Bezirksgericht Meilen

Bankräuber von Stäfa muss die Schweiz verlassen

Ein Mann, der zweimal die UBS Filiale in Stäfa überfallen hat, wurde vom Bezirksgericht Meilen zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Ausserdem muss der junge Mann zurück in den Irak.

Der verurteilte Iraker hatte diese UBS-Filiale an der Stäfner Seestrasse gleich zweimal überfallen.

Der verurteilte Iraker hatte diese UBS-Filiale an der Stäfner Seestrasse gleich zweimal überfallen. Bild: Screenshot Google Street View

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Er wohnt seit Kindstagen in der Schweiz, durchlief hier alle Schulen und schloss eine Lehre als Verkäufer ab. Geht es nach dem Bezirksgericht Meilen, muss ein 23-jähriger Iraker nun jedoch wieder in sein Heimatland zurückkehren. Zur Landesverweisung geführt haben unter anderem drei Banküberfälle.

Begonnen hatte aber alles mit einer vergleichsweise harmlosen Tat. Nach einem Streit mit seinen Eltern demolierte der Mann auf dem Heimweg in der Wut wahllos den Seitenspiegel eines parkierten Autos. Den Schaden meldete er bei der Privathaftpflichtversicherung des Vaters. In der Schadensanzeige gab er an, er sei mit einem Velo unterwegs gewesen und habe aus Unachtsamkeit den Spiegel des Autos touchiert. Damit machte sich der Mann nicht nur der Sachbeschädigung, sondern auch des Betrugs strafbar.

Der junge Mann musste sich am Dienstagmorgen aber auch wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls vor dem Bezirksgericht verantworten. So ist der Mann abends in ein Coiffeurgeschäft in Stäfa eingebrochen und hat dort Bargeld in der Höhe von rund 500 Franken erbeutet.

21 Mal zugestochen

«Ich hatte Schulden beim Betreibungsamt und bei Privatpersonen», begründete der junge Mann seine Tat vor Gericht. In die Schulden geführt habe ihn hauptsächlich sein regelmässiger Kokainkonsum. «Zudem war ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein halbes Jahr arbeitslos.»

Aufgrund seiner misslichen Lage begab sich der Beschuldigte am 3. Januar 2018 vermummt und mit einem Schraubenzieher bewaffnet in die Stäfner UBS-Filiale. Dort forderte er eine Angestellte auf, ihm Geld herauszugeben. Um seine Forderungen zu unterstreichen, drohte der Mann der Bankangestellten mehrfach mit den Worten «Ich steche zu». 9400 Franken erbeutete der Iraker auf diesem Weg.

Das Geld aus dem Überfall reichte jedoch nicht, um seine Schulden vollständig zu begleichen, weshalb sich der Mann ein paar Tage später erneut des Raubes schuldig machte. Wiederum vermummt und mit einem Schraubenzieher bewaffnet, suchte er die UBS-Filiale in Lachen auf. Obschon sich zu diesem Zeitpunkt ein weiterer Kunde in der Bank aufhielt, schritt der Angeklagte an den Kundenschalter und forderte den Angestellten auf, ihm Geld zu geben. Als dieser ihm aufgrund einer Fehlmanipulation nicht sofort einen Geldbetrag zur Auszahlung freigeben konnte, drohte der Beschuldigte ihm mehrfach mit den Worten «Ich steche zu». Um seine Forderungen zu verdeutlichen, stach der 23-Jährige während des Überfalls insgesamt 21 Mal mit dem Schraubenzieher auf die Schaltertheke ein. Schliesslich gelang es dem Bankangestellten mit der Hilfe zweier Kollegen, die Schublade mit der Fremdwährung zu öffnen. Daraus erbeutete der Iraker 13 470 Euro.

«Mein Handeln tut mir Leid»

Trotz des zweiten erfolgreichen Überfalls hätten ihn noch immer Geldsorgen geplagt, weshalb der Mann rund drei Wochen später erneut die UBS-Filiale in Stäfa aufsuchte. Mit einem metallenen Löffel bewaffnet, gelang es ihm jedoch nicht, den Angestellten davon zu überzeugen, ihm Geld auszuhändigen. So flüchtete er ohne Beute nach Hause, wo er später von der Polizei verhaftet werden konnte.

Der Iraker zeigte sich gegenüber den Richtern vollkommen geständig. «Ich kann fast nicht glauben, was ich getan habe.» Er habe in den Monaten, die er seit seinen Taten in Sicherheitshaft verbracht habe, viel Zeit gehabt, um über seine Taten nachzudenken. «Mein Handeln tut mir furchtbar Leid. Ich möchte mich bei den Kunden und Angestellten der Banken entschuldigen.»

Genützt hat dem Mann seine Reue jedoch nichts. Das Bezirksgericht sprach ihn im abgekürzten Verfahren in allen Anklagepunkten für schuldig. Der Mann wurde zu einer 30-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Hälfte davon muss er absitzen. Die restlichen 15 Monate werden unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren bedingt aufgeschoben. Weil der 23-Jährige seit seiner Festnahme bereits 398 Tage in Haft verbracht hat, wird er das Gefängnis bereits im Mai verlassen können. Nach Hause zu seinen Eltern kann er dann allerdings nicht.

Weil er mit seinen Delikten die öffentliche Sicherheit gefährdete, sprachen die Bezirksrichter die obligatorische Landesverweisung aus. Diese gilt für sieben Jahre. Der Vollzug der Wegweisung muss allerdings in einem separaten Verfahren geprüft werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2019, 16:28 Uhr

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