Uetikon

Bauern gehen gegen Gymi-Provisorium auf die Barrikaden

Lange hat es gegen das Gymi-Provisorium im Uetiker Zentrum keinen öffentlichen Widerstand gegeben. Kurz vor der Gemeindeversammlung werben nun einige Landwirte mit einer Plakataktion für die Ablehnung der Vorlage.

Auch auf der Riedstegwiese, auf der das Provisorium zu stehen kommen soll, wurde gegen die Vorlage des Gemeinderats protestiert.

Auch auf der Riedstegwiese, auf der das Provisorium zu stehen kommen soll, wurde gegen die Vorlage des Gemeinderats protestiert. Bild: Marco Huber

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Es könnte eine aufreibende Gemeindeversammlung werden, die am nächsten Montag auf ­Uetikon zukommt. Mit der Einzonung der Riedstegwiese und deren Umnutzung zum Provi­sorium für die Kantonsschule kommt nach dem Landkauf im Oktober das nächste grosse Geschäft vors Stimmvolk. Noch hat sich in der Öffentlichkeit kein Widerstand gegen das Provisorium auf dem Maisfeld geregt – bis jetzt.

Diese Woche sind an fünf Standorten, jeweils auf einer Weide, Transparente aufgetaucht, die in grossen, leuchtenden Lettern für ein Nein zur Vorlage des Gemeinderats werben: auf der Birchweid, an der Dollikerstrasse, an der Bergstrasse unterhalb der Abzweigung Chnollistrasse, an der Alten Bergstrasse und auf der Riedstegwiese selbst. Die meisten Plakate waren an Traktoranhängern befestigt worden. Der Urheber bezeichnet sich selbst etwas kryptisch als «IG Nahrung und Umwelt». Seine Botschaft lautet: «Unser Essen ­sichern, Kulturland erhalten.»

Auf der Gemeindeverwaltung war von einer solchen Kampagne nichts bekannt. Laut Gemeindeschreiber Reto Linder sind anscheinend auch die Eigentümer zweier verpachteter Grundstücke nicht über die Aktion ins Bild gesetzt worden. Offensichtlich seien die Transparente buchstäblich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgestellt worden.

«Ackerland erster Güte»

Hinter der Interessengemeinschaft verbirgt sich eine Gruppe Uetiker Landwirte um Hansueli Müller und Fritz Tritten. «Wir befürchten, dass mit der Riedstegwiese eine weitere landwirtschaftlich genutzte Fläche ver­loren geht, nur weil die Gemeinde auf eine Art von Kuhhandel mit dem Kanton eingegangen ist», sagt Müller. Der Verlust von Landwirtschaftsland sei vor allem für die lokalen Viehhalter schmerzhaft. «Es ist absurd, dass die Gemeinde so viel Land am See gekauft hat und nun fruchtbares Land an bester Lage abgibt», gibt Fritz Tritten, Pächter der Ried­stegwiese, zu bedenken. Immerhin handle es sich dabei gemäss Geografischem Informations­system des Kantons Zürich (GIS) um Ackerland erster Güte. Zudem hätten zentral gelegene Grünflächen für das Dorf einen grossen Wert, vor allem auch für zukünftige Generationen.

Die Forderungen auf den Plakaten sind nahezu identisch mit jenen, die der Schweizerische Bauernverband (SBV) in seiner Volksinitiative zur Ernährungssicherheit stellt. Darin fordert der SBV eine erhöhte Versorgung durch Nahrungsmittel aus einheimischer Produktion sowie dass der Bund Massnahmen gegen den Verlust von Kulturland trifft. Die Uetiker Ortsparteien stehen allesamt hinter dem Provisorium und damit hinter dem Gemeinderat. Für die Argumente der Landwirte zeigen sie dennoch Verständnis. «Natürlich können auch politische Gegner ihre Argumente kundtun, wann und wie sie wollen», hält FDP-Präsidentin Ruth Rump fest. Diese ignorierten allerdings, dass der Souverän im kommunalen Richtplan die Riedstegwiese dem Zentrums­gebiet zugeteilt habe.

Edith Bucher von der Lobbyfür Uetikon, einem Zusammenschluss von CVP, EVP, Grünen, Grünliberalen und SP, sagt: «Die Bauernlobby befürchtet, dass die Wiese später nicht mehr Kulturland sein wird. Für uns ist das aber die logische Folge des Landkaufs am See.»

Landabtausch schon erfolgt

Den Gemeindepräsidenten Urs Mettler (parteilos) stört weniger der Widerstand gegen die Einzonung an sich als vielmehr die Art und Weise des Protestes: «Es gab eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Provisorium.» Es sei dann sehr schade, wenn die Kritiker sich da nicht äusserten und erst jetzt mit ihrem Anliegen auf diese etwas skurrile Art hervorkämen. Der knapp gehaltenen Argumentation der Bauern widerspricht auch Mettler mit dem Hinweis, dass die Gemeindeversammlung im Jahr 2010 im Rahmen des kommunalen Richtplans einem Landabtausch zwischen der Riedstegwiese und einer Parzelle im Grüt zugestimmt habe. «Es geht somit de facto mit der jetzigen Einzonung kein Kulturland verloren», sagt Mettler. Zudem hält er fest, dass eine erneute Umzonung dieser Parzelle nach der Nutzung als Provisorium in jedem Fall durch die Gemeindeversammlung zu beschliessen sein wird.

Zwei der fünf Transparente mussten in der Zwischenzeit bereits wieder weichen. Der Anhänger auf der Riedstegwiese wurde auf Anweisung des Kantons ­Zürich, als Eigentümerin der ­Parzelle, entfernt, und auch das Transparent auf der Birchweid musste auf Geheiss des privaten Eigentümers wieder weg – in etwa so schnell, wie sie über Nacht aufgetaucht waren. Auf jeden Fall wollen Müller und Tritten gemeinsam mit weiteren Landwirten auch an der Gemeindeversammlung am nächsten Montag für ihre Interessen einstehen.

Erstellt: 01.12.2016, 08:34 Uhr

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