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Spurabbau auf Bellerivestrasse sorgt an der Goldküste für rote Köpfe

Die Fahrstrecke zwischen Tiefenbrunnen und Bellevue wird möglicherweise um eine Spur schmaler. Das Zürcher Stadtparlament hat eine Motion der Grünliberalen an den Stadtradt überwiesen. Mit dem Vorstoss soll mehr Platz geschaffen werden für den Veloverkehr. Politiker aus dem Bezirk Meilen befürchten ein grösseres Verkehrschaos.

Und täglich grüsst das Murmeltier: Auf der Bellerivestrasse Richtung Bellevue staut sich der motorisierte Verkehr.
Und täglich grüsst das Murmeltier: Auf der Bellerivestrasse Richtung Bellevue staut sich der motorisierte Verkehr.
Archiv Christian Dietz-Saluz

Es ist ein Vorstoss mit Zündstoffpotential: Die Grünliberalen wollen auf der Bellerivestrasse zwischen Bahnhof Tiefenbrunnen bis Bellevue eine Fahrspur aufheben. Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch eine entsprechende Motion an den Stadtrat überwiesen. Dieser soll bis in spätestens zwei Jahren einen Projektierungskredit für einen dreijährigen Pilotversuch vorlegen.

Mit dem Projekt würde die Einfallsachse der Goldküste ins Stadtzentrum von vier auf drei Fahrspuren reduziert. Zwei der verbliebenen Fahrspuren wären fix einer Fahrtichtung zugeordnet, die mittlere würde je nach Tageszeit anders genutzt: morgens für den Verkehr stadteinwärts, nachmittags und abends für Fahrzeuge, welche aus Zürich hinausfahren. Geleitet würden die Autos mittels Wechselsignalen und Bodenlichtern. Die aufgehobene Spur soll für einen beidseitigen Veloweg genutzt werden. Die Grünliberalen argumentieren, dass die Verkehrsbelastung mit dem angepassten Konzept bewältigt werden kann. Zudem würden die Anliegen der Quartierbevölkerung und der Velofahrer besser berücksichtigt.

Anliegen polarisiert

Die Seestrasse und in deren Verlängerung die Bellerivestrasse, ist für Autofahrer aus dem Bezirk Meilen eine wichtige Verbindung in die Stadt. Der Stau darauf erstreckt sich zu Stosszeiten bis weit in die Zürichseegemeinden. Entsprechend polarisiert die Vorlage.

«Das ist ein typisch grün-linkes Ansinnen», sagt Christian Hurter, Präsident der SVP Bezirk Meilen zur GLP-Motion. «Ich sehe nicht ein, weshalb man dem motorisierten Individualverkehr auf der Bellerivestrasse zu Hauptverkehrszeiten eine Spur wegnehmen soll, wo es doch auf dem Utoquai genügend Platz für Velofahrer hätte.» Hurter ist überzeugt, dass ein solcher Eingriff den Stau verlängern würde. Ein Umsteigen der Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr hält er für unrealistisch. Die Kapazität des ÖV sei zu niedrig. «Morgens um sieben sind die Züge bereits jetzt zum Bersten voll.» Der Parteipräsident glaubt nicht, dass der Viertelstundentakt, der auch am oberen rechten Seeufer eingeführt werden soll, dieses Problem nachhaltig beheben wird. «Die Bevölkerungszunahme am rechten Ufer wird die zusätzliche Kapazität auffressen.»

Thomas Rilke, Präsident der Grünliberalen Bezirk Meilen, unterstützt derweil seine Zürcher Parteikollegen. «Ich halte viel von der Motion.» Sie sei ein konkreter Vorstoss , um Zürich velofreundlicher zu machen. «Wir können nicht immer davon reden, und wenn es konkret wird, haben wir keinen Mut.» Rilke räumt zwar ein, dass das Projekt einige Unwägbarkeiten enthält. Für utopisch hält er es aber nicht. Und wenn schon: «Dass Leute auf den Mond fliegen, war früher auch utopisch.» Die Frage sei, ob man neue Wege beschreiten oder Altes bewahren wolle. Dass der Stau sich durch die Anpassung verlängern würde, glaubt der Parteipräsident nicht. Allerdings nur, wenn gleichzeitig der Viertelstundentakt der S7 eingeführt werde.

«Pflästerlipolitik»

Dies sieht die Meilemer Bezirkspräsidentin der FDP, Bettina Schweiger, dezidiert anders: «Ein solches Projekt würde mit Sicherheit mehr Stau verursachen.» Die Bellerivestrasse gehöre zu den zehn meistbefahrenen Strassen in Zürich. «Ausserdem führt der einzige Zugang zur Autobahn hier durch.» Schweiger hält es für einen Affront, wenn man «den Autofahrern einfach eine Spur wegnimmt».

Zumal Zürich seit Jahren wachse. Die Parteipräsidentin wünscht sich kreativere Lösungen. Man könne etwa in Betracht ziehen, eines der beiden seitlichen Tottoirs zum Radstreifen umzufunktionieren. Schweiger plädiert überdies für ein Gesamtkonzept bezüglich Velowegen. «Es wird Pflästerlipolitik betrieben.» Ob das nun angedachte Konzept realisiert wird, muss sich zeigen. Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) verwies im Tages-Anzeiger darauf, dass auch der Kanton ein gewichtiges Wort mitzureden habe.

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