Zollikon/Egg

Barrierestreit dauert schon vier Jahre

In Zollikerberg und Egg sollen an Forchbahnübergängen Schranken angebracht werden. Die Gemeinden sind nicht begeistert von den Plänen.

Entlang der Forchbahn wurden schon viele Bahnübergänge saniert.

Entlang der Forchbahn wurden schon viele Bahnübergänge saniert. Bild: Archiv Nicolas Zonvi

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Bahnübergänge zu sanieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine Herausforderung ist dies insbesondere bei den Übergängen, welche die Forchbahn gemäss einer Bundesvorgabe ursprünglich bis Ende 2014 hätte sanieren müssen. Die Frist wurde in der Zwischenzeit verlängert, auch weil mehrere Rekurse eingingen – so bei den Übergängen an den Stationen Spital Zollikerberg und Zollikerberg sowie am Übergang Rällikerstrasse/Forchstrasse in Egg. Dort sollen zusätzlich zum Lichtsignal neu Schranken angebracht werden.

Die Schranken sind in sowohl in Egg als auch in Zollikerberg aus verkehrstechnischen Gründen umstritten. Die Gemeinden befürchten, dass es zu mehr Rückstau kommen wird. So haben die Gemeinde Zollikon, aber auch der Quartierverein Zollikerberg Einsprache eingereicht. Bedenken, welche die Forchbahn durchaus auch aufnimmt. So hat sie bezüglich des Zolliker Übergangs Forchstrasse/Binzstrasse eine Projektänderung eingebracht, die eine Verlängerung der Linksabbiegerspur stadtauswärts vorsieht.

Entscheid abwarten

Das Plangenehmigungsverfahren, also das Verfahren für die Erlangung einer Baubewilligung für die Bahnübergangssanierungen, sind beim Bundesamt für Verkehr (BAV) bereits seit 2014 hängig. Doch war­um braucht das BAV vier Jahre, um einen Entscheid zum Bau einer Schranke bei Bahnübergängen zu fällen? «Das Projekt ist komplex: Es hat zahlreiche Einsprachen verursacht und wurde mehrfach geändert», sagt Sprecherin Florence Pictet. Das BAV warte zudem einen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts in einem ähnlichen Fall ab, um keine Differenzen zur richterlichen Rechtsprechung zu schaffen.

«Die Wucht des Aufpralls darf
nicht unterschätzt werden.»
Markus Amrein, Forchbahn AG

Erst wenn der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vorliege und rechtskräftig geworden sei, könne das BAV das Egger Planungsgenehmigungsverfahren vorantreiben und mit einem Entscheid abschliessen. Weitere Details kann Pictet nicht nennen, «da es sich um ein laufendes Verfahren handelt».

Sicherheitsbedenken

Markus Amrein, Bereichsleiter Infrastruktur der Forchbahn AG, nimmt die zeit­liche Beanspruchung gelassen: «Es ist aus unserer Sicht gut und wichtig, dass das BAV allen Stimmen Gehör verschafft. Das braucht Zeit.» Das Amt unternehme eine ausführliche Vernehmlassung, «die für einen sauberen demokratischen Prozess unverzichtbar ist», sagt Amrein. Dennoch rechnet die Forchbahn damit, dass sie im Verlauf des ersten Semesters dieses Jahres einen Beschluss erhalten wird. «Wir erwarten einen Entscheid, der rechtliche Klarheit bringt.»

Das Anliegen der Forchbahn ist es aber, den Bahnübergang mit Schranken sicherer zu machen. «Derzeit ist der Verkehr aber nur mit Ampeln geregelt. Im Jahr 2018 war insgesamt dreimal ein Notstopp eines Forchbahnzugs nötig, um eine schwere Kollision zu verhindern», sagt Amrein. Die drei Notstopps erfolgten zwar alle drei in Egg, doch in Zollikerberg ereignete sich am 28. Dezember an der Trichtenhausenstrasse sogar eine Kollision zwischen einer Velofahrerin und einer Forchbahn, bei welcher die Passantin leicht verletzt ­wurde.

«Wir sind besorgt, dass der Verkehrsfluss nicht mehr gesichert wäre.»Martin Hirs (SVP), Zolliker Gemeinderat

Würden Barrieren den Bahnübergang sichern, sehe die Situation anders aus: Dann reagiere die Bahnsicherungsanlage auf der Bahnstrecke und signali­siere dem Lokführer damit eine Störung. «Der Lokführer verlangsamt die Fahrt, weil er weiss, dass im Bahnübergangsbereich etwas nicht in Ordnung ist. Oder der Zug wird durch die Zugsicherung vor dem Bahnübergang auto­matisch gestoppt», sagt Markus Amrein.

Seit der Umsetzung der Sanierung der Bahnübergänge seien 20 Barrieren beschädigt worden, ohne dass es zu einer Kollision gekommen sei. «So wurden weitere schwere Unfälle vermieden. Wie eine Kollision zwischen einem Zug und einem Auto aussehen kann, wurde kürzlich ja in Uster leidlich offenbart. Die Wucht des Aufpralls darf auf keinen Fall unterschätzt werden», sagt Amrein.

Bisher gebe es 25 Bahnübergänge mit Barrieren auf der gesamten Forchbahnstrecke, ohne den gemeinsam mit den VBZ benutzten Streckenteil ab Rehalp bis Stadelhofen. Drei sind noch offen: die Rälliker/Forchstrasse in Egg sowie die Forch-/Trichtenhauserstrasse und Forch-/Binzstrasse in Zollikerberg. Das BAV befasse sich parallel mit allen drei Verfügungen.

Gegen Verbreiterung

In Zollikon ist man nicht begeistert von dem Vorhaben, die beiden Forchbahnübergänge an den Stationen Spital Zollikerberg und Zollikerberg mit einer Barriere zu versehen. Grund ist die Verkehrssituation auf der Forchstrasse, die vielen Pendlern als Einfallsachse in die Stadt Zürich dient. «Wir sind besorgt, dass der Verkehrsfluss mit den Schranken nicht mehr gesichert wäre, da dies zu einem Rückstau führen würde», sagt der zuständige Gemeinderat Martin Hirs (SVP).

Auch die Projektänderung der Forchbahn AG, eine Abbiegespur auf der Forchstrasse zu verlängern, sieht der Bauvorsteher kritisch. «Dafür müsste man die Strasse verbreitern», betont Hirs. Eine Idee, die in Zollikon nicht nur aus verkehrstechnischen Gründen nicht gut ankommt. Schon länger gibt der trennende Charakter der Kantonsstrasse in der Gemeinde zu reden. «Eine Verbreiterung stört das Siedlungsbild», äussert Hirs denn auch seine Befürchtungen.

Erstellt: 20.02.2019, 09:21 Uhr

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