Zollikon

Ausstellung zeigt unbekannte Seite einer Zolliker Persönlichkeit

Der Name René Scheidegger ist eng verbunden mit Zolliker Institutionen vom Chramschopf über die Bergfeste bis zum Kulturkreis. Weniger bekannt ist seine abstrakte Kunst. In der Villa Meier-Severini ist nun ein Teil davon zu sehen.

Sie ehren René Scheidegger: Sue Naef Gadient, Mirjam Bernegger und Nadine Freysz.

Sie ehren René Scheidegger: Sue Naef Gadient, Mirjam Bernegger und Nadine Freysz. Bild: Michael Trost

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Noch das letzte Werk zeigt, was ihn zeitlebens ausgezeichnet hat: seinen feinen Humor. Ein Haufen zerknülltes Papier auf einem weissen Bogen, daneben ordentlich hingelegt zwei gebrauchte Pinsel – so sieht er aus, der künstlerische Schlusspunkt. Als wollte er damit sagen: «Jetzt reicht es!» Er, das ist der Zolliker René Scheidegger. Jedoch, als Künstler ist er in seiner Wohngemeinde weniger bekannt, als sein umfangreicher Nachlass vermuten liesse. Das mag mit einem weiteren Charakterzug von ihm zusammenhängen. «Er hat mit seinen Bildern nie das Rampenlicht gesucht.»

Dies sagt Sue Naef Gadient. Als Kunsthistorikerin und ehemaliges Vorstandsmitglied des Kulturkreises Zollikon ist sie aber der Meinung: «Scheideggers Schaffen birgt wahre Schätze.» Und darum, hat unter anderem sie befunden, sollen die Werke des 2017 Verstorbenen für einmal ins Rampenlicht gestellt werden. Dies mit einer Retrospektive in der Villa Meier-Severini. Heute Donnerstag wird diese mit einer Vernissage eröffnet.

Wer durch die Räume der Villa streift, bemerkt rasch: Scheidegger hat immer wieder von neuem gesucht, gespielt und ausgelotet. Zusammenfassen lässt sich seine Kunst nur so weit, als dass es sich dabei um abstrakte Arbeiten handelt. Nicht jedoch um konkrete, wie Naef Gadient präzisiert. Denn im Gegensatz zu letzteren, die sich durch die technisch unterstützte Umsetzung mathematischer Prinzipien kennzeichnen, sei Scheideggers Vorgehensweise «Handarbeit pur» – so unvorstellbar dies scheinen mag.

Intuitiv gearbeitet

Gerade Linien sind ein prägendes Element seiner Werke. Daneben spielen Formen und Farben eine wichtige Rolle. Dies aber in jeweils ganz unterschiedlicher Gewichtung, wie die verschiedenen, ineinanderfliessenden Schaffensphasen des undatierten Gesamtwerks zum Ausdruck bringen. «Scheidegger hat intuitiv gearbeitet», erklärt Naef Gadient. Und das widerspiegelt sich denn auch in dem erwähnten Schlusswerk. Gut möglich, dass er hierbei die Intuition hatte, den Betrachter durch eine völlige Stilumkehr ins Collagenhafte zu irritieren – dies als schalkhaft verstandener letzter Wink.

Seine Schalkhaftigkeit hat sich indes nicht nur in der Beschäftigung mit der Malerei niedergeschlagen. Sie gehört zur Grundkomponente seiner Persönlichkeit wie die Vielfalt. Jene etwa zeigte sich auch in seinem Engagement in und für Zollikon. In diesem Wirken dürfte er dem einen oder anderen Dorfbewohner denn auch noch bekannt sein. So wie den Zeitgenossen von Scheidegger, die an zwei Hörstationen Einblick in ihre Erinnerung an ihn geben. Die vier Gespräche hat die Leiterin des Ortsmuseums, Mirjam Bernegger, aufgezeichnet. Sie wirkt neben Naef Gadient und Nadine Freysz als Kuratorin – letztere beiden in Verbindung mit dem Kulturkreis.

Den Kulturkreis hat denn auch Scheidegger während knapp 40 Jahren im Vorstand mitgeprägt. «Auch da hat er seinen Humor gern in die Sitzungen eingebracht», erinnert sich Naef Gadient, «er liebte es, Diskussionen über Kunst anzuregen.» Beteiligt war er aber auch beim Aufbau eines Quartierlebens in Zollikerberg. «Als dort in den Fünfzigerjahren der Bauboom ausgebrochen ist, hat er unter anderem die Bergfeste gegründet», sagt Bernegger. Diese hatten bis in die Achtzigerjahre Bestand.

Ausgebildeter Grafiker

Noch heute kennt man die Brockenstube Chramschopf als Zeuge seiner Tatkraft. Deren Logo geht ebenfalls auf Scheidegger zurück: War er doch ausgebildeter Grafiker und hat als solcher den Unterhalt für sich und seine Familie verdient – «die Kunst hat er im Stillen betrieben», erklärt Naef Gadient. Dazu gehörte das Verfassen philosophischer Texte über die Kunst, die Gesellschaft, das Leben allgemein – auch ein Aspekt, den die Ausstellung zeigt. «Er war ein bescheidener Mensch, hatte aber immer eine klare Meinung», sagt Naef Gadient. Dieser Wesenszug kommt im Kabarettschreiben als weitere Facette zum Ausdruck. Mit den liebevoll-ironischen Stücken sei er durchaus auch an die Öffentlichkeit gegangen, etwa bei den erwähnten Festen. Nun werden sie bald wieder zu hören sein: am übernächsten Sonntag als Teil eines Rahmenprogramms zur Ausstellung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.03.2019, 08:59 Uhr

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