Privatschulen

Bei den Privatschulen gibt es einen Stadt-Land Graben

In den Bezirken Meilen und Horgen gibt es nicht nur überdurchschnittlich viele Privatschulen, auch deren Ausrichtung unterscheidet sich von jenen in anderen Regionen.

An der Inter Community School in Zumikon wird auf Englisch unterrichtet und die Schüler können das International Baccalaureate ablegen.

An der Inter Community School in Zumikon wird auf Englisch unterrichtet und die Schüler können das International Baccalaureate ablegen. Bild: Archiv Reto Schneider

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Schweizweit besuchten in den letzten Jahren im Schnitt 4 bis 5 Prozent der schulpflichtigen Kinder eine Privatschule. Zwischen den Kantonen gibt es dabei grosse Unterschiede. In den Bezirken Horgen und Meilen besuchen im Schuljahr 2018/2019 jeweils mindestens 1200 Kinder eine private Bildungsanstalt. Im St. Gallischen Wahlkreis See-Gaster starteten dagegen nur knapp 200 Privatschüler in das neue Schuljahr.

Doch nicht nur die Privatschülerzahlen sind in Zürich viel höher als in St. Gallen, es gibt auch mehr Privatschulen. Von den insgesamt 173, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe, sind 29 rund um den See angesiedelt. Mit total 18 Privatschulen ist der Bezirk Meilen Spitzenreiter. Horgen folgt dicht auf mit deren zwölf.

Fremdsprachen am Zürichsee

«Es ist tatsächlich so, dass wir rund um den See sehr viele Privatschulen haben. Nur in Zürich und in Winterthur ist die Zahl noch grösser», sagt Marion Völger, Amtschefin des Zürcher Volksschulamts. Charakteristisch für die zwei Bezirke ist die grosse Anzahl fremd- und zweisprachiger Privatschulen. Rund die Hälfte unterrichtet einen Teil oder sogar alle Lektionen in Englisch. Marion Völger erklärt sich das vor allem durch die demografische Zusammensetzung der zwei Bezirke: «Rund um den See leben die meisten Expats. Deren Kinder machen gerade in den fremdsprachigen Schulen den Grossteil der Schüler aus.»

Ein Indiz dafür ist, dass viele Privatschulen und Kindergärten zweisprachig oder sogar nur auf englisch unterrichten. Dies ist insbesondere im Bezirk Meilen zu beobachten. Auf Englisch wird der Unterricht etwa in der Inter-Community School in Zumikon abgehalten, die als einzige im Bezirk eine Ausbildung vom Kindergarten bis zum Abschluss anbietet. Da sie im Jahr 1960 gegründet wurde, ist sie auch eine der älteren Privatschulen im Kanton. Auffällig ist, dass die Schulen, die ganz oder teilweise fremdsprachig unterrichten, näher zur Stadt Zürich liegen. Eine Ausnahme ist die Swiss International School in Männedorf.

Privatschulen und -kindergärten finden sich allerdings über den ganzen Bezirk verteilt. Die meisten gibt es in Küsnacht und Stäfa mit je vier Einrichtungen. Keine privaten Bildungseinrichtungen gibt es in Erlenbach, Herrliberg, Uetikon und Oetwil.

Religion am Obersee

Von den insgesamt 30 Privatschulen im Kanton St. Gallen befinden sich nur vier im Wahlkreis See-Gaster. «Bei der Verteilung dieser Schulen zeigt sich, dass die Nachfrage nach Privatschulen auch eine Stadt/Land Frage ist», sagt Jürg Müller, Leiter der Abteilung Aufsicht und Schulqualität beim Volksschulamt St. Gallen. Die meisten Privatschulen befinden sich in und rund um die Stadt St. Gallen. Es sei natürlich nicht ausgeschlossen, dass auch Schüler aus dem Linthgebiet in Privatschulen anderer Regionen beschult werden. Auffällig ist, dass zwei der vier Privatschulen einen christlichen Hintergrund haben.

Eine davon ist die Impulsschule, ein Mädcheninternat in Rapperswil-Jona. Das dazugehörige Kloster Mariazell Wurmsbach gründete die Schule 1843. Mit der der Domino Servite Schule aus Kaltbrunn, auch eine Schule mit christlichem Hintergund, hätten sie nichts zu tun, erzählt Schwester Andrea, die Leiterin der Impulsschule. «Wir können auch nicht feststellen, dass hier die Nachfrage nach einer Schule mit christlichen Werten grösser ist als in anderen Regionen. Unsere rund 50 Schülerinnen kommen aus der gesamten Deutschschweiz, nicht nur aus dem Linthgebiet.»

Schule ohne Stundenplan

Gemäss Peter Frey, Co-Präsident des Verbands Zürcher Privatschulen und Rektor der Freien Evangelischen Schule Zürich, sind die Beweggründe für eine Privatschule in Zürich dieselben wie im Kanton St. Gallen. Ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der öffentlichen Schule stellt er nicht fest. «Der Vorteil von Privatschulen ist, dass sie die Möglichkeit haben, alternative pädagogische Ansätze schneller auszuprobieren als die öffentliche Schule. Somit können sie rasch auf die Bedürfnisse der Eltern und Kinder nach neuen Unterrichtsformen reagieren.»

Gerade bei den jüngeren Privatschulen hätte er hier eine grosse Innovationswelle beobachten können, erzählt Frey. Aktuell seien Unterrichtsformen mit Selbstorganisiertem Lernen ohne vorgegebenen Stundenplan oder Schulen mit musischem Schwerpunkt im Trend. Peter Frey geht deswegen auch nicht davon aus, dass die Nachfrage nach Privatschulen in Zukunft abnehmen wird. «In den Zeiten des Individualismus wird es immer das Bedürfnis geben, seinem Kind ein besonderes schulisches Angebot bieten zu können.»

Erstellt: 27.08.2018, 18:26 Uhr

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Die Organisation von Privatschulen

Grundsätzlich müssen alle Privatschulen ihren Unterricht am Lehrplan des jeweiligen Kantons orientieren. Das heisst, sie lehren denselben Fächerkatalog, wie ihn auch die öffentlichen Schulen haben. Die Art, wie sie diese Fächer vermitteln, ist aber nicht vorgegeben.

Die Institutionen müssen ausserdem die Anschlussfähigkeit an höhere Schulen oder an Lehren garantieren können. Einzige Ausnahme sind die fremdsprachigen Schulen. Sie müssen sich nicht an den Lehrplan halten und auch keinen Anschluss garantieren können. Jede Privatschule wird vor der Eröffnung von der Bildungsaufsicht überprüft und auch regelmässig kontrolliert.

Verboten sind unter anderem Schulen, deren Ausrichtung als fundamentalistisch ­religiös eingeschätzt wird. (ngr)

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