Meilen

Badhüsli-Vermieterin gibt den Schlüssel weiter

Nach 24 Jahren gibt Silvia Ramseyer den Vermietungsdienst des Meilemer Badhüslis ab. Die 80-Jährige hat das Dorfleben in vielerlei Hinsicht geprägt.

Stets bunt gekleidet: Die 80-Jährig Silvia Ramseyer bezeichnet sich selber als Kanarienvogel.

Stets bunt gekleidet: Die 80-Jährig Silvia Ramseyer bezeichnet sich selber als Kanarienvogel. Bild: Manuela Matt

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Silvia Ramseyer ist in Meilen gerne gesehen. Bekannt ist sie vor allem, weil sie 24 Jahre lang für den Vermietungsdienst des Badhüslis an der Seestrasse in Feldmeilen verantwortlich war. Nun gibt sie ihr Amt in jüngere Hände. Den Entscheid bereue sie bereits ein wenig. «Mir fehlt der Kontakt zu den Menschen, er war mein Lebenselixir», sagt Ramseyer. Sie rede halt gerne, und so bekomme man keinen Alzheimer.

Die immer bunt gekleidete Meilemerin bezeichnet sich selbst als Kanarienvogel. Die Meilemer kennen sie hauptsächlich unter dem Spitznamen «Nuschle», den ihr einst ihr Ehemann Charles gegeben hatte. Engagiert hat sie sich nicht nur bei der Gemeinde, sondern auch bei Tischlein deck dich, dem Damenturnverein und dem Fussballclub.

Vernarrt in Fussball

Bereits bevor sie den Vermietungsdienst des gemeindeeigenen Badhüslis übernommen hat, leitete sie zwanzig Jahre lang den Kiosk auf dem Sportplatz in Meilen, wusch die Tenus der Meilemer Fussballer und ihr Mann mähte den Rasen. Irgendwann sei dies zu anstrengend geworden. Oftmals betrieb sie den Kiosk bis 3 Uhr morgens, weil die Kicker noch lange ihre Spieltage ausklingen liessen. Vom Fussballplatz wegzudenken ist die Pensionierte aber bis heute nicht. Bei jedem Spiel der Meilemer drehe sie fünf Runden um den Rasen. Sich hinzusetzen, komme nicht in Frage. «So bleibe ich fit.» Dabei werde sie manchmal von jungen Männern mit «Grüezi Frau Sugus!» gegrüsst, denen sie früher Sugus geschenkt und Sirup angeboten habe.

Nach 24 Jahren ist Schluss: Silvia Ramseyer gibt den Vermietungsdienst des Meilemer Badhüslis ab.

Fit blieb sie auch während der 24 Jahre, in denen sie das Badhüsli für die Gemeinde vermietete. Grossen Wert legte sie dabei auf Kommunikation. Auf ihrem Handy sei sie immer erreichbar gewesen. Da sei es auch mal vorgekommen, dass ein Mieter direkt aus dem Laden angerufen habe, um zu fragen, welche Kaffeekapseln er kaufen solle. Oder ob genügend Kohle zum Grillieren vorhanden sei. Zudem hätten viele ältere Mieter gar keine Emailadresse. «Sie waren immer froh, wenn sie mich noch ganz altmodisch anrufen konnten.»

Kein Problem für Ramseyer

Es sei eine wunderschöne Zeit gewesen, sagt die gebürtige Bündnerin aus Vals. Auch wenn nicht alles nach Plan lief, behielt sie die Nerven. Es sei zwar selten vorgekommen, aber man müsse damit rechnen, dass nach einem Event das Badhüsli aussehe, als würde der Weltuntergang bevorstehen. Einmal habe ein Fuchs Abfallsäcke und deren Inhalt zerfetzt. Die Wiese vor dem Badhüsli sei mit farbigen Überresten von Plastiktellern, Bechern und Girlanden übersäht gewesen. Auch habe es vorkommen können, dass Mieter das Aufräumen versäumten.

«Es ist wichtig, dass man anständig mit den Jugendlichen redet. Nur so fühlen sie sich ernst genommen.»

Die schöne Lage und der Unterstand des Badhüslis lockt auch Jugendliche an. Ein bis zwei Mal im Jahr seien Dinge kaputtgemacht worden, häufiger sei Abfall liegengeblieben. Dieses Problem ging Ramseyer kommunikativ an. Sie konfrontierte die Übeltäter persönlich und stellte an zukünftigen Abenden einen Abfallsack bereit. Die Vorfälle seien ab dem Zeitpunkt weniger häufig geworden. «Es ist wichtig, dass man anständig mit den Jugendlichen redet. Nur so fühlen sie sich ernst genommen.» Auch als 20 Anfragen für den 8.8.2018 eingingen, verhielt sich Ramseyer diplomatisch. Sie lud alle Interessenten an einem Sonntagmorgen ins Badhüsli ein, um die Vergabe auszulosen.

Sie muss nicht lange überlegen, wenn man sie nach ihrer schönsten Erinnerung fragt. Einmal habe ein Meilemer seine ganze Familie aus dem Tessin ins Badhüsli eingeladen. Am nächsten Morgen meinten dessen Eltern zu Ramseyer: «Alle sagen immer, im Tessin sei es am schönsten. Aber so schön wie im Badhüsli ist es nicht einmal bei uns.»






Erstellt: 11.11.2019, 16:07 Uhr

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