetexperte Martin Steiger auf Anfrage sagt, ist im Umgang mit Bewertungsplattformen in erster Linie das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb zentral. Demnach dürfen Kommentare nicht unrichtig, irreführend oder unnötig verletzend sein. Dazu gehöre auch, dass Internet-Nutzer nur über Sachverhalte schreiben, die sie tatsächlich erlebt haben. «Eine Bewertung, die aus Rache passiert und nicht auf einer persönlichen Erfahrung beruht, ist daher widerrechtlich», sagt Steiger.

Wer einzelne Personen oder Mitarbeiter eines Unternehmens an den Pranger stellt, läuft Gefahr, gegen das Recht auf Persönlichkeitsschutz zu verstossen. Es sei denn, ein überwiegendes öffentliches Interesse kann geltend gemacht werden. Laut Steiger sei dies bei der Bewertung von Unternehmen oder Dienstleistern aber in den allermeisten Fällen nicht gerechtfertigt. «Daher sind Namensnennungen generell heikel.» (Annina Just)

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