Herrliberg

Forellen dürfen laichen – für 1,2 Millionen

Ein Teil des Büelhältlibachs soll für 1,2 Millionen Franken revitalisiert und beim Hochwasserschutz auf den neuesten Stand gebracht werden. Dereinst könnten hier sogar wieder Seeforellen laichen.

Hier unter dem Viadukt an der Pfarrgasse verläuft der Büelhältlibach derzeit noch schnurgerade.

Hier unter dem Viadukt an der Pfarrgasse verläuft der Büelhältlibach derzeit noch schnurgerade. Bild: Manuela Matt

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Fast ein wenig versteckt liegt er, der Büelhältlibach in Herrliberg. Doch vielleicht ist es auch besser so: Denn wenn man von der Grütstrasse her kommend in die Pfarrgasse einbiegt, mag man sich zwar erst über den kleinen Wasserfall freuen, doch alsbald verläuft das Bächlein schnurgerade zwischen Betonmauern. Das Paradebeispiel eines von Menschenhand verbauten Fliessgewässers sozusagen. Kaum ein Fisch würde sich in diesen schmalen, lieblosen Wasserkanal verirren.

Nun soll der Bach auf dieser 85 Meter langen Passage zwischen See- und Grütstrasse ein neues Gesicht erhalten, revitalisiert werden. Ausserdem soll auch der Hochwasserschutz des Baches verbessert werden. Die Unterlagen zum geplanten Projekt liegen aktuell im Gemeindehaus Herrliberg auf. Und die Hoffnungen sind gross: Im vorgesehenen Zustand könnte das Gewässer neuen Lebensraum für Krebse bieten und sogar zum Laichgrund von Seeforellen werden.

Kanton und Bund zahlen mit

Doch bis dahin muss noch viel passieren. Ein Blick in die Unterlagen offenbart die wichtigsten Punkte. So wird der Bach künftig einen Verlauf in kleinen Kurven nehmen. Die Mauern würden, wo möglich, durch Böschungen ersetzt. Ausserdem würde das Bachbett mit Steinen, grobem Kies und sogenannten Kolken, also Vertiefungen in der Sohle, ausgestattet. «Durch eine geringe Verbreiterung und vollständig neue Gestaltung kann hier ein neuer Lebensraum für aquatische Lebewesen geschaffen werden», ist den Unterlagen für das Bauprojekts zu entnehmen.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich voraussichtlich auf 1,2 Millionen Franken, wobei nicht alles von der Gemeinde bezahlt würde. 35 bis 55 Prozent soll der kommunale Anteil betragen: Je nachdem wie viel Bund und Kanton übernehmen werden. Vor die Gemeindeversammlung kommen die Ausgaben nicht mehr, da es sich um gebundene Kosten handelt.

Wasserfall wird verschoben

Doch warum wird die Revitalisierung von 85 Metern Bach so teuer? «Es gibt verschiedene Kostentreiber», erläutert Dominik Schmid Projektleiter des beauftragten Ingenieurunternehmens Holinger AG. «Das sind zum einen die Werkleitungen, es ist ein relativ steiler Bach und wir brauchen in beengten Verhältnissen weiterhin Ufermauern und viel Material für den Erosionsschutz.» Doch dafür soll der Bach auch ein neues Äusseres bekommen. «Insbesondere auf der oberen Teilstrecke wird der Bach sichtbarer und erlebbarer», sagt Schmid. Erreicht werden soll dies durch die Verschiebung des Wasserfalls. Dadurch, dass dieser rund 15 Meter nach unten verlegt würde, würde das Bachbett angehoben. Eine Variante der Revitalisierung sah zudem die Aufhebung des Wasserfalls vor. Dieser Plan stiess allerdings nicht auf Gegenliebe bei den Anwohnern. «Der Wasserfall ist ein Element, das geschätzt wird», sagt Schmid.

Vollständig auf Mauern verzichten, können die Ingenieure bei der Neugestaltung des Baches nicht. «Ganz oben auf Seite der Pfarrgasse braucht es eine Stützmauer», erläutert Schmid. Gegenüber ist es jedoch möglich, die Böschung ohne Mauer naturnah zu gestalten. Die neuen Mauern sollen indes mit einer strukturierteren Oberfläche weniger künstlich aussehen.

Verbreiterung dämmt Flutgefahr ein

Im unteren Bereich in Richtung Seestrasse lässt sich der Bach nicht völlig neu gestalten. «Das hängt mit dem Hochwasserschutz zusammen», erläutert Schmid. Die Gefährdung durch Hochwasser liegt in diesem Bereich des Büelhältlibachs bei der Stufe gering und mittel. Doch einige Male trat das Gewässer hier schon über die Ufer: Das letzte Mal 2016 als die Seestrasse aufgrund von Hochwasser aus mehreren Bächen unter Wasser stand. Durch die Verbreiterung des Baches könnte künftig eine grössere Wassermenge abfliessen und so die Hochwassergefahr eingedämmt werden.

Bereits erneuert wurde der anschliessende Durchlass des Baches unter der Seestrasse sowie der Seezugang auf einem privaten Grundstück seeseitig der Seestrasse. Dort wurde der Bach aus dem Untergrund geholt, was nun den Aufstieg für Seeforellen erst ermöglichen würde. «Man will den Bach so auslegen, dass es für Seeforellen grundsätzlich möglich ist, durchzukommen», sagt Schmid.

Hoffnung auf Laichgebiet

Das hohe Gefälle und die Sohlschwellen können Hindernisse sein, aber es komme vor, dass starke Exemplare trotzdem bachufwärts schwimmen würden. Ob die Forellen den Büelhältlibach dereinst zum Laichen nutzen werden, müsste sich also noch zeigen. Klar ist, dass ein weiteres Laichgebiet am Zürichsee für den Fisch des Jahres 2020 wichtig wäre, denn die Seeforelle gilt schweizweit als stark gefährdet.

Die Revitalisierung des Büelhältlibachs soll sich lang- und mittelfristig nicht auf diese Passage beschränken, gibt es doch ein Gestaltungskonzept vom See bis hoch zur Rigistrasse. Als Baustart ist der Frühling 2021 vorgesehen und die Bauzeit dürfte vier Monate dauern. Das jetzige Projekt liegt noch bis zum 10. Februar auf.





Erstellt: 20.01.2020, 17:58 Uhr

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