Zollikon

Aus der Zolliker Kirche ins Fernsehstudio

Simon Gebs, reformierter Pfarrer von Zollikon, ist neu auch Moderator der Fernsehsendung «Wort zum Sonntag» beim Schweizer Fernsehen (SRF). Eine Tätigkeit, mit der er selber vorher gar nicht gerechnet hat.

Simon Gebs, reformierter Pfarrer in Zollikon, hat sein potenzielles Publikum dank der Fernsehsendung «Wort zum Sonntag» erheblich erweitert.

Simon Gebs, reformierter Pfarrer in Zollikon, hat sein potenzielles Publikum dank der Fernsehsendung «Wort zum Sonntag» erheblich erweitert. Bild: Manuela Matt

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«Fadengerade» sind die Rück­mel­dungen der vierköpfigen Runde. Zu viele Konjunktive und Schachtelsätze bringe er. Dafür zu wenig einleuchtende Bei­spiele. Die Betonung soll er so machen und die Handbewegungen so. Simon Gebs, refor­mier­ter Pfarrer von Zolli­kon, lässt sich ein auf das, was er später «inte­grierte Weiterbildung» nennen wird. Feilt an seiner Rede über die alltägliche Bedeutung des Bibelverses vom Splitter, den man im Auge des Nächsten sehe, jedoch den Balken im eigenen Auge nicht. So, dass sie ihm mit jedem Versuch besser gelingt. Und bis er schliesslich mit deren «Version 7b» die kritischen Stimmen und sich selber zufriedenstellt.

So ähnlich hat es sich Ende Oktober in der Stube von Gebs abgespielt. Es mag erstaunen, dass der Pfarrer sich derart akribisch vorbereitet – als stünde er ganz am An­fang seiner Kar­riere. Dabei ist er 22 Jahre allein schon in Zolli­kon tätig. Unzählige Predigten hat er in dieser Zeit gehalten. Doch was er sich mit Version 7b zurecht legt, ist «etwas ganz anderes» – und damit steht der 53-Jährige durchaus noch am Anfang: Es ist sein erster Beitrag für das «Wort zum Sonntag» des Schweizer Fernsehens. Mit vier weiteren Theologinnen und Theologen gehört Gebs zum neuen, konfessionsübergreifenden Moderationsteam. Seit 6. Oktober ist dieses alternierend auf Sendung.

Entscheidung braucht Zeit

Gut neun Monate früher sorgt bei Gebs eine Mail für Überraschung. Ihr Absender: Martin Kuse, Projektleiter Radio/Fernsehen bei den Reformierten Medien. Ihr Inhalt: Man sehe ihn, Gebs, als Kandidaten als «Wort zum Sonntag»-Redner. Ob er sich dies vorstellen könne? «Ich musste schon eine Zeit überlegen», erinnert sich der damals Angefragte. Immerhin verpflichte man sich für zwei Jahre; dies sei das Intervall, bis wieder ein neues Team zusammengestellt werde. Er halte das Medium Fernsehen aber auch für nicht zu unterschätzen: «Man exponiert sich.» Stelle das «Wort zum Sonntag» doch einen persönlichen Kommentar mit christlicher Botschaft dar – zum Zeitgeschehen und zu zeitlos Gültigem: Die moderierenden Theologinnen und Theologen sind in ihrer Themenwahl innerhalb der publizistischen Leitlinien des Schweizers Fernsehens frei.

Zudem dauert eine Sendung gerade mal dreieinhalb Minuten. Dies erlaube freilich nur, ein Thema zugespitzt zu behandeln. «Da muss man negative Rückmeldungen der Zuschauer kassieren können», ist sich Gebs bewusst, der verschiedenste Kommunikationskanäle und sozialen Medien bedient. Vor allem die Kürze und der persönliche Touch des «Worts zum Sonntag» seien denn auch das «ganz Andere», im Vergleich etwa zu einer Predigt in der Kirche.

Kurze Selbstzweifel

Doch trotz allen Respekts gegenüber der Aufgabe sagt er im Frühling für den Kameratest zu. Er nimmt es erst einmal als lustvolle, spielerische Übung. Da er ohnehin nie damit gerechnet hat, Fernsehpfarrer zu werden, hat er auch nichts zu verlieren. «Ich habe mich eher gefragt: Hat das, was ich sage, wirklich Relevanz?», sagt Gebs. Rund 300'000 Zuschauer sehen am Samstagabend im Schnitt die Sendung, die nach der Tagesschau die zweitälteste des Schweizer Fernsehens ist; seit 1954 ist sie im Programm.

Ob es andere nicht besser könnten?, sinniert er, bis feststeht, dass er sich gegen andere Kandidaten durchgesetzt hat. Danach kann er die Selbstzweifel loslassen. «Ich vertraue darauf, dass sich die Redaktionsverantwortlichen mit ihrer Auswahl etwas gedacht haben.»

So sehr ihn die Anfrage überrascht hat, so wenig stellt er sich den Fernsehbetrieb vor. Er lernt ihn ab August mit Beginn der Sprech- und Kameratrainings genauer kennen – eine Zeit, die er als lehrreich schildert: «Wir wurden gut gecoacht.» Auch als mit der ersten Aufzeichnung der Ernstfall ansteht. Er ist angespannt, aber auf positive Art: Nach etwa fünf Durchgängen ist die Aufnahme im Kasten. «Das Redaktionsteam hat stets gemeinsam mit mir analysiert und entschieden.»

Buch voller Ideen

«Die Menschen in ihren Erfahrungen ansprechen, sie über sich und ihr Handeln zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln bringen», ist sein Anliegen. Moralisieren indes wolle er nicht, schon gar nicht, sich als Pfarrer über alle menschlichen Schwächen stellen. Darum sind ihm Beispiele aus dem persönlichen Alltag, von eigenen Widersprüchen und wie er sie mit dem Glauben angeht, wichtig.

An Themen mangelt es ihm nicht. «Ich sehe die Welt inzwischen durch eine Wort zum Sonntag-Brille», meint Gebs lachend. Davon zeugen Zeitungsausschnitte und handgeschriebene Zettel in seinem Notizbuch: Ideen, die vielleicht zu einem «Wort zum Sonntag» werden.

Nächstes Wort zum Sonntag mit Simon Gebs: Samstag, 24. November, 20 Uhr, SRF 1 (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.11.2018, 17:27 Uhr

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