Wädenswil

Auf der Suche nach der schwarzen Knolle

Monika Masciovecchio sucht mit ihrer Hündin seit fünf Jahren in den Wäldern des Bezirks nach Trüffeln. Während sie früher die Pilze nur für sich und Freunde sammelte, finden sich heute bedeutend mehr Interessierte für die regionale Delikatesse.

Monika Masciovecchio und ihre italienische Wasserhündin suchen abseits der Wege nach schwarzem Gold.

Monika Masciovecchio und ihre italienische Wasserhündin suchen abseits der Wege nach schwarzem Gold. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ciocca, die fünfjährige Spurhündin, hat einen ausgezeichneten Riecher. Ihre Besitzerin Monika Masciovecchio führt sie an einer Leine durch den Wald, als die Hündin abrupt vom Weg nach links abbiegt. Sie scheint etwas zu riechen, auf das sie speziell geschult und ausgebildet worden ist: Trüffeln. Den Boden beschnuppernd, durchstreift der Vierbeiner nun ein kleines Waldstück. Nichts lenkt sie jetzt ab, weder andere Spaziergänger noch der Journalist und Fotograf, welchen sie zu Beginn etwas misstrauisch begegnete.

Plötzlich bleibt Ciocca stehen und fängt an zu graben. Die Erde schiesst hinter ihr in die Luft. «Bravo, Ciocca!», sagt Masciovecchio und eilt zur Hündin, um sie von dem Loch wegzudrücken, da die Besitzerin nicht will, dass die Trüffel von den Krallen und Zähnen Cioccas zu sehr beschädigt wird. Schliesslich füllt Masciovecchio das Loch wieder mit Laub und Erde und präsentiert den Fund.

Dank ihrer feinen Nase findet Hündin Ciocca die gut verborgenen Trüffel. Bild: Michael Trost.

Vorwiegend in Laubwäldern

Das kugelförmige Trüffelstück mit rund zwei Zentimetern Durchmesser und zehn Gramm Gewicht gehört im Vergleich zum durchschnittlichen Fund zu den kleineren Exemplaren. «Die Trüffelstücke können auch so gross werden wie ein Tennisball und bis zu 100 Gramm oder mehr pro Stück wiegen», sagt Masciovecchio.

Trüffeln würden vorwiegend in Laubwäldern vorkommen, sagt die Wädenswilerin. Im Bezirk finden sich solche Trüffeln vielerorts geschützt und versteckt unterhalb der Erdoberfläche. Masciovecchio hat für ihre Suche Plätze entdeckt, an denen sie regelmässig mit Ciocca vorbeispaziert, um zu «trüffeln» – wie sie die Suche nach der schwarzen Knolle nennt.

Ihre Ausbeute an schwarzem Gold kann Masciovecchio gar verkaufen. Bild: Michael Trost.

Empfindlicher Charakter

Wie viele Trüffeln sie und ihre Hündin pro Spaziergang sammeln, hängt von Ciocca ab. «Mal findet sie weniger, mal mehr und selten nichts», sagt Masciovecchio. Die Hündin, welche zur Rasse der Lagotto Romagnolo gehört – auch Italienischer Wasserhund genannt –, hat abgesehen von einer empfindlichen Nase einen ebenso empfindlichen Charakter.

Diesen zeigt sie auch an jenem Dienstagnachmittag, an welchem die «Zürichsee-Zeitung» sie und ihre Besitzerin begleitet. Nachdem der Fotograf mit der Kamera Ciocca etwas zu nahe gekommen ist, erschrickt die Hündin und entscheidet scheinbar, sich fortan nicht mehr dem Trüffeln zuzuwenden.

Mehr Abnehmer als früher

Dass die Trüffelsuche nicht immer erfolgreich ist, stört Monika Masciovecchio nicht. «Für mich steht die Beschäftigung mit dem Hund im Vordergrund», sagt sie. Sie habe auch erst begonnen, sich mit Trüffeln zu befassen, als sie und ihre Familie vor fünf Jahren Ciocca aufgenommen haben. Zu Beginn nutzte sie die Trüffeln nur für den eigenen Gebrauch oder gab sie Freunden. Mittlerweile kann Masciovecchio, die ungefähr zweimal wöchentlich in der Trüffelsaison – von September bis Dezember – auf Trüffelsuche geht, die kulinarisch wertvollen Pilze sogar verkaufen. Im Bezirk Horgen liefert sie das schwarze Gold etwa der Metzgerei Betschart sowie einigen Restaurants und privaten Bekannten.

Erstellt: 27.11.2017, 15:45 Uhr

Erfolgreiches Trüffeljahr am Zimmerberg

Trüffeln gelten als besonders exklusive Delikatessen. Die Speisepilze mit ihrem einzigartigen Geschmack wachsen nicht nur im Mittelmeerraum, sondern lassen sich auch in ganz Europa und in der Schweiz finden. Für die diesjährige Trüffelsaison, welche von September bis ungefähr Ende Dezember dauert, sprechen Sammler der Region von einem guten Jahr.

In der restlichen Schweiz hingegen zeigt sich ein anderes Bild. «Die langen Trockenzeiten im Sommer und Herbst haben dazu geführt, dass wenig Schweizer Trüffel angeboten wird», sagt Simon Egli von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf. Der Forstwissenschaftler leitet die einzige Forschergruppe in der Schweiz, welche sich den Trüffeln widmet.

Eine Ausnahme dieser mickrigen Bilanz sind aber die Regionen Zimmerberg und Pfannenstiel. Im Vergleich zur übrigen Schweiz seien dort die Trockenperioden nicht so lang gewesen, erklärt Egli. Dementsprechend konnten hier mehr Trüffeln gesammelt werden, sagt Egli.

Das Trüffelsuchen boomt

Damit Trüffeln gut gedeihen, braucht es einen kalkhaltigen Boden mit hohem pH-Wert. «Diese Voraussetzungen sind in weiten Teilen des Mittellandes und auch am Zimmerberg und Pfannenstiel gegeben», sagt Egli. Zudem wachsen Trüffeln häufig in Mischwäldern, da die Pilze mit den Wurzeln von verschiedenen Baumarten in Kontakt sind. Die meistverbreiteste Trüffelart in der Schweiz ist die Burgundertrüffel; eine dunkle Knolle mit hellem Innern, die über zehn Zentimeter gross werden kann. Laut Egli sind rund 95 Prozent aller in der Schweiz gefundenen Trüffeln Burgundertrüffeln.

Dass Trüffeln in der Schweiz unter guten Bedingungen wachsen können, weiss man erst seit wenigen Jahren. «Da man die Trüffeln nicht sieht, weil sie unterhalb der Erdoberfläche wachsen, wurde ihre Verbreitung lange unterschätzt», sagt Egli. Mittlerweile gibt es immer mehr private Sammler, welche sich einen geschulten Trüffelhund kaufen und nach dem Speisepilz suchen. Doch so einfach ist das gar nicht. «Wer erfolgreich trüffeln will, braucht viel Grundwissen und vor allem Geduld, um die besten Plätze zu finden», sagt Egli. (Reto Bächli)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles