Wanderserie

Auf glühendem Asphalt vorbei an Mooren und Reben

Eigentlich hielte der Wanderweg von Rapperswil nach Stäfa idyllische Landschaften und interessante Orte bereit. Geniessen kann man sie im Hochsommer aber wenig.

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Diese Sonne. Diese verfluchte Sonne. Sie ist überall und es gibt kein Entrinnen von ihr. Dabei hätte der Abschnitt von Rapperswil nach Stäfa auf dem Zürichsee-Rundweg eine angenehme Wanderung werden sollen. Doch spätestens irgendwo in den Rebbergen im Hombrechtiker Ortsteil Feldbach ist der Moment gekommen, in dem sämtliche Wanderlust verfliegt und leise vor sich hin gefluchte Schimpftiraden über jeden Schritt ergehen. Über Schritte, die immer kleiner werden in diesem steilen Anstieg oberhalb des Bahnhofs. Von oben brennt die Sonne in der Mittagsglut mit gefühlten 40 Grad auf den Kopf nieder. Die heisse, endlose Asphaltstrasse, die die Luft wie in einem klischeehaften Western-Film flimmern lässt, reflektiert die Hitze und heizt von unten.

Das T-Shirt klebt, die Füsse brennen. Von der Aussicht über den Zürichsee nimmt man nichts mehr wahr. Die Mischung aus Schweiss und Sonnencreme in den Augen macht jegliches Panorama ungeniessbar. Ein ach so ersehntes Fleckchen Schatten in der sengenden Hitze ist nicht in Sicht, das Ziel Stäfa noch in weiter Ferne. Die eigentlich leichte Wanderung wird zur Grenzerfahrung. Alles nur wegen dieser Sonne. Dieser verfluchten Sonne.

Von Mooren geprägt

Dabei hat alles ganz harmlos begonnen. Beim Hafen von Rapperswil startet die Wanderung. Vorbei am Schloss kommt einem bereits zum ersten Mal eine Asphaltstrasse unter die Füsse. Ein Belag, der die 14 Kilometer lange Strecke prägt und nicht gerade attraktiver macht. Der Weg führt auf einen Hügel oberhalb von Kempraten in eine Welt der Idylle. Auf einem schmalen Pfad läuft man am Gasthof Frohberg mit weiss gedeckten Tischen vorbei und durch ein Villenquartier mit akkurat gemähten Rasen. Die Aussicht über Rapperswil-Jona und den Zürich- wie Obersee ist einer der Höhepunkte der Wanderung. Solche Anblicke sind jedoch selten auf der Strecke. Nach wenigen Schritten in Richtung Hombrechtikon verschwindet der See bereits wieder hinter hügeligen Wiesen und Weiden.

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden errericht man die Kantonsgrenze. St. Gallen hinter sich lassend, kehrt ersehnte Abwechslung ein. Der Wanderweg führt über einen grasigen Trampelpfad vorbei an Kühen und Schafen. Dies lässt für einen Moment vergessen, dass bisher noch durch keine längere Schattenpassage aufwartete. So angenehm wie auf diesen einigen hundert Metern Graspfad wünscht sich wohl manch Wanderer die ganze Strecke. Doch leider kehrt nach wenigen Minuten bereits der harte, heisse Asphalt wieder zurück.

Der kleine Weiher hinter dem Zentrum Meienberg in Rapperswil-Jona ist nur einer von vielen Weihern, Mooren und Rieden auf dem Weg.

Uralte Zeitzeugen

Beim Weiler Schlatt steht eine altehrwürdige Sehenswürdigkeit Hombrechtikons: das Einsiedlerhaus. Das älteste Gebäude auf dem Gemeindegebiet wurde 1514 erbaut. Etwas weiter liegt ein kleines, verstecktes Ried. Davon ist dieser Abschnitt des Zürichsee-Rundwegs geprägt. In Hombrechtikon und Feldbach gibt es überdurchschnittlich viele Moore. Dies geht unter anderem auf die Tätigkeit des Naturnetz Pfannenstiel zurück. Unterhalb des Weilers Schlatt hat die Organisation im Jahr 2003 ein ehemaliges Ried wieder bewässert und zwei Weiher angelegt. Die Gewässer sind im Schilf verborgen und zwei Blauflügel Prachtlibellen tänzeln durch die Halme. Das Ried soll unter anderem Ringelnattern und Libellen aber auch Pflanzen wie die rosafarbene Kuckucks-Lichtnelke fördern.

Die Wanderung führt vor allem über Asphaltstrassen, wie hier auf einem Moränenwall in der Widmen in Hombrechtikon.

Spätestens nach zwei Stunden Wanderung steigt einem die Hitze merklich zu Kopfe. Die Gespräche zwischen Redaktor und Fotografin verstummen. Dies nicht, weil es nichts mehr zu sagen gäbe, sondern weil ausführliches Reden zu energiezehrend ist. Man läuft über geteerte Strassen an Wiesen vorbei und vom Ausblick auf den See fehlt ebenso jede Spur wie vom ersehnten Schatten.

Da ist es quasi ein Todesstoss, dass ausgerechnet jetzt der anfangs besagte Aufstieg beim Bahnhof Feldbach folgt. Auch wenn der Weg durch die Rebberge einer romantischen Gegend der Romandie ähnelt, ist diese Passage im Hochsommer kein Genuss. Denn die vom Berg zum See abwärts zurückgelegten 100 Höhenmeter, gilt es nun an Höhe wieder zu gewinnen. Verschwitzt und erschöpft oben angekommen, führt der Weg unterhalb des Dorfes Hombrechtikon vorbei.

Auf den Wegen Grütrain und Widmen spaziert man über den Rücken eines uralten Zeitzeugen in Richtung Stäfa. Wie einer Tafel des Vereins Pro Hombrechtikon zu entnehmen ist, liegt die Strasse auf der Kante eines Erdwalls. Dieser ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, eine kleine Moräne. Die Schuttablagerung des einstigen Linth-Rhein-Gletschers entstand vor ungefähr 16 500 Jahren.

Beliebtes Ausflugsziel: Der Gasthof Frohberg in Stäfa.

Langersehntes Ende

Am Ende des Moränenwalls liegt schon bald die Gemeindegrenze Stäfas. Nach einem abkühlenden und ersehnten Frappé im Restaurant Frohberg steht der letzte Aufstieg der Wanderung an: der kurze aber steile Weg ins Reservoir Risi. Eine Plattform mit atemberaubender Aussicht. Parkbänke und Feuerstellen inklusive Feuerholz stehen den Verweilenden zur Verfügung. Ein Luxus, der hart verdient werden musste. Durch das Risitobel vorbei an Wasserfällen und der einzigen bewaldeten Passage der Wanderung enden die Strapazen.

Die Aussicht von der Risi oberhalb von Stäfa.

Viereinhalb Stunden reine Laufzeit nahm der Weg von Rapperswil nach Stäfa in Anspruch. Gemäss SchweizMobil muss für die Wanderung rund 3 3/4 Stunden einberechnet werden. Diese Vorgabe ist bei hochsommerlichen Temperaturen jedoch schwierig einzuhalten.

Erstellt: 09.08.2019, 16:30 Uhr

Serie

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Die ZSZ wandert: Wir schicken Redaktoren vom rechten Seeufer auf die linke Seeseite, während Redaktorinnen vom linken Ufer die rechte Seite erkunden – abseits ihrer sonst üblichen Wege. In acht Etappen geht es auf der Route 84 um den Zürichsee. Heute: Etappe 5 von Rapperswil nach Stäfa.

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