Stäfa

Aus Stäfner Altersheim wird eine Asylunterkunft

Stäfa Das traditionsreiche, aber defizitäre Rudolfheim an der Seestrasse in Stäfa wird aufgehoben. Damit wird Wohnraum frei, den die Gemeinde künftig für Asylsuchende nutzen will.

Bald nicht mehr Alters-, sondern Asylheim: das Rudolfheim Stäfa.

Bald nicht mehr Alters-, sondern Asylheim: das Rudolfheim Stäfa. Bild: Archiv zsz

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Bewohner des Stäfner «Ruediheims», die auf den Rollstuhl angewiesen sind und ein Bad nehmen wollen, müssen sich heute auf dem Gang entkleiden. Allzu eng ist es in den über 100 Jahre alten Räumlichkeiten. Auch dass das Personal sich im Heizkeller umziehen muss, entspricht nicht den heutigen Anforderungen an Infrastruktur und Hygiene. Diesen Zuständen will die Gemeinde Stäfa nun ein Ende setzen. Die acht Betten im Rudolfheim werden demnächst ins kaum einen Kilometer entfernte Alterszentrum Lanzeln umgelagert.

Bereits seit letztem Jahr ist das einst eigenständige Haus beim Ortseingang an der Seestrasse eine Filiale der Lanzeln. Durch die Integration habe man das jährliche Defizit des Rudolfheims zwar etwas verkleinern können, sagt Stäfas Fürsorgevorstand David Dubach (FDP). Doch auch so zahle die Gemeinde jedes Jahr etwa 300 000 Franken drauf.

Vorwürfe sind verklungen

Schuld am Defizit ist neben der mangelhaften Infrastruktur vor allem die geringe Nachfrage. Derzeit sind laut Dubach nur vier der acht Zimmer im Rudolfheim bewohnt. Neueintritte verzeichne das Heim fast nur noch temporär nach Spitalaufenthalten. Laut einem von der Gemeinde beauftragten Spezialisten wären Investitionen von über einer Million Franken nötig, um das Haus in Schuss zu bringen. «Doch selbst bei hundertprozentiger Auslastung wäre es nicht kostendeckend zu betreiben», sagt Dubach. Angesichts der angespannten Finanzlage Stäfas rechtfertige sich eine Investition nicht.

Im Frühling 2015 machte das Rudolfheim Schlagzeilen, nachdem der Stäfner Walter Linsi in einem Zeitungsinserat Vorwürfe an die Gemeinde erhoben hatte. Im «kleinen, aber feinen» Heim würden an Personal und Bewohnern vorbei stillschweigend Dienstleistungen abgebaut. Auf Anfrage äussert Linsi nun über- raschend Verständnis für den Entscheid der Fürsorgebehörde: Unter den heutigen Umständen sei dieser richtig.

Souverän hat nichts zu sagen

Vor knapp einem Jahr sagte Dubach ge­gen­über der ZSZ noch, dass über eine neue Verwendung des Rudolfheims die Gemeindeversammlung zu bestimmen habe. Dies gilt heute nicht mehr. Die Weiternutzung des Gebäudes obliegt laut Medienmitteilung dem Gemeinderat. Dubach präzisiert: «Am Bettenangebot ändert sich nichts, also ist kein Volksentscheid nötig.» Die Pflegewohnung in der benachbarten Überbauung Geren wird weiterbetrieben.

Die Umlagerung der Heimplätze fällt zusammen mit der höheren Aufnahmequote für Asylsuchende. Dubach bezeichnet es als «glücklichen Zufall» für Stäfa, dass man den Bedarf an Wohnraum an den bestehenden Standorten decken könne. Im Haus B des Rudolfheims wohnen seit drei Jahren sporadisch Asylbewerber. Derzeit wird es umgebaut, um die Kapazität zu erhöhen. Auch für das Haus A, das heutige Heim, ist laut Dubach der Druck für eine solche Nutzung da. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 31.01.2016, 23:46 Uhr

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